Die Temperaturen sinken, Wollmütze, Schals und Handschuhe werden gesucht. Wer dann noch etwas Warmes zum Nähen sucht, wird bei mir fündig.
Im Sommer hatte ich Besuch von Anne und Lyn aus England bzw. Schottland. Das Mitbringsel war etwas wirklich Warmes, nämlich ein Schal von Harris-Tweed. Aber eben nicht ein Schal, wie man ihn sich vorstellt. Ich fand Ähnliches unter der Bezeichnung Keltischer Schal oder Dreiecktuch im Internet. Und es gibt erstaunliche Vorteile. Ein Loop wärmt nur den Hals, ein langer Schal muss geknotet werden. Bei beidem bleibt die obere, empfindliche Brust ungewärmt. Nicht so beim Keltischen Schal, da hat man gut überlegt. Gerade Hals und Kehle und Brust werden flach anliegend warm gehalten. Und der Schal passt zu einem Mantel oder Jacket mit V-Ausschnitt und Reverskragen.
Der Ausgangspunkt, das Mitbringsel, sah so aus:
Überrascht von der Schönheit und Nützlichkeit des Geschenks aus UK, fiel mir dann ein, dass es ein leichtes wäre, das nachzunähen. So ist ein Schnittmuster entstanden, das ich im shop anbiete.
Das Schnittmuster besteht aus 6 Seiten, die aneinander geklebt werden.
Trickreich ist die Position eines verdeckten Druckknopfs zusätzlich zum Knopf. Damit wird der Schal sicher und flach in Position gehalten.
Die Druckknopfhälften werden verdeckt eingebracht, ggf. gegen Durchrutschen bei Strickstoff gesichert.
Als Stoffe kommen in jedem Falle wärmende infrage. Webware aber auch dehnbare Stoffe sind denkbar. Beim Harris-Exemplar ist außen Wolle und innen plüschiger Vlies. Bei mir ist außen ein Wollstrickstoff in doppelter Lage und innen ein weicher Baumwollstoff. Man benötigt nur Stoff in einer Höhe von 20 cm. Und eigentlich sind es nur zwei Rechtecke, die zusammen gefügt werden. Nur die Positionen des Druckknopfs und Knopfs sind trickreich. Es handelt sich also um ein Projekt auch für absolute Nähneulinge.
Wer mich kennt, weiß, dass die gewählten Farben nicht die meinen sind. Das Projekt mit den blauen Stoffen ist weihnachtliches Nähen. Die Farben werden zu den Beschenkten passen. Verraten wird noch nichts …!
Nun ist er da, der Herbst. Die Sommersachen rücken im Kleiderschrank weiter nach hinten und man stellt sich auf kältere Temperaturen und eben Schmuddelwetter ein. Das Sauwetter wird auch Schietwetter oder Schiedwedder genannt. Beide norddeutschen, plattdeutschen Begriffe haben es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft. Sie haben was von Schimpfen über das Wetter, durchaus in herber Manier. Was das Wetter aber nicht schaffen sollte, ist, uns die Stimmung und Laune zu verderben. Positive Sichtweisen sind gefragt, wenn auch das Schimpfen durchaus entlastet.
Ich versuche es mit einem herrlichen Stoff, der gute Laune verspricht. Aus ihm ist ein Regenmäntelchen für die Enkelin entstanden. Das Kind soll nicht nass werden und fröhlich daher laufen!
Das florale, kräftige Design muss einfach gute Laune versprühen. Die Farben sind fröhlich und hell, sie erinnern an den Sommer und lassen auf das nächste Frühjahr hoffen, Kontrapunkt zu Herbstfarben, die im übrigen der Enkelin auch gar nicht stehen würden.
Hier weitere Details: aufgesetzte Taschen, extra lange Ärmel, kuschelige Innenseite, Einfassung mit Schrägband, Knöpfe
Der Stoff ist aus gutem Grund softshell, denn es zählt: regenfest, robust, wärmend, winddicht. Dazu habe ich schon einmal ausführlich gepostet und Tipps gegeben.
