Röcke für schmale Mädchen

Mit diesem Thema habe ich mich nun befasst, weil Clara, die Cousine meiner Enkelin, ein so dünnes Mädchen ist. Röcke rutschen! Das ist auch verständlich, wenn Maß genommen wird: Taille 54 cm, Hüftbereich 58 cm. Es fehlen halt die Kurven, die ein Röckchen locker an Taille und auf den Hüften halten könnten.

Ich denke, das ist ein allgemeines Problem. Deshalb habe ich mir verschiedene Lösungen überlegt und stelle sie euch vor.

Welche Anforderungen sollte man an ein solches Röckchen für ein schmales Mädchen stellen? Das Röckchen sollte weit und ausladend schwingen können. Ich denke, dass Schnittvorschläge im Netz beispielsweise auch für Kleider diesen Gedanken berücksichtigen. Mädchenhaft und schon etwas fraulich wird es, wenn das Kleidungsstück ab der Taille oder unterhalb des oberen Brustbereichs an Weite gewinnt.

Also Weite schaffen!

Wie soll aber diese Weite gehalten werden? Die nächste Anforderung ist, dass nichts rutschten sollte und dass es dennoch bequem ist. Außerdem haben junge Mädchen noch keine so feste Bauchdecke, d.h. ob eine Mahlzeit gerade eingenommen wurde, das merkt man am Taillenmaß.

Also festen Sitz bei gleichzeitiger Bequemlichkeit und gleichzeitiger Flexibilität schaffen!

Lösung 1: dehnbare Bündchen

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Diese Lösung ist wohl die beliebteste. Sie ist schnell genäht und erfüllt die oben genannten Anforderungen. Sie hat aber auch Grenzen. Wenn zuviel Material gerafft werden soll, entsteht ein hässlicher, sich wellender Oberlockwulst an der Verbindungsstelle zwischen Rockteil und Bündchen. Hilfreich ist dann ein wirklich hohes Bündchen. Außerdem muss der Rockteil vorgerafft werden, damit die Teile überhaupt zu verbinden sind. Dies habe ich hier realisiert, indem der untere Teil eines abgelegten Kleids von Hanna an das Bündchen kam. Die Farbkombination fand ich im Übrigen einmal spannend, statt dass sich meistens pink zu dunkelblau gesellt. Bei einem anderen Stoff als dem recht dünnen Baumwollstoff, der hier Verwendung fand, habe ich Ähnliches probiert und musste feststellen, dass die Bündchenvariante bei etwas dickeren Stoffen leider versagt. Dies ist ein weiterer Nachteil. Die Verbindung wird dann zu knubbelig und unschön. Bei dickeren Stoffen schafft man die Verbindung nur mit deutlich weniger Stofffülle,  also auf Kosten der angestrebten Weite.

Lösung 2: Smoken

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Smoken bedeutet, dass parallele Reihen von Gummigarn eingezogen werden. Sie halten auf der linken Seite unterhalb einer breiten Zickzacknaht. Beim Zickzack-Nähen auf vormarkierten Linien wird der Gummifaden in der Mitte des Nähfüßchens mitgeführt. Ehe die letzte Naht des Bündchens oder des Rocks genäht wird, zieht man die Gummifäden gleichmäßig auf die beabsichtigte Breite. Schließt man die Naht, werden die Gummifäden mit befestigt. Sicherheitshalber sollte man an den Stellen der Gummifäden mehrmals vor und zurücknähen, damit sich die Gummifäden, die unter Zug stehen, nicht herauswinden.

Ich habe hier wieder das Unterteil eines Kleids genommen. Aus dem Futterstoff dieses Kleids habe ich den Bund genäht. Der Rockteil ist wieder vorgerafft worden, ehe er an den dann fertig gesmokten Bund kam. So konnte ich die gesamte Weite erhalten.

Ich denke, dass dieses Verfahren ebenso wie die Lösung mit dem dehnbaren Bündchen für leichte Sommerstoffe geeignet ist. Zu bedenken ist, dass die recht dünnen Gummifäden nicht allzu viel halten können.

