Nähtipp – Einfassung zur Runde schließen

Einfassungen an Hals- und Armabschlüssen, an Jacken-, Mantel- und Kapuzenrändern sind durchaus praktisch, denn sie ersparen Belege oder Futter und können als kontrastierende Designkomponenten genutzt werden.

Bei mehrlagigen Nähprojekten wie Topflappen, Stiftemäppchen, Babydecken, Steppjacken oder Windeltaschen runden sie die Sache ab, ohne dass linke Stofflagen gewendet werden müssen.

Verfügt man über einen Bändchenfasser wird es noch einfacher, weil Nähgut und Einfassung in einem, sozusagen automatisch, sauber aneinander gefügt werden. Das Herrichten von Schrägband durch Bügeln entfällt zudem.

Es gibt aber eine Schwierigkeit, die häufig verschwiegen wird.

Sie tritt nicht auf, wenn die Einfassung dort endet, wo später eine Naht gesetzt wird. Dann ist nur entscheidend, welche Nähschritte in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. So verschwinden bei meinem Projekt Babyoverall (https://sewtonew.blog/product/schnittmuster-babyoverall-in-groesse-62-74-zum-binden/) die Enden der Einfassungen mit in der Seitennaht der Ärmel, mit in der Innenbeinnaht und mit in der Schrittnaht. Beim Regenmantel Charlotte aus Softshell (https://sewtonew.blog/product/mantel-charlotte-schnittmuster-fuer-groesse-104-bis-128-134-fuenf-groessen-schnitt/) werden die Seitennähte aus diesem Grund erst nach dem Einfassen der Außenkanten genäht. In den Anleitungen habe ich das explizit beschrieben.

Was ist aber bei Nähprojekten, wo die Einfassung rundum gehen soll? Dann geht es leider nicht durchgehend mit dem Bändchenfasser, wenn es wirklich sauber sein soll.

Wie geht man dann vor? Wie kann das gehen?

Zunächst wird das Band in den Bändchenfasser geführt und zur Probe näht man ein Stückchen und kontrolliert, ob das Band mit den Nähstichen gut gefasst wird. Evtl. wird man die Position der Nadel verändern.

Band einführen
zur Kontrolle Stückchen nähen, dann herausziehen
Nähgut hineinschieben

Dann schiebt man das Bändchen ein Stück weiter, ohne zu Nähen. Nun wird das Füßchen gehoben und das einzufassende Stoffstück wird in den Bändchenspalt eingeschoben. Nach Senken des Nähfüßchens geht es los, indem man beim Nähen den Stoff immer schön gegen den Spalt des Bändchenfassers schiebt, damit der Stoff sauber und sicher eingefasst wird.

Gerät man dann in der Runde mehrere Zentimeter vor den Anfang des Einfassens, ist der Bändchenfasser nun am Ende seiner Arbeit. Das Nähgut wird herausgezogen, wobei ein letztes Stückchen Band durchaus noch von Bändchenfasser gefalzt wird, ehe man abschneidet.

nach der Arbeit des Bändchenfassers

Ein Stückchen Naht ist evtl. aufzutrennen, da wo der Bändchenfasser den Stoff noch nicht ganz gepackt hatte. Nun wird das eine noch lose Ende ein Stückchen um das Nähgut gelegt und markiert, wo es sich mit dem gegenüberliegenden Stückchen treffen soll, Markierung mittig am Bändchen und parallel am Nähgut.

Markierung rechte lose Seite
Markierung linke lose Seite

Dann klappt man das markierte Stück weg und legt das andere lose Stückchen an, wie es sitzen wird. Parallel zur Markierung am Nähgut wird nun auch das Bändchen mittig markiert.

Beide Bändchenenden bekommen nun eine Markierung in 45° schräg zum Bändchenverlauf und zwar 0,3 mm (Nahtzugabe) weg von der mittigen Markierung. Das sind dann die Enden der Nahtzugabe. Entlang dieser Linie wird abgeschnitten. Genäht wird rechts auf rechts, vorne und hinten beachten, und die Naht wird auseinander gedrückt. Herausstehende dreieckige Stückchen sind abzuschneiden, um die Bändchenunterkante gerade zu haben.