Der Schnitt ist aus einem Ottobreheft. Allerdings habe ich nunmehr das Problem, dass die Hefte mit Kinderschnitten meist nur bis zur Größe 140 gehen. Selbst mein eigener Mantelschnitt Charlotte hört bei dieser Größe auf. Das Wachstum der Enkelkinder aber nicht, und sie werden alle recht lang. Diesmal habe ich noch ein wenig anpassen können, um auf die Größe 152 zu kommen. Die Enkelkinder sind schmal und schlank, da kann man an Säumen einfach etwas zugeben, zumal ein Regenmantelschnitt von Hause aus schon weit vorgesehen ist, speziell die Ottobreschnitte.
Auf die Suche nach Jugendlichenschnitten werde ich mich aber begeben müssen, vielleicht hat da jemand einen Tipp. Diesmal hat es noch funktioniert mit einfach länger lassen.
Softshell ist ein sehr praktischer Stoff. Er ist geeignet für Sport- und Outdoorkleidung wie Regenmäntel oder Regenjacken und Matschhosen, denn er ist Regen abweisend, robust und winddicht, dabei leicht zu reinigen und je nach Innenseite auch noch warm bis kuschelig. Auch Taschen, Turnbeutel oder Outdoordecken lassen sich damit herstellen. Er besteht aus zwei miteinander fest verbundenen Lagen, außen eben das abwaschbare, abweisende Material, innen das angenehm weiche, wärmende Fleece.
RegenjackeRegenmantel Charlotte, Schnittmuster im shopLenkradtäschchenKosmetiktäschchenHundemantel für SpielehundRegenmantel mit Kapuze Schnitt Charlotte
Beim Nähen mit Softshell gibt es Vor- und Nachteile, wobei ich denke, dass die Vorteile überwiegen, sofern man beim Nähen ein paar Dinge beachtet.
Der große Vorteil ist, dass das Material nicht franst. Schnittkanten sind also gleich sauber. Ein Versäubern oder Füttern entfällt. Das Innenleben des Genähten ist immer ansprechend ohne besondere Maßnahmen. Selbst Außenkanten könnten so bleiben, wie sie geschnitten wurden. Eine Einfassung macht das Projekt aber doch hübscher und die Einfassung kann als Designelement genutzt werden und ein Highlight setzen.
Wird ein Reißverschluss eingenäht, ist der natürlich dann innen nicht verdeckt. Wem das nicht gefällt, kann innen ein schönes Webband mitlaufen lassen. Das lässt sich ebenso als Designelement verstehen.
Nun zu dem, was beim Nähen beachtet werden sollte:
Softshell wird mit der normalen Nähmaschine verarbeitet. Oberlocknähte würden das Nähgut sperrig machen und die Nähte würden innen abstehen. Besser ist, die gesetzte Naht beidseitig noch einmal abzusteppen. Dann liegen die Nähte schön flach und auch von außen sieht das hübsch aus. Mit andersfarbigem Nähgarn lässt sich hier designmäßig spielen.
Die Nadeln sollten gut durch das Material gehen. Sie sollten also spitz sein. Jerseynadeln sind deshalb ungeeignet. Mit Universalnadeln in Stärke 80 – 100 kommt man gut zurecht.
Ja und das mit den Nadeln ist so eine Sache: Sie hinterlassen im Obermaterial Löchlein. Das bedeutet, dass man gleich richtig nähen sollte. Auftrennen geht also nicht, dann ist das Material verletzt. Ein Softshellprojekt verlangt also im Vorfeld nach guter Planung und nach Ruhe bei der Arbeit.
Man kann also auch nicht steckend heften, das macht Löcher. Zum Heften können Plastikklammern verwendet werden, wie man sie auch angesichts des Schneidemessers der Overlock nimmt. Stylefix oder nicht permanenter Sprühkleber sind andere Möglichkeiten, vor dem Nähen die zu verbindenden Teile zu fixieren.
Ich wünsche mit diesen Tipps viel Erfolg bei deinem Softshell-Projekt!!!
Es gab eine Anregung, die mich dazu veranlasste mich ausführlich und rundum mit dem Thema Pulswärmer zu befassen. Im Bernina-Blog wurden Walkstulpen – schön verziert, aber leider nicht mit Daumenloch versehen – abgebildet. Die Covernähte hatten es mir zudem angetan.