Lösung 3: Tunnelzug

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Statt dass Strickware oder Gummifäden den Bund dehnbar an die Taille schmiegen, kann dies auch ein Band tun, insbesondere dann gut, wenn das Band selbst etwas dehnbar ist.

In diesem Beispiel wurde ein genügend weiter Bund an den vorgerafften Rockteil genäht. Zuvor bekam der Bund vorne zwei Knopflöcher. Da ich mit sehr dehnbarem Material zu tun hatte, war Stickvlies beim Arbeiten der Knopflöcher hilfreich. Durch den nun zugänglichen Tunnel konnte dann das dehnbare Band gezogen werden. Die Enden habe ich mit zwei Filzherzchen verziert. Sie verhindern zudem, dass das Band in den Tunnel rutschen kann.

Ich denke, dass das Verfahren Tunnelzug durchaus auch für mittelschwere Stoffe anwendbar sein wird. Ich hatte allerdings mit einem leichten Jerseystoff zu tun, der wiederum ehemals das untere Stück eines Kleids war.

Lösung 4: Bund schnüren

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Der Cordstoff, den ich zunächst vergeblich versucht hatte, an einen Strickbund zu bekommen, hat nunmehr einen festen Bund aus Jeansstoff erhalten. Damit ist aber noch keine Bequemlichkeit und Flexibilität erreicht. Das gelingt aber, indem der Bund über 10 cm weiter ist als das Taillenmaß und er dann zusammengezurrt werden kann. Dazu sind vier Knopflöcher im vorderen Bund eingearbeitet, durch die kleine Schlingen gezogen und befestigt sind. Durch diese Schlingen lässt sich das passende Band ziehen wie bei einem Schnürschuh. So kann je nach Bedarf der Rock geschnürt werden. Alternativ ist sogar ein dehnbares Band denkbar, noch bequemer!

Ich denke, dies ist eine gute Lösung für etwas festere Stoffe. Alle zuvor genannten Anforderungen werden mit dieser Lösung erfüllt.

Lösung 5: Wickelrock

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In meinem Fundus befand sich noch ein typischer Rockstoff. Ich erinnere mich, dass es Zeiten gab, in denen sogenannte Trevira-Röcke hoch im Kurs standen. Aus dieser Zeit muss noch der Stoff stammen. Die Falten waren schon vorgefalzt, immer sechs Falten und dann ein gerades Stück, zwei solche Rapporte in der gesamten Breite des Stoffstücks. Für die schmale Clara kam das dann so aus, dass sich sechs Falten hinten befinden und das nicht gefaltete Stück vorne.

Wie soll man die Weite eines Faltenrocks für ein schmales Mädchen nutzen? Ein fester und auf Maß gebrachter Bund, der zu Falten passt, kommt nicht infrage – fehlende Bequemlichkeit, fehlende Flexibilität. So musste ich mir etwas überlegen. Und das ist herausgekommen: Der Rock ist vorne weit überlappend, das macht ihn auch vorne bequem. Der Bund ist ebenso überlappend. In diesem befinden sich auf der linken Seite der Überlappung oben zwei Knopflöcher, das linke davon ist auf dem Bild geknöpft, auf der anderen Seite zwei Knöpfe, einer liegt verdeckt unten. So ist es möglich, den Rockbund auf zwei verschiedenen Weiten zu knöpfen, je nach Bedarf.

Es gibt neben der Lösung, mehrere Knöpfe zu verwenden, weitere Möglichkeiten, Wickelröcke zu schließen: Bindebänder oder Schnallen ermöglichen Verstellen und Flexibilität. Das mache ich demnächst einmal. Jetzt hat Clara erst einmal genug neue Röcke und ich bin ein wenig erfahrener.

 

Falls ihr noch weitere Varianten empfehlen könnt, bitte im Kommentarfeld einstellen!

