mitwachsendes Kleid – Schnittmuster

oder ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Kinderkleidung ist schnell zu klein. Meist passt sie nur eine Saison, im nächsten Jahr sind die Kinder herausgewachsen. In der Vorpubertät ist es sogar so extrem, dass Hosen mehrfach im Jahr neu besorgt werden müssen. So ist verständlich, dass viele Menschen zu Produkten der Billigketten greifen und Fast Fashion anheizen. Dass die ökologischen und sozialen Nebenwirkungen nicht eingepreist sind und die Qualität zu wünschen übrig lässt, stört offenbar nicht allgemein. Das Bewusstsein ändert sich aber …

Ich gebe in meinem Blog zahlreiche Beispiele zum Upcycling, betone aber auch, dass sich Upcyclen nur lohnt, wenn hochwertige Ware zur Verfügung steht. Wenn man nun aus qualitativ hochwertigen und neuen Stoffen nähen möchte, muss man ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Im Sinne der Nachhaltigkeit und im Sinne der Geldbörse wäre es dann günstig, die Kinder würden mehr als in einer Saison hineinpassen.

So habe ich mir etwas überlegt…

mitwachsendes Sommerkleid für Mädchen
von hinten
von der Seite

Die drei Elemente, die ein Mitwachsen ermöglichen:

oben zu binden
beidseitig geknöpft
doppelter Saum

Ich erinnerte mich an meine Kindheit, eben arme Nachkriegszeiten, und das verhalf mir wahrscheinlich zu dem Konzept. Ich besaß als Kind einen Strickrock in dunkelblau. Oben war der weit, aber mit einem breiten Gummiband in einem gestrickten Tunnel verstellbar. Er war von der Taille aus gestrickt und wurde durch Maschenzunahme nach unten hin glockig. Er wurde über einige Jahre hin nach unten verlängert, indem bunte Streifen angestrickt wurden. Das sah wirklich süß aus.

Was lernt man daraus: Nicht nur Verlängern muss möglich sein, sondern auch ein Weiten, damit ein Kleidungsstück schnelles Wachstum mitmacht.

Mein Mädchenkleid ist oben durch Schleifen gehalten, unten ist aufgrund der Baumwolle und des geraden Schnitts ein doppelter Saum möglich. Beides dient dem Verlängern. Der Rock hat seitliche Nähte, die nicht ganz bis zur Taille geschlossen sind. Die seitlichen Schlitze verschwinden in der Raffung des Rocks. Die Passe besteht getrennt aus Vorderteil und aus Rückenteil, die über eine angeschnittene Knopfleiste verbunden werden. Die 6 Knöpfe lassen sich mit dem Weitenbedarf versetzen. Die Überlappung von Vorderpasse und Rückenpasse ermöglicht ein Weiten um mehrere Zentimeter.

Das Sommerkleid ist für Lenis Cousine Clara. In diesem Upcyclingprojekt wurde ein Vorhang ihres Haushaltes verwendet. Der Stoff ist absolut hochwertig und vollständig ohne Makel. Ich musste nur ein paar Nähte auftrennen, um genügend Stoff zur Verfügung zu haben.

Der Sommer wird kommen und das Kleid wird in jedem Falle passen, da bin ich sicher!

Den Mehrgrößen-Schnitt mit einer ausführlichen Anleitung – unterlegt mit Fotos und für Nähanfängerinnen konzipiert und formuliert – stelle ich in meinem Shop zur Verfügung.

Wenn Dir das Konzept gefällt bitte pinit!

Kinderwagentasche II

Mit meinem neuen Schnittmuster habe ich noch zwei weitere Taschen genäht, die ich vorstellen möchte. So sieht man noch einmal die Details des Konzepts, das ich schon beschrieb: https://sewtonew.blog/2021/01/02/schnittmuster-zu-grosser-einkaufstasche-als-kinderwagentasche/

Das Schnittmuster befindet sich im shop.