Walkstulpen, Quelle: Bernina-Blog
Und dann ist etwas Neuartiges entstanden:
mit Daumenloch
Bewegungsfreiheit mit Daumenbereich
Nun aber zu den Überlegungen und Details bis hin zum Schnittmuster:
Armstulpen oder Pulswärmer sind überaus praktisch zur Winterszeit. Im Unterschied zu Handschuhen bleibt die Hand warm, ohne dass das Fingerspitzengefühl verloren geht. Kleingeld am Marktstand zusammensuchen, dem Kind die Schnürsenkel binden oder die Mütze, Maske anziehen oder am Handy tippen, Essen und Trinken vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt, das geht alles, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.
Handy nutzen mit warmen Händen
Bewegungsfreiheit
Essen und Trinken
Als chices, modisches, vielleicht auch extravagantes Accessoire eignen sich die Stulpen ebenso, sogar zur Abendgarderobe.
feiner
chic zum kleinen Schwarzen
Sie können gestrickt werden oder aber sie sind genäht. Ich stelle eine nähleichte Alternative mit Daumenloch vor.
Will man sie nämlich mit Daumenloch versehen, wird es durchaus knifflig. Weiter unten beschreibe ich die Ansätze und Schwierigkeiten, die gewiss Nähanfängerinnen vor echte Probleme stellen.
Es geht auch anders, wenn man die Stulpen zusammensetzt! So dachte ich. Dann können auch Nähanfängerinnen Stulpen nähen. Bis mir das Konzept gelungen war, sind zahlreiche Exemplare in die Tonne gewandert – wie gut, dass ich Upcyclingstoffe für die Übungen verwendete -, aber schließlich saß es.
Hier beispielsweise sind die Stulpen noch zu beutelig, die Verengung am Handgelenk fehlt.
noch zu weit
Hier war es schon besser:
an den Handgelenken verengt
Nach vieler Tüftelei ist ein Schnittmuster dabei heraus gekommen, dies für S, M, L oder XL. Das Besondere: Die Stulpen werden aus drei Teilen unter Aussparung eines Daumenlochs zusammengesetzt. Notwendig ist ein dehnbarer Stoff. Und das Schönste: Die Stulpen müssen nicht gefüttert werden, selbst wenn man fransende Stoffe verwendet. So sind neben Exemplaren aus dickem Strickstoff auch feinere Stulpen für die Abendgarderobe möglich. Die Konzeption aus drei Teilen gibt ohne Ende Raum für Kreatives. Verschiedene Stoffe können kombiniert werden, auch Stoffreste eignen sich prima. Mit Verzierungen kann man spielen.
Voilà, so sehen sie dann beispielsweise aus:
Jerseyexemplare
Nickystoff mit Cover-Zierstich
Jersey mit Cover-Zierstichen und Rollsaum
Nun aber zu den Schwierigkeiten mit dem Daumenloch bei den üblichen Schnitten. Wer geübt ist und über Näherfahrung verfügt, macht den Schnitt erst einmal selbst. Einen Schnitt kann man sich ganz leicht selbst herstellen individuell und passend zur eigenen Hand. Hier das Prinzip:
Pulswärmer, Schnitt selbst erstellen
Man misst den Umfang der Hand und des Arms, da wo die Stulpe enden soll, dann noch den Umfang des Handgelenks. Die Abstände von den Enden zum Handgelenk sind zu ermitteln. Der Daumenbereich wird nach Auflegen der Hand auf den Schnitt noch eingetragen. Dann hat man einen individuellen Schnitt für die eigenen Hände.
Variante 1: obere und untere Kante von Innen- und Außenstoff werden zuerst bis auf eine Wendeöffnung zusammengenäht. In einer gefalteten Runde schließt man dann die Seitennähte bis auf den Daumenbereich. Nun wird es schwierig, wirklich knifflig: Es liegen vier Stofflagen in einem engen Bereich des Daumenlochs aufeinander. Verbunden werden müssen dann aber die beiden äußeren Lagen und dann die inneren Lagen, ohne dass man eine andere Lage erfasst, und eben genau von Anfang bis Ende des Daumenbereichs. Das verlangt Geschick und Fingerfertigkeit! Für Nähanfängerinnen wirklich schwierig! Dann wird gewendet und die Wendeöffnung wird geschlossen.