Farben für Kinderkleidung

Beim Upcycling von Kleidung Erwachsener zu Kinderkleidung taucht regelmäßig ein Problem auf. Die Farben der abgelegten Sachen sind gedeckt und Uni dominiert. Hanna, von der ich zahlreiche Kleidungsstücke bekomme und deren Stücke immer noch top sind, ist dunkelhaarig. Entsprechend ist ihre Kleidung schwarz, braun in allen Varianten, gelb, beige, grün, weiß und dunkelblau.

Meine Enkelkinder sind alle blond. Als Farben bei Leni haben sich herauskristallisiert: grau, weiß, rosa bis pink in allen Schattierungen, manchmal rot, lila, weil das offenbar die Lieblingsfarbe der großen Cousine ist, und blau sowie mint.

Was soll ich da also mit brauner und schwarzer Kleidung anfangen?

Zur Farbe Schwarz habe ich schon ein paar Überlegungen angestellt:

Kribbel, Krabbel – Marienkäfer verlassen ihr Winterquartier
Miau – Miezenkleidchen
Vampirkostüm als Upcyclingprojekt
Kleid für kleine Kölnerin
Aufs Schwarze getroffen
Shirt mit Ampelmännchen und Ampelfräuchen

Nun habe ich über die Farbe Braun nachgedacht. Es fallen mir da gleich die Farben Gelb und Orange zum Kombinieren ein. Es gibt Applikationen, die dazu passen könnten, so z. B. ein Löwe oder eine Giraffe. Bei Pinterest habe ich entsprechende Applikationsvorlagen gesammelt. Noch einmal über die Idee geschlafen, war sie mir das dann aber doch zu kindlich und jungenhaft.

Ich wollte zurückhaltendere Kleidungsstücke nähen und habe mich für eine witzige und schöne Applikation entschieden, die man Leni aber erklären muss. Andererseits habe ich das Braun mit Farben kombiniert, die bei Leni schon auftauchen. Für mich überraschend passt ein zartes Rosa prima zu Braun, ebenso ein Blaugrün. Und so sehen die Ergebnisse aus:

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Jeans Upcycling, aber bitte mit System!

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Wie du erkennst, habe ich mich mit dem Upcycling von Jeans schon einige Male befasst und Erfahrungen gesammelt. Deshalb möchte ich ein wenig aus meinem Nähkästchen plaudern.

Technische Erfahrungen:

Ohne eine Jeansnadel geht es nicht. Der Jeansstoff ist robust, aber eben auch schwer zu nähen. Mit einer Universalnadel kommt es doch zu Nadelbruch. Deshalb ist es ratsam, gleich die Jeansnadel oder sogar die Ledernadel einzuschrauben! Das verwendete Garn sollte Qualitätsgarn sein, anderenfalls ärgert du dich darüber, dass Garn reißt und der Faden wieder eingefädelt werden muss.

Overlock oder normale Nähmaschine? Dieser Frage möchte ich mich zuwenden. Overlocknähte haben zwar den Vorteil, das in einem Zug genäht und versäubert wird, aber die Nähte sind bei Jeansstoff doch recht dick. Will man das bei Kinderkleidung? Eher nicht. Außerdem verlangt der feste Jeansstoff der Overlockmaschine (ausgelegt für den privaten Gebrauch) allerhand ab. Wenn dann noch quer zu weiteren Nähten genäht werden soll, wird es doch noch mühsamer. Ich plädiere deshalb für die normale Nähmaschine. Ich plädiere dann weiter dafür, dass du die Nähte streng auseinander bügelst und links und rechts von der Naht absteppst, dies kleinstichig, um die Naht nicht nur flach zu halten, sondern auch um die Nahtzugabe zu sichern. Das macht Arbeit, klar, aber es lohnt sich.

Die Außenbeinnähte der Jeanshosen sind meist als Kappnähte gearbeitet. Ich halte diese dicken Wülste für ungeeignet, um sie bei Kinderkleidung weiter zu verwenden, wenn ich auch sonst dafür bin, so viel als möglich zu erhalten.