Nahtlinie markieren
an beiden Seiten

Dann wird die Falz beidseitig sauber umgeschlagen und das Bändchen an das Nähgut gesteckt. Bitte innen und außen gut kontrollieren, ab alles gut sitzt. Dann wird die Naht, die das Bändchen festhält, in dem vorherig schon geführten Abstand von den Kanten geschlossen, wobei die schon existierende Naht vorne und hinten etwas übernäht wird. Fertig!

rundum eingefasst, schräge Verbindungsnaht kaum zu sehen

Mit dem Bändchenfasser hatte ich mich schon einmal befasst, vielleicht ist das für dich auch interessant: https://sewtonew.blog/2018/10/25/und-der-baendchenfasser-kann-noch-mehr/ https://sewtonew.blog/2018/10/18/baendchenfasser-enorme-erleichterung/ https://sewtonew.blog/2020/03/24/einfacher-mundschutz-aus-herrenoberhemd/

Ich hoffe, dem ein oder anderen Nähprojekt geholfen zu haben!

Kordelaufnähfuß ermöglicht neues Design

Bisher habe ich aussortierte Kleidung beim Upcycling für Kinder sehr häufig mit Applikationen kindgerecht gestaltet. Nun werden die Enkel größer und Tierchen sind nicht mehr unbedingt en vogue. So kam mir die Idee, mit Schriftzügen zu arbeiten, damit unifarbene, abgelegte Kleidung Erwachsener Attraktivität für Kinder erlangt.

Zu meiner robusten, alten und tüchtigen Dame, die mich schon so lange begleitet, nämlich meiner Bernina 1090, gab es noch einen Kordelaufnähfuß zu kaufen, Nr. 21. So machte ich mich dann ans Werk. Unter den Stichworten Schriftzug und Sticken erhält man im Netz allerlei Anregungen.

Meine ersten Übungen waren mit Upcyclingsstoffen völlig risikofrei. Zunächst habe ich mit Trickmarker einen Schriftzug auf der Front eines T-Shirts ausprobiert.

Schriftzug mit Trickmarker

Zum Nähen auf Jersey wird ein Unterlegen mit Papier oder Stickvlies empfohlen. Wie sich zeigte, ist Papier nicht so gut, denn zwischen den Zickzackstichen ist die Unterlage kaum zu entfernen. Auswaschbares Vlies ist also doch günstiger.

Rückseite mit Rückständen Papier

Eine Alternative, die mir dann einfiel, weil ich schon mal Einfassungen aus Jersey entsprechend vorbereite, ist das Stoffstück mit Sprühstärke zu behandeln und zu bügeln, ehe man die Kordel aufnäht.

Festigkeit durch Sprühstärke

Die Erfahrungen beim Nähen sind dann wirklich fantastisch. Der aufzunähende Zierfaden gelangt ganz sicher unter dem Nähfaden. Bei engeren Kurven empfiehlt sich, bei eingestochener Nadel den Nähfuß kurz zu heben und das Nähgut etwas zu drehen. Das kennt man vom Applizieren.

Und nach den verschiedenen Übungen ist dann ein T-Shirt für die Enkelin entstanden. Für welche, kann man lesen.

mit Kordelaufnähfuß

Es handelt sich um ein Upcycling-Projekt: Der untere Saum und der Ärmelsaum blieben erhalten. Das T-Shirt ist aus einem T-Shirt des Onkels Gregor entstanden und wurde geschickt heraus geschnitten.

Wer einen schnellen und leicht zu nähenden Schnitt für ein T-Shirt sucht, das man auf diese Art und Weise leicht aufpeppen kann, ist hier auch richtig:

Wendekleid dank Doubleface

Meine Auseinandersetzung mit Doubleface hat mich angetrieben, die Möglichkeit zu einem Wende-Kleidungsstück zu erproben. Gleichzeitig wünschte sich meine Enkelin Cilly noch einmal ein Kleid mit den Glitzer-Flamingos. Aus dem vorhandenen ist sie wahrlich herausgewachsen – wie schnell das geht!