Variante 2: Es wird nicht im Stoffbruch zugeschnitten, sondern es werden 2 Teile für außen und 2 Teile für innen benötigt. An Futter- und Außenstoff wird erst eine Längsnaht bis auf den Daumenbereich genäht. Dann wird das Daumenloch nach sorgfältigem Bügeln verstürzt, also von außen, genäht – soweit noch gut machbar. Danach wird die andere Längsnaht genäht und das Futter über das Daumenloch nach innen gezogen. Was jetzt noch fehlt, sind der obere und untere Abschluss. Man kann das leider (!) nur von außen zusammen nähen, indem nach innen eingeschlagen wird, ehe man Futter und Außenstoff verbindet. Es bleibt dann eine kleine klaffende Rille wie auch am Daumenloch oben und unten. Es war also leichter beim Daumenloch, aber die Schwierigkeit wurde bei dieser Variante auf den Randbereich verlagert. Außerdem liegen Nähte außen sichtbar.
Ich stelle meine Anleitung zum neuartigen Schnitt für eine absolut nähleichte Alternative in meinem shop zur Verfügung:
Stulpen sind ein schönes Geschenk für Weihnachten und zur Winterszeit. Sie sind aber auch für den Straßenkarneval oder Events draußen und drinnen geeignet. Wichtig ist, dass man die Farbvorlieben und Stilvorlieben des Beschenkten beachtet, damit ein individuelles, eigentlich schnell genähtes Geschenk Freude bringt.
Ja wie schön! In unserer Familie sind Zwillinge dazu gekommen. Und es sind Bruno und Rosa, also ein Zwillingspärchen. Da ich selbst der eine Zwilling eines Pärchens bin, freut mich das besonders. Noch sind die Frühchen in der Obhut der Frühchenabteilung, im Januar wäre ihre normale Geburt gewesen. Aber sie machen sich und legen zu. Gott sei Dank!
Diesmal erinnerte ich mich beim Nähen an die eigene Kindheit, denn die genähten Jäckchen sind wirklich klein und und fast wie Puppenkleidung. Solche Jäckchen nähte ich schon für meine Puppa Ingrid. Den Grundschnitt gab es in meinem heiß geliebten Werkbuch für Mädchen. Und die Sache ist ganz einfach, weil die Ärmel angeschnitten und die Jäckchen gebunden werden.
Man kann den Schnitt aus drei Teilen zusammensetzen.
Rückenteil im Stoffbruch
Vorderteil zweimal links und rechts
Wenn das Material nich fransend ist wie bei Walk oder Fleece, näht man nur die Seitennähte, die Schulternähte und die Bändchen. Das Einfassen ist nicht einmal unbedingt nötig, allerdings doch schön. So habe ich mich mit rosa und blau auf das Zwillingspärchen eingestellt.
Und es geht noch einfacher, wenn man in einem Zug Rücken und Vorderteile gemeinsam zuschneidet. Wenn nämlich bei Walk oder Fleece der Fadenlauf keine Rolle spielt, muss man anschließend nur die Seitennähte schließen, evtl. einfassen und Bändchen annähen.
Den Schnitt für Größe 50 habe ich im shop hinterlegt:
Ganz schön fand ich es, Nähte mit weißem Bauschgarn zu verzieren. Der Sternchenstich macht sich dabei gut. Auf eine Kapuze habe ich verzichtet, weil die Erfahrung zeigt, dass doch lieber Mützen verwendet werden – und es gibt ja eine passende – siehe vorheriger Artikel, https://sewtonew.blog/2021/11/18/walkmuetze-tres-chic/. Ein Stehkragen schließt den Overall oben ab. Im Rücken habe ich einen Gummitummel aufgenäht. Mit der Raffung bleibt es bequem, sieht aber nicht so sackförmig aus. Ebenso wegen der Bequemlichkeit habe ich das Futter innen hinten mit Bündchenstoff unterbrochen. So bleibt das Futter schön beweglich. Der Bündchenstoff findet sich ebenso unten innen am Ärmel wieder. Auch an den Ärmeln bleibt es so trotz Futter in Webware flexibel. Der Overall hat über der Seitennaht eine große Tasche. Den Reißverschluss habe ich mit Filzstücken aufgepeppt.