Upcycling: gefärbtes Bettlaken und Dekostoff

Den festen, sogar leinenartigen Stoff von Bettlaken habe ich schon einmal wegen seiner Festigkeit für Taschen verwendet: https://sewtonew.blog/2019/08/18/boho-schulterbeutel-diesmal-fuer-mutter/

Lasche zurückgeklappt
Lasche mit Druckknopf
Schultertasche
Gurte hervorgeholt
Gurte sind innen angenäht
Tasche innen pink
unten gerundet
Schultertasche an der Schneiderpuppe
grünes Exemplar aus Kinder-Dekostoff
Lasche innen einfarbig
Tasche mit Druckknopf gesichert
Gurte innen befestigt
Gurte hervorgeholt
wenn nicht am Kinderwagen, Schultertasche zum Einkaufen
viel Platz im Inneren
langer Schulterhenkel

nachgelegt: Fotos zu Mantel Charlotte

Nun wurde Leni mit ihrem neuen Mantel fotografiert. Er ist noch etwas lang an den Ärmeln, nächstes Jahr wird er auch noch passen, ein dicker Pullover passt jetzt auch noch darunter.

Anmerkung: Wir bilden unsere Enkel nicht in sozialen Netzwerken ab. Wir haben dafür gute Gründe. Deshalb ist das Gesicht jeweils nicht zu sehen. So sind auch meine Produkte meist auf Schneiderpuppen fotografiert.

Auf diesem Foto sieht man schön die weite Überlappung vorne und die doppelreihige Knöpfung sowie die Nahttaschen.

Hier wird die A-Linie, die durch die vier Falten entsteht, sichtbar. Auf dem Fahrrad und beim Toben super praktisch! Mädchenhaft ist der Bubikragen.

Von der Seite ist die bequeme Weite gut darstellbar.

Den link zum Schnittmuster findest du im Artikel unten, auch zur Historie findest du dort Hinweise:

Babyoverall zum Binden – Schnittmuster

Babyoverall
Babyoverall aus Walk zum Binden

Ein Stoffrest Wollwalk inspirierte mich, er lachte mich geradezu an beim Gedanken an den nahenden Herbst. Er war viel zu klein, um meinen jetzt schon doch großen Enkelkindern etwas daraus zu nähen. Er war übrig geblieben vom letzten Winteranzug für Leni. In allen Jahren zuvor hatte ich mich mit Winteroveralls aus Walk beschäftigt und dafür gesorgt, dass die Kleinen gut eingepackt waren.

Meine Vorliebe für Naturstoffe und speziell im Winter für Walk hatte ich damit schon kundgetan. Es geht nichts über die wärmenden Eigenschaften von Wolle!

Nun war der Stoffrest so klein, dass er nur für einen wirklich kleinen Babyoverall passen würde. Und dabei fiel mir dann auf, dass die Kleinsten eben noch nicht laufen und krabbeln und damit die Anforderungen an einen Overall anders sind. Es geht darum, dass die Babies weich und warm liegen und dass Mutter sie leicht an- und ausziehen kann. Eine Bindevariante lag dann sozusagen auf der Hand.

Es war relativ leicht, ein Schnittmuster zu zeichnen, ich hatte mich ja schon oft mit Overalls und Babybekleidung befasst. Das Schnittmuster dann zu digitalisieren war schwieriger, will man möglichst DINA4 Blätter für den Ausdruck sparen. Die Anforderung hat mich aber gereizt. Es sind 12 DINA4 Seiten geworden, 9 habe ich angesichts der Länge des Overalls dann doch nicht geschafft, wie auch immer ich die Schnittteile in den diversen Formaten drehte. Das Schnittmuster samt ausführlicher Anleitung biete ich im Shop unter Schnittmuster an.

Meine Erinnerungen an die im Garten bei Wind und Wetter schlafenden Enkelkinder sind damit wieder wach. Was schläft es sich gut an frischer Luft! Und wie gesund ist das! Für die Herbst- und Winterbabies ist dann warmes Einpacken Bedingung. Ein Wolloverall kommt zu diesem Zweck gerade richtig.

Schöne Walkstoffe sind auf dem Weg zu mir. Die Enkelkinder warten auf Wintermäntel. Demnächst finden sich deshalb auch Walkoveralls in meinem Shop für alle die, die nicht selber nähen wollen oder können. Eigentlich ist das Schnittmuster aber gerade für Nähanfängerinnen geeignet. Man sollte sich trauen!

Statt immer neuer Schnitte – Grundschnitt verändern!

Angesichts von drei Enkeltöchtern beschäftige ich mich wirklich gerne mit Mädchenkleidern. Ich stöbere bei Pinterest und suche nach neuen Anregungen. Unter Mädchenfein habe ich als Inspirationsquelle schon Allerlei gesammelt.