Voilà, das ist das neue Kleidchen:

Flamingo-Seite
Streifenseite

Das Kleid kann von beiden Seiten (!) getragen werden. Möglich machen das der Stoff, nämlich Doubleface, und einige Besonderheiten beim Nähen.

Doubleface Stoffe oder Wendestoffe haben zwei ansprechende Seiten, also sozusagen zwei rechte Seiten. Sie sind aus zwei Stofflagen zusammengewirkt, die sogar unterschiedliche Garnqualität oder unterschiedliche Muster haben können. Mit den zwei Stofflagen sind sie robust und etwas wärmer. So eignen Sie sich für Hoodies oder sonstige Übergangskleidung bzw. Ganzjahreskleidung. Der entsprechende Einführungsartikel: https://sewtonew.blog/2022/01/30/gestaltungsmoeglichkeiten-mit-doubleface/

Es geht dann nicht ohne besondere Nähte:

Wie schon dargelegt, man näht zunächst die Teile mit den gleichen Seiten außen mit Geradstich oder Stretchstich oder kleinem Zickzackstich zusammen. Je nach Gestaltungsabsicht kann das die eine oder andere gleiche Seite sein. Die Nahtüberstände werden dann auseinander geklappt und mittig übernäht. Dies kann mit Zickzackstich geschehen, covernd natürlich auch. Kontrastgarn ist hier ebenso möglich. Der Nahtüberstand wird dann sauber abgeschnitten und fertig ist eine von beiden Seiten saubere Naht.

Will man ein Wendekleid säumen, müssen Innen- wie auch Außenseite einen ansprechenden Abschluss erhalten. Denkbar sind hier Einfassungen mit Schrägband, Zierband, Webband etc.. Ich habe mich für Covern mit gleichfarbigem Bauschgarn entschieden. Auf diese Weise wurde der untere Saum und der Ärmelsaum realisiert. Da ich farblich absetzen wollte, umschließt der pinke Jerseystreifen die Overlocknaht und wurde dann per Covern fixiert.

Streberstreifen sind dann eine weitere Möglichkeit, ein sauberes Ganzes zu produzieren. Die mit Overlock eingesetzten Ärmel ebenso wie das Halsbündchen sind so verarbeitet. Der Versäuberungsstreifen wird beim Annähen mit der Overlock mitlaufen gelassen, anschließend wird er um die Naht gelegt und festgenäht. Ich habe das hier mit der Hand getan und dabei nur die innere Stofflage „gepackt“. Auf der anderen Seite sieht man nicht, dass ein Versäuberungsstreifen festgenäht wurde. Dieses Verfahren fand ich sauberer als noch eine Naht mit der Maschine zu nähen.

Versäuberungsstreifen am Hals

Diese Streberstreifen lassen sich als Gestaltungselement einsetzen, siehe: https://sewtonew.blog/2021/11/11/streberstreifen-aussen/.

Oder aber diese Streifen leisten tolle Dienste beim Upcycling, siehe: https://sewtonew.blog/2021/11/01/streberstreifen-beim-upcycling/.

Der für das weite Kleidchen verwendete Schnitt ist ein Ottobre-Schnitt. Er wurde schon einmal verwendet: https://sewtonew.blog/2016/12/19/frohe-weihnachten-weihnachtskleidchen-fuer-die-maedels/. Er ist deshalb schön, weil ein wirklich weit schwingender Rockteil entsteht. Das lieben die Mädels. Bei diesem Schnitt setzen die Bahnen, die für Weite sorgen, schon ganz oben an, es gibt keine Quernaht. So entfalten die durch den Nähtrick entstandenen Zierleisten voll und ganz ihre Wirkung über das gesamte Kleid. Wie man ansonsten Drehkleidchen selbst konstruieren kann, ohne diesen Schnitt, findest du unter: https://sewtonew.blog/2022/01/25/drehkleid-schnitt-selbst-konstruieren/.

Fazit: Es ist ein wenig aufwändig, ein Wende-Kleidungsstück zu nähen. Ich denke aber, es ist mit den beschriebenen Verfahren und mit Doubleface allemal einfacher, als ein Kleidungsstück mit zwei identischen Lagen aneinander zu nähen, um es wenden zu können.