Es darf also nun kalt werden, Leni wird nicht frieren, warm eingepackt von Oma. Für Oma ein gutes Gefühl!
Meine Vorliebe für Naturstoffe wie Walk hatte ich schon kundgetan https://sewtonew.blog/2017/09/12/plaedoyer-fuer-walkstoff-winteroverall/. Wirklich warm, dabei atmungsaktiv und robust ist eben Walk, allerdings nicht ganz preiswert. Deshalb habe ich die Enkeltöchter schon des öfteren in Walkoveralls für den Winter warm verpackt. Ein Anzug für Größe 134 ist gerade eine Herausforderung, aber die zugehörige Mütze ist schon fertig.
Voilà
Mütze aus grauem Merinowalk
schöner Schnitt
Innen habe ich die Mütze im unteren Bereich so gefüttert wie der Overall auch gefüttert sein wird, nämlich mit robustem, karierten Baumwollstoff. Weiter innen befindet sich dann noch weißer Plüsch, damit ist es bestimmt ganz warm. Der Zierrand ist mit weißem Bauschgarn und Sternchenstich realisiert.
Das Nähen geht schnell von der Hand, und so schlägt dieses Teil wirklich fast alles, was man kaufen könnte, zumal es nun exakt passend zum Winteroverall gehört.
Wer eine solche Walkmütze genäht haben möchte, in passender Größe und mit wählbaren Innenstoffen, sollte sich per email an mich wenden.
Eine graue, dick mit Teddystoff gefütterte Sweatjacke von Katrin sollte zu einer ebensolchen für das Töchterchen Leni werden. Vorab: Es ist gelungen. Von außen sieht man aber nicht, wie das geklappt hat und welche Schwierigkeiten auftraten. Dazu muss man die Jacke von innen betrachten.
kleiner geschnittene Sweatjacke
innen erkennt man das Konzept
Streberstreifen innen
Diesmal war das Upcycling garnicht so einfach, weil die Jacke dick gefüttert ist. Wenn sie passend kleiner geschnitten werden soll, bedeutet das:
Reißverschluss heraustrennen, Bündchen von Ober- und Futterstoff lösen, Futter kleiner nähen, Oberstoff kleiner nähen, Innen und Außen wieder zusammensetzen, Bündchen annähen, gekürzten Reißverschluss wieder einnähen
Das lohnt doch nicht, selbst wenn die Jacke noch wirklich gut brauchbar ist!
So habe ich etwas länger über diese Schwierigkeiten nachgedacht, das Projekt erst einmal liegen gelassen, und es kamen dann noch weitere Schwierigkeiten hinzu…
Meine Überlegungen zur Rettung der Jacke: Wäre es vertretbar, Futter und Oberstoff gemeinsam zu verarbeiten? Dann könnte ich wie immer verfahren, nämlich kleiner schneiden und neu zusammen nähen. Nachteil: Dann hätte die Jacke innen dicke Overlocknähte über vier Stofflagen, an Stoßnähten wären es sogar 8 oder noch mehr Lagen. Keine Chance für die Overlock, ganz abgesehen von den dicken, unschönen Nähten! Von meiner alten Bernina 1090 weiß ich, dass sie extrem Dickes schaffen kann.
Dann kam mir die entscheidende Idee: Nähte lassen sich mit Streberstreifen versäubern! Innenansichten werden auf diese Weise schön und ansehnlich.
Bisher habe ich solche Streifen an hinteren Halsausschnitten verwendet, um unschöne Overlocknähte verschwinden zu lassen. Dazu lässt man einen Schrägstreifen beim Annähen des Halsbündchens mitlaufen und schlägt ihn anschließend um die Naht herum und näht ihn knappkantig fest.