Diese Varianten stachen mir ins Auge und ich wollte mich damit beschäftigen:

Quelle/Quelle2

Es lässt sich sicherlich für ein solches Kleid ein Schnittmuster finden. Aber es geht auch einfacher, wenn du das Gesehene analysierst. Was ist zu sehen? Das Vorderteil besteht aus vier Teilen. Unter der gestreiften Passe findet sich im linken Beispiel ein gekrauster Rock. Seitlich geht der blumige Stoff längs durch. Wo dieser an den gekrausten Rockteil ansetzt, sind Nahttaschen untergebracht. Hinterrücks wird das Kleid fast genauso konstruiert sein, allerdings ohne die Taschen. Dann blinkt noch eine Knopfleiste im Rückenteil hervor. Halbe Ärmel runden das Bild ab. Was mich anspricht, ist die eingesetzte Passe, und dass die Weite des Kleidchens über das gekrauste Mittelstück erreicht wird. Soweit die Analyse.

Einen Grundschnitt für ein einfaches Kleidchen wird wohl jede Näherin besitzen. Wenn dieser schon erprobt ist und sich als brauchbar herausgestellt hat, ist das die beste Voraussetzung für eine Abwandlung.

Ich zeige dir nun per Abbildung, wie ich vorgegangen bin.

Zeichnung

Den Grundschnitt habe ich in der Seitenlinie schmäler geschnitten, weil es ja das gekrauste Mittelteil geben wird. Von Schulter bis Saum habe ich den Schnitt im Fadenlauf, also senkrecht, durchgeschnitten und noch einmal quer im Mittelteil, damit die Passe entsteht. Die Seitenteile 1 werden dann 4 mal, 2 für vorne und 2 für hinten, jeweils seitenverkehrt, benötigt. Das untere Mittelteil 2 habe ich verbreitert, weil es gekraust werden soll. Es wird 2 mal benötigt für hinten und vorne. Das obere Mittelteil 3 bleibt so wie es ist für vorne und wird im Stoffbruch zugeschnitten. Sinnvoll ist es, die Passe zu füttern, also das Ganze noch einmal in Futterstoff zuzuschneiden. Für den Rücken ist die Knopfleiste vorzusehen. Dazu wird Schnittteil 3 nach rechts erweitert und nicht im Stoffbruch sondern in doppelter Stofflage, zugeschnitten. Für das Futter das Ganze wiederum noch einmal mit Futterstoff vorsehen.

Dann kann schon genäht werden, sofern du die Taschen weglässt. Wie Nahttaschen zu nähen sind, erkläre ich ein anderes Mal.

Die Umsetzung hat dieses Kleidchen ergeben. Der einfarbige dickere Baumwollstoff harmoniert schön mit einem Stoffrest eines englischen Quiltstoffes. Der sorgt für ein romantisches Aussehen.

schnittvariante1

schnittvariante2

Das Kleid hat die Größe 98/104 und ich werde es zum Kauf anbieten, siehe „Angebote“ in der Menüleiste.

Letztlich sind meine Schnitte Designerschnitt „Cilly“ – Schnitt für Mustermix fertiggestellt und Upcycling Jeans – Jeanskleidchen aus vier Hosenbeinen – Freebook Größe 86 – 126 auch über solche Überlegungen entstanden. Allerdings war es hier wesentlich komplizierter, weil die Knopfleisten bedacht und konstruiert werden mussten und weil Stoffstücke für ein Upcyclingprojekt zu bedenken waren.

Einfacher ging es hier: Easy: Easy: Schnitt verändern, Schulternaht verschieben und Wenn der Stoff nicht reicht

Ich denke, mit ein wenig Näherfahrung mit verschiedenen Schnitten wirst du auf Dauer unabhängig von neuen Schnittmustern, vorausgesetzt gute, erprobte Grundschnitte sind vorhanden.

Sommerbezug für Maxi-Cosi Babyschale

Es hat sich glücklich ergeben: Ein Schnittmuster für die Maxi-Cosi-Babyschale ist entstanden und das kam so:

Das neue Enkelkind kommt im Sommer. Ich erinnere mich noch gut an den Besuch im Krankenhaus zur Geburt der nun größeren Schwester. Über die übergroße Freude an diesem Tag will ich jetzt aber nicht berichten, sondern von einer Begegnung unten in der Krankenhaushalle erzählen. Eine Mutter wartete unten in der Halle auf ihren Mann, der das Auto holte und vorfahren sollte. Die Mutter kümmerte sich um ein kleines Mädchen, auf dem Boden stand ein Körbchen moderner Art, nämlich ein Maxicosi, darin ein Neugeborenes. Ich fragte das kleine Mädchen, wer das denn sei. Sie antwortete: „Meine Schwester“. Die Mutter, die gesund und gut aussah, ich denke, sie war sogar geschminkt, erzählte dann, dass sie gestern entbunden hätte, nun ging es nach Hause. Dann war es wohl unkompliziert und leicht! Ja, das wünsche ich uns auch!