Es bietet sich daher an, die Hosen links und rechts der Kappnähte aufzuschneiden und dabei die Kappnaht zu entfernen. Die Innenbeinnähte kann man geschickt positioniert ggf. erhalten und verwenden. Dies war geschehen bei Lenis Jacke, die eine solche Naht mittig im Rücken und mittig auf den Ärmeln trägt.

So aufgeschnitten empfehle ich zunächst eine gründliche Wäsche. Mit gründlich meine ich, dass ruhig heißer gewaschen wird, als dies normalerweise für Jeans vorgesehen ist. Danach kann der Stoff eine gewissen Weichheit erlangen, wenn er im Trockner gewirbelt wird.

Gestalterische Überlegungen:

Reicht der Stoff der Hosenbeine für die vorgesehenen Schnittteile? Dies kann für Kinderkleidung kleiner Größen so sein. Günstig sind dann im Übrigen Schnitte, die von vorneherein ein stückweises Vorgehen verlangen, so bei Upcycling Jeans – Jeanskleidchen aus vier Hosenbeinen – Freebook Größe 86 – 126 oder bei Designerschnitt „Cilly“ – Schnitt für Mustermix fertiggestellt.

Wenn sich aber auch für nur eins der Schnitteile kein ganzes Jeansstück findet, muss der Stoff zusammengesetzt werden. Im Beispiel der Tasche waren das schmale Stoffstreifen, wobei gerade die kleinen Streifen den Clou der Tasche ausmachen. Und hier sieht man, dass der Phantasie beim Zusammensetzen keine Grenzen gesetzt sind. Aber: Es sollte mit System zugehen. Ich sehe im Netz zahlreiche Beispiele von Kleidung, die durch Upcycling entstanden ist. Oft sind die Stücke wirr zusammengesetzt, auch noch mit anderen Materialien kombiniert, und es entsteht etwas sehr Buntes, Ungeordnetes, Lappiges. Es macht den Eindruck, als wären die Stücke zufällig unter der Nähmaschine zusammengekommen. Man kann den „Hippie-Stil“ mögen, ich mag ihn nur zurückhaltend.

Deshalb plädiere ich für ein System: Streifen oder Quadrate oder Rechtecke in gleicher oder verschiedener Größe, in Farbtiefe und Größe wohl überlegt ausgesucht. Das macht zugegeben ein wenig Arbeit, bis die Stücke so liegen, dass ein schönes Bild entstehen kann. Im Projekt Upcycling, diesmal gar nicht so leicht – zusammengesetztes Jeanskleidchen, hatte ich mich zudem vehement dafür ausgesprochen, Streifen schräg laufend zu verwenden.

In meinem letzten Projekt, das ich nunmehr hinzufügen möchte, habe ich noch etwas Komplizierteres ausprobiert, nämlich das Zusammensetzen in einer Art Fischgrätemuster:

Dazu werden Stoffstreifen benötigt, die zumindest paarweise die gleiche Breite haben. Das Paar wird im Winkel zusammengenäht und jede weitere Bahn wird an der Seite angenäht, die schon eine Quernaht besitzt. Nicht vergessen, nach jedem Schritt bügeln und steppen! So entsteht dann ein großes Stoffstück, das ein ganzes Vorderteil hergibt. In diesem Beispiel läuft die Mitte des Fischgrätemusters senkrecht mittig im Vorder-und Rückenteil, aber das muss nicht so sein. Eine asymmetrische Anordnung ist ebenso denkbar. Die Richtung der Nähte habe ich dann für die Knopfleiste und für den Kragen wieder aufgenommen. Ich finde den mit den Nähten parallel laufenden asymmetrischen Kragen sehr schön passend. Hier wurde im Übrigen ein Stück nicht mehr benötigter Kinderbettwäsche aus meinem Fundus verwendet.