Utensilo für Spielsachen, mit Hasen

Wirklich viele Spielsachen im Kinderzimmer und die Überlegung, was wir zu Ostern schenken, haben mich zu diesem Nähprojekt geführt. Der Außenstoff wurde schon für einen Vorhang im Kinderzimmer verwendet, insofern passen die Stoffkörbe in das Zimmer. Und das Wichtigste: Der wunderschöne Stoff mit Hasen (Guess how much I love you) ist wie gemacht für Ostern.

Die Behälter sind 35 cm hoch und mit einem Umfang von 74 cm fassen sie also so Einiges, Bastelmaterialien oder Legos können hierin gesammelt werden.

große Utensilos für Spielsachen

Zu Ostern werden sie passend zu den Vorlieben der Enkel gefüllt – und natürlich auch mit einem Schokohasen.

Wem Ähnliches vorschwebt, dem gebe ich eine ausführliche Nähanleitung. Weitere Ideen zu Ostern findest du beispielsweise unter:

benötigte Materialien

Material:

  • Außenstoff 75 x 35 cm
  • Innenstoff 75 x 35 cm
  • festigendes, starkes Vlies zum Aufbügeln 74 x 34 cm oder Volumenvlies
  • 2 runde, feste Stoffstücke für den Boden, Durchmesser 23,6 cm, bei leichtem Stoff entsprechend noch einmal festigendes Vlies oder Volumenvlies
  • 2 Henkel, Leder oder Stoff
erster Nähschritt

Der Außenstoff wird mit festigendem Vlies verstärkt – durch Aufbügeln – oder aber Volumenvlies wird oben und unten am Außenstoff festgenäht. Jetzt werden Außen- und Innenstoff zur Runde geschlossen, dabei wird am Innenstoff eine Wendeöffnung frei gelassen.

Markierungen

Außen- und Innenstoff werden nun in gleicher Weise bearbeitet: Die untere Kante des Stoffs wird geviertelt markiert. Ebenso wird der runde Stoff für den Boden geviertelt markiert.

gründlich stecken
Nahtzugabe zurückschneiden

Der Bodenstoff wird nun an die Runde geheftet und festgenäht. Die Nahtzugaben werden am Boden zurückgeschnitten. Wenn mit der Zackenschere gearbeitet wird, sorgt man dafür, dass sich später nichts knubbelt. Das erreicht man alternativ durch kleine Einschnitte ringsherum bis zur Naht.

Innen- und Außenstoff verbinden

Innen- und Außenstoff werden nun an der oberen Kante rechts auf rechts festgesteckt und genäht. Wenn der Beutel mit Stoffhenkeln versehen werden soll, werden die Henkel in diesem Arbeitsschritt sich gegenüber liegend zwischen die Lagen geschoben und in einem mit festgenäht.

nach dem Wenden

Über die Wendeöffnung am Innenstoff wird das Nähgut nun gewendet. Dann wird der Innenbeutel nach innen geschoben. Die obere Kante wird nun gut auseinander gedrückt und die Kante wird sauber gesteppt. Im Inneren wird die Wendeöffnung mit Matratzenstich von Hand geschlossen.

Da ich mich für Lederhenkel (Stücke eines alten Gürtels) entschieden habe und die dicken Henkel nicht mit der normalen Nähmaschine angenäht werden können, selbst wenn man die Ledernadel verwendet, musste ich mir etwas ausdenken. Ich habe die Henkel an beiden Seiten mit der Lochzange vorgestanzt und so mit zwei Löchern versehen. Mit extra starkem Zwirn habe ich die Henkel dann per Hand an den Beutel genäht.

Lederhenkel

Hinweis:

Beide Stoffarten bzw. ein Nähpaket für das Utensilo biete ich im shop an: https://sewtonew.blog/product/stoffpaket-fuer-ein-utensilo-mit-hasen/ https://sewtonew.blog/product/motivstoff-mit-hasen-guess-how-much-i-love-you/ https://sewtonew.blog/product/baumwollflanell-grau-gepunktet/