Die Begebenheit fand im September bei bedecktem Himmel statt. Das Neugeborene war gut eingepackt. Bei uns wird es anders sein, vielleicht wird es ein heißer und schwüler Tag sein.

So ist verständlich, dass der Wunsch nach einem Sommerbezug aus Baumwolle für den Maxicosi aufkam. Ich habe mich der Sache angenommen und es ist unerwartet ein intensiver Prozess des Lernens daraus geworden. Zwei alte verschlissene Bezüge unterschiedlicher Machart standen als Muster zur Verfügung. Auseinander schneiden, reflektieren, erste Schnittversuche, Kombination der Muster, neue Ideen, verwerfen, verändern, neu nähen, weiteres zur Probe nähen, anprobieren, anpassen usw., mit diesen Aktivitäten ging es eine geraume Zeit unter ständiger Optimierung. Und schließlich habe ich den Schnitt auch noch digitalisiert. Da meine kostenfreie Adobe Illustrator Version nicht mehr richtig funktionierte, habe ich Inkscape erlernt, das kostenfrei angeboten wird. Ich bin damit schließlich gut zurecht gekommen, wahrscheinlich aber, weil ich Illustrator schon kannte. Ich stellte auch noch fest, dass mein Drucker scannen kann, die Funktion war bis dahin noch nie benutzt worden. Dann habe ich mich mit Datei-Formaten jpg, png, eps, pdf, zip usw. herumgeschlagen, bis alles saß. Nun ist es vollbracht! Die Internet-Oma und Hobbyschneiderin ist mächtig stolz.

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Wer hat Lust nachzunähen? Wer benötigt einen Sommerbezug für den Maxicosi? Wer hat Lust auf eine besondere Gestaltung? 

Das Schnittmuster findest du in einer Deutschen und wegen des Erfolgs auch in einer englischen Version:

https://sewtonew.blog/product/schnittmuster-fuer-schonbezug-maxi-cosi/

https://sewtonew.blog/product/pattern-slipcover-for-the-maxi-cosi-baby-carrier/

und eine Rezension gibt es auch:

https://sewtonew.blog/2019/05/01/schonbezug-fuer-maxi-cosi-lob-fuer-das-schnittmuster/

Hier noch ein Auszug aus der Anleitung:

Schritt 2: Stoff zuschneiden

Du benötigst 80 cm eines dehnbaren Stoffes, z.B. Jersey, dehnbares Frottee etc. Man kann auch ein nicht mehr benötigtes dehnbares Spannbetttuch verwenden. Ich empfehle in jedem Falle einen hohen Baumwollanteil des Stoffs, denn es geht ja um einen Sommerbezug für heiße Tage. Darüber hinaus benötigst du passende Webware. Sie sollte einen 3 cm breiten und 190 cm langen Schrägstreifen hergeben. Für den äußeren Gummitunnel wird ein Streifen mit 3 cm Breite und einer Länge von 2,30 m benötigt. Für die Option Schnullerband und Tasche musst du zusätzlichen Stoff vorsehen.  Der Gummi außen rundum hat eine Länge von 110 cm. Also zusammengefasst:

  • dehnbarer Stoff wie Baumwolljersey 80 cm (Breite 1,40 m) oder ein Spannbetttuch
  • Baumwollstoff für Schrägstreifen und Band, z.B. 30 cm eines Baumwollstoffs (Breite 1,40 m)
  • Gummiband 110 cm
  • passendes Nähgarn
  • Nähmaschinen, Overlock und normale Maschine
  • Schneiderschere
  • optional: Trickmarker
  • optional: Stickvlies oder Backpapier
  • optional: Webware für Tasche und Schnullerband

Der Stoff liegt zunächst wie gekauft längs gefaltet, also doppelt. Wie die Schnittteile auf dem Stoff liegen, siehst du hier:

schnittaufstoff