Das Verfahren lässt sich weiter verwenden für andere Stoffarten. Jedenfalls werden größere Stoffstücke geschaffen, wenn das Ausgangsmaterial für das Upcycling die Schnitteile einfach nicht hergeben will. Ich denke mit größer werdenden Enkelkindern werde ich auf die verschiedenen Verfahren zurückgreifen müssen.

Omas Spitzendeckchen im Schrank? Nicht entsorgen!

In zahlreichen Haushalten werden sich noch Spitzendeckchen befinden, die nicht mehr gebraucht werden. Ich denke die Zeit, dass diese Deckchen Möbel zierten, ist vorüber. So sah ich einen Stapel solcher Deckchen in Lindlar bei „coming home“, und die Geschäftsinhaberin erzählte mir, dass die Leute diese Deckchen zum Verkauf geben. Sie wunderte sich darüber und gab zu verstehen, dass man daraus doch noch etwas machen kann.

Ja, das geht tatsächlich:

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Als Kragen für ein feines Kleidchen kann ein Spitzendeckchen noch gute Dienste leisten. Die Größe entscheidet darüber. ob es für Damen oder Mädchenkleidung verwendet werden kann. Und dieses kleine Deckchen stammt tatsächlich noch von meiner Oma, ist also nahezu 100 Jahre alt. Da es aus Baumwolle ist, habe ich es einer Kochwäsche unterzogen. Danach war es tiptop.

Wie habe ich das mit dem Kragen fertig gebracht?

Erst einmal habe ich die Schulternähte geschlossen, aber nur diese. Dann lässt sich der gesamte Halsausschnitt auf dem Tisch ausbreiten, Vorderteil des Kleidchen in die eine, Rückenteil in die gegenüberliegende Richtung. Das Deckchen habe ich dann auf dem Halsausschnitt positioniert und mit ein paar Stecknadeln fixiert. Nun lässt sich, da das durchbrochene Deckchen nicht die Sicht auf das Halsloch nimmt, das Deckchen mittig entlang der Halskante wegschneiden, im Rücken habe ich entsprechend der Knopfleiste des Kleidchens das Deckchen durchtrennt. Noch einmal gut festgesteckt habe ich den Spitzenkragen nun an den Halsausschnitt genäht. Dann machte ich die Erfahrung, dass die Stickwülste des Deckchens doch recht dick sind. Eine Nadel brach. Also Jeansnadel oder Ledernadel verwenden! Im Rücken habe ich das Material um die Knopfleistenkanten geschlagen und innen festgenäht. Da das Material bei diesem Deckchen so dick war, habe ich mich dagegen entschieden, an der Halskante etwas nach innen umschlagen zu wollen, beispielsweise um mit Belegen zu versäubern. Stattdessen habe ich die Kante mit Schrägstreifen gefasst. Auch hier war die Jeansnadel vonnöten. In der Mitte des Deckchens hatte ich eine Rosette weggeschnitten. Diese habe ich fein herausgeschnitten, halbiert und damit die Unterkante der halben Ärmel verziert.

Ich denke, dass der klein gepunktete Stoff gut zu dem Deckchen passt, wirkliches Vintage-Outfit. So ist etwas Feines und Kleines entstanden. Wenn ich noch einmal Fotos gemacht habe, geht das Kleidchen in Größe 98 zu Etsy.

Upcycling, diesmal gar nicht so leicht – zusammengesetztes Jeanskleidchen

Mit dem Upcycling des robusten Jeansstoffs von Hosen hatte ich mich schon einmal beschäftigt. Wenn der Schnitt ein Zusammensetzen von Anfang an vorsieht, schneidet man aus den Hosenbeinen Stücke heraus, die dann gleich die Schnitteile ergeben, vorausgesetzt die Hosenbeine sind breit genug. So war entstanden: Upcycling Jeans – Jeanskleidchen aus vier Hosenbeinen – Freebook Größe 86 – 126

Anders sieht es aus, wenn die Stoffstücke erst zusammengefügt werden, um dann ein passend großes Stoffstück zu ergeben, aus dem man ein ganzes Vorderteil oder ein ganzes Rückenteil gewinnt.

Insbesondere für die Upcycling-Mode der Erwachsenen geht das gar nicht anders. Ich habe viele solcher Werke betrachtet und dabei hat sich herausgebildet, dass ich sie dann als ansehnlich empfinde, wenn die Stofflagen schräg verwendet werden.

Quelle: us.shein.com, theupsew.wordpress.com

So war die Idee geboren. Aber der Weg war dann lang und verlangte Durchhaltevermögen. Ein irres Projekt!

Zuerst habe ich einmal die hellen Jeans aus dem Fundus zusammengesucht. Dann wurden die dicken Nähte und Unansehnliches weggeschnitten und ich hatte dann längere oder kürzere brauchbare Beinstreifen. Diese habe ich einer heißen Wäsche und dem Trockner ausgesetzt. Die Stücke waren dann schön griffig und wirklich sauber. Die Waschmaschine und der Trockner hatten allerdings dadurch Flusenalarm, ein gründliches Reinigen der Siebe war vonnöten.

In gebügeltem Zustand habe ich die Streifen auf dem Boden ausgebreitet und zueinander Passendes nach Farbe und Struktur sortiert. Auf dem Zuschneidetisch habe ich mir mit dem Schnitt markiert, wie groß das Stoffstück werden muss. Dann wurden Streifen nebeneinander platziert und so lange umsortiert, bis mir das Bild gefiel. Außerdem sollten im Rücken die Streifen von links und rechts aufeinander treffen. Mit Stecknadeln habe ich dann markiert, wie die Stücke aneinander zu nähen sind.

Und nun wird es weiter aufwendig: Für ein Kleid, das schön fallen soll trotz des dicken Stoffs, verbieten sich Overlocknähte. Ich habe also mit Geradstich genäht, auseinandergebügelt und dann sowohl links als auch rechts neben der Naht abgesteppt, um die Naht zu sichern und flach zu halten. Zickzacknähte zur Versäuberung erschienen mir auch als zu dick. Also sind alle Nähte dreifach genäht. Der Aufwand lohnt sich, nachträglich betrachtet. Für Coverlocknähte mit ausfransendem Stoff auf der Vorderseite (siehe linkes Bild), dafür fehlte mir noch der Mut.

Und dann möchte ich ein Plädoyer für offene Prozesse halten, die Gutes statt Standard hervorbringen. Ursprünglich dachte ich, das Kleid hinten mit Reißverschluss schließen und die Kanten einfach mit Schrägband einzufassen zu wollen, wie schon so oft realisiert. Als dann aber das Vorderteil vor mit lag, fand ich es ohne weitere Verzierung als zu öde und zu kalt. Mir stachen die schrägen Linien ins Auge. Warum also nicht das Kleid schräg schließen und mit asymmetrischen Kragen versehen?

Einen geblümter Stoff im Fundus, nur ein kleines Stück, den hatte ich schon länger in der Nase, ohne dass mir bis jetzt eine Verwendung eingefallen wäre.

Eine schräge Naht galt es also wieder aufzutrennen und eine Knopfleiste anzunähen. Den Kragenschnitt habe ich mir am Halsausschnitt entlang gebastelt und den asymmetrischen Bubikragen fast Freihand geschnitten. Was entstanden ist, finde ich chic.

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Wenn man Preise von Upcycling-Mode sieht, fragt man sich, wie das kommt, wo doch der Stoff umsonst ist. Nun kann ich verstehen, wie aufwendig der Prozess ist, insbesondere an der Stelle Stoffe sortieren. Jedes Kleidungsstück dieser Art ist ein Werk und ein Unikat. Aus neuem Stoff in einem Rutsch zu schneidern, ist hier tatsächlich einfacher.

Das Kleid ist in Größe 110-116 gefertigt. Leni wird noch hineinwachsen. Ich hoffe Leni und Katrin können sich meiner Meinung „chic“ anschließen.

 

 

Easy: Schnitt verändern, Schulternaht verschieben

Blätternd in alten Schnittmusterheften kam mir eine Idee für meine einfachen Grundschnitte.

Wie kann man es nämlich anstellen, dass Kleidung im Schulterbereich aufgehübscht wird? Ein Bändchen oder eine Paspel direkt auf der Schulter, das sähe doch wirklich etwas militärisch aus. Die Schulternaht lässt sich aber ganz leicht verschieben und zwar nach vorne für ein hübsches Detail im Frontbereich:

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Du kannst einfach im Schnitt ein Stück vom vorderen Schulterbereich abschneiden parallel zur Schulternaht. Dieses Stück schlägst du dann dem Schulterbereich des Rückenteils zu. Damit ist die Schulternaht nach vorne gerutscht. Auf den Schnitt für die Ärmel hat das keinen Einfluss, das Ärmelloch bleibt gleich.

Ich habe in einem Beispiel eine Paspel in der verlagerten Schulternaht mitgefasst, im anderen Beispiel eine Spitze mitgenäht. Beide Details wiederholen sich an anderer Stelle der Kleidchen, so dass insgesamt ein überaus leichtes Aufhübschen möglich war. Dir fallen sicher noch andere Variationen ein. Füge sie gerne im Kommentarfeld ein.

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Beide alltagstauglichen, robusten wie hübschen Hängerchen aus geblümtem Jeansstoff gehen demnächst als Angebote zu Etsy.

kleine genähte Geschenke

Wer viel näht wie ich, hat schnell die Idee, etwas Genähtes zu verschenken.

Und es gibt einen riesigen Vorteil. Die Geschenke werden sozusagen mit eingewebter Liebe hergestellt. Sie geraten immer individuell, einzigartig und persönlich. Das geht schon los bei der Farbwahl. Einige aufmerksame Beobachtungen zum Beschenkten führen zu einer Vorstellung über dessen Farbvorlieben. Womit ist der Beschenkte beschäftigt, was interessiert ihn, was könnte ihn überraschen, sind weitere Fragen.

Will man shoppend durch die Stadt etwas Passendes finden, ist man schnell entmutigt, so geht es jedenfalls mir. Massenware, Einheitsbrei, überteuerter Schnickschnack, eher also Notgeschenke sind dann zu finden. Selbst auf den kürzlich besuchten Weihnachtsmärkten bietet sich das immer gleiche Bild.

Ich möchte also einige Vorschläge unterbreiten, was recht einfach zu realisieren ist.

Rollen für Stifte, aber nicht nur dafür

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Du benötigst einen Außenstoff, einen Innenstoff und den Stoff für die Stiftefächer. Die beiden ersten werden in gleicher Größe zugeschnitten, für die Stiftefächer reicht ein weniger breites Stück. Dieses ist nach innen umzuschlagen, ehe in gleichen Abständen die Fächer per Längsnaht unterteilt werden. Günstig war der Streifenstoff des rechten Beispiels. Ich musste hier nicht abmessen, sondern konnte Streifen abzählen und hatte durch die Linien gleich die Gerade vorgegeben. Zum Schluss habe ich die Ecken abgerundet, um besser mit den einfassenden Schrägstreifen durchnähen zu können. Es gibt Anleitungen, die noch zusätzlich vorschlagen, einen kleinen, gefalteten Stoffstreifen gegenüber den Stiften mitzunähen, um das Herausfallen der Stifte zu vermeiden. Und dann wird es individuell: Curd und Leni sind in dem Alter, wo gelernt wird, wie man eine Schleife bindet. Deshalb habe ich auf Klettverschluss oder Gummizug und Knopf verzichtet und stattdessen ein Band angenäht. Natürlich ist das rechte Beispiel mit den Autos für Curd und das linke Beispiel mit den Hippos für Leni.

Eine solche Rolle, ggf. mit anderen Maßen, ist geeignet für

  • Besteck
  • Uhren
  • Stricknadeln
  • Häkelnadeln
  • Werkzeug
  • etc.

Tafel to go

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Die wird vom Prinzip her ähnlich genäht wie die Rollen. Die Beschreibung findet sich weiter vorne: Tafel to go

Utensilos

Ja, die kann man immer gebrauchen und sie lassen sich farblich und größenmäßig zum Zweck und zur Person passend nähen.

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Diese Variante hatte ich schon zu Weihnachten sozusagen in Massen produziert: genähte Weihnachtsgeschenke

Wie die Größe und die Form anzupassen ist, habe ich beschrieben, denn Schnitte sind nicht unbedingt nötig, nur ein wenig Kopfrechnen: Schnitt für Utensilo selbst herstellen

Topflappen

Hier ist Vorsicht geboten. Topflappen werden unter Umständen assoziiert mit „Heim und Herd“. Ich käme also niemals auf die Idee, meinen Schwiegertöchtern Topflappen zu schenken. Es gibt aber viele Menschen, die hobbymäßig kochend engagiert sind. Kennt man deren Küche, lässt sich eine Farbwahl ableiten. Für einen selbst ergibt sich der Vorteil, dass Stoffreste, selbst kleinste, ihre Verwendung finden.

Weiter vorne, findest du Beispiele und Anleitung: Adventsgeschenke aus Stoffresten

Täschchen

Die kann Frau immer wieder gebrauchen, als Schminktäschchen, Täschchen für Hygieneartikel, als Geldbörse etc..

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Dieses Exemplar habe ich für mich selbst genäht und es leistet gute Dienste. Wie es geht, steht hier: Täschchen, Täschchen

Schlüsselanhänger

Julia, meine Probenäherin, schlug mir zum Thema kleine genähte Geschenke Schlüsselanhänger vor, die einen Lippenstift aufnehmen können: bei Funkelfaden

Ansonsten finden sich zahlreiche Beispiele bei Pinterest

Hier muss man sich allerdings häufig die metallene Ausstattung besorgen, damit ein Schlüssel nicht verloren geht.

Lesezeichen

Das ist etwas wirklich Kleines, das im Nu genäht ist. Trotz Bildschirm und cloud soll es ja immer noch Bücher geben, die als papierne Ausgabe geliebt werden. Die Buchmessen zeugen davon. Für alle Leseratten also die Vorschläge bei Pinterest

usw., usw.

Füllt gerne das Kommentarfeld mit weiteren Vorschlägen und Verweisen. Dann können Leser surfend fündig werden.

Hundemäntelchen für Spielehund Andy

Hundeliebhaber mögen entsetzt sein, denn es geht nicht um einen lebendigen Hund. Es gibt einen digitalen Spielehund, der jault, der Männchen macht, Knochen frisst und ihn als Häufchen hinten wieder abgibt.  Gesteuert wird das Tierchen mit einer Fernbedienung. Für eine Zweijährige ist das allemal geeigneter als ein richtiger Hund. Außerdem gibt es familiär Allergien gegen Tierhaare.

Das Tierchen heißt Andy und Omas und Mütter fanden ihn allzu süß. Sowohl Cilly als auch Leni haben nunmehr ein solches Haustier.

Download

Und das neue Familienmitglied sollte zu Weihnachten nicht leer ausgehen. So hat Oma mit Pappe anprobiert und geschnitten, schließlich genäht. Von Lenis Softshellmantel Softshelljacke – soll es doch ruhig regnen! war noch ein Restchen übrig. Das bot sich hier an. Die Umrandung war mit dem Bändchenfasser, Bändchenfasser – enorme Erleichterung, schnell gemacht. Vorne ist das Mäntelchen mit einem Kamsnap gehalten. Das Schleifchen ziert den süßen Hund.

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Den Schnitt stelle ich euch zur Verfügung. Es wird noch weitere Andys geben, die im Winter frieren. Hier ist der download: hundandy

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