Mit dieser Idee der Streberstreifen war dann vorstellbar, Vierfach-Stofflagen zu nähen, Obermaterial und Futter gemeinsam zu verarbeiten, dicke Nähte mit der tüchtigen älteren Nähmaschine zu nähen und sie mit Streberstreifen einzufassen.
saubere Lösung Streberstreifen
an der Kapuzennaht etwas breiter
Bei den Schulternähten und dem Ärmelansatz habe ich dann doch mit der Overlock gearbeitet, bei den Seitennähten, den unteren Ärmelnähten und der Naht zur Kapuze hingegen habe ich die schöne und praktikable Streberstreifenvariante gewählt. Meine Nähmaschine hat speziell am unteren Ärmelpunkt zur Seitennaht die vielen Stofflagen gepackt. Die Overlock hätte an dieser Stelle sicher versagt.
Schmalkantfuß
Für das finale Annähen des Streberstreifens ist der Schmalkantfuß mit von der Mitte leicht nach links oder rechts justierten Nadel eine echte Hilfe. Zuvor habe ich den Streberstreifen fein säuberlich umgeschlagen und dicht gesteckt. So ging das Nähen auf dem Teddyfutter leicht von der Hand. In den Ärmel kam ich angesichts der Enge des Kinderärmels nicht ganz hinein. Ein Stückchen musste ich per Hand annähen.
Bündchen ansehnlich zusammengefügt
Am Bündchen sieht man besonders gut, was der Streberstreifen bewirkt. Man stelle sich hier die Overlocknaht vor – nicht schön! So ist es doch besser. Ich denke also, dass ich das Verfahren auch bei dünneren Stoffen demnächst wiederholen werde, insbesondere an sichtbaren Stellen wie den Bündchen.
4 Fliegen mit einer Klappe, so könnte man den post auch nennen. Aber alles nacheinander…
Es gab zunächst eine Anregung aus dem Bernina-blog, die mich ansprach: https://blog.bernina.com/de/2016/04/tutorial-wie-flachnaht-overlock/. Eine Mütze wurde mit Flatlock fertig gestellt. Das wollte ich auch ausprobieren, nachdem ich schon Pullover im Upcycling-Verfahren mit Flatlock verschönerte, siehe vorheriger Artikel. Und es gab ein Ergebnis: Viel schöner als die Schlingenseite sieht die Leiterseite der dreifägigen Flatlocknaht aus. Insbesondere dann, wenn Bauschgarn verwendet wird. Wählt man Multicolor-Bauschgarn wird es geradezu chic.
Leiterseite der dreifädigen Flatlocknaht
Bauschgarn multicolor
Die erste Fliege ist so erledigt. Ich empfehle die Leiterseite der Flatlocknaht für Mützchen. Sie brauchen auch nicht gefüttert zu werden, weil alles schön sauber genäht wird, innen wie außen!
Gleichzeitig machte ich Erfahrungen mit meiner Bernette 48. Sie steht auf einem Arbeitstisch am Fenster. Wenn die Sonne herein scheint, wird es durchaus warm auf dem Tisch. So wunderte ich mich, dass eine einmal eingestellte und gut funktionierende Einstellung der Fadenspannungen beim nächsten Mal mit gleichem Stoff nicht mehr passend war. Der Hinweis, jedes Mal eine Nähprobe zu machen, ist also durchaus sinnvoll! Mein Bauschgarn lief immer in der Nadel mit Spannung 0, die Greifer waren meist auf 4,5 und auf 6,5 eingestellt. Erfahrungen gesammelt, Fliege 2 erledigt!
Für die Mützchen verwendete ich zunächst einen vierteiligen Schnitt.
Schnitt für Zipfelmütze von Ottobre
Stoffreste verwerten
Teile und Jerseystreifen mit Flatlock
Der Schnitt bietet den Vorteil, dass man für bunte Kindermützchen vier verschiedene Teile verwenden kann. Die Stoffrestekiste freute sich. Viele Stückchen konnten genommen werden. Quasi kostenfrei entstanden bunte Kindermützchen, zunächst 11 Stück mit diesem Schnitt in Größe 48 – 50. Unter dem Stichwort Stoffreste verwenden wurde so die dritte Fliege erledigt.
Über eine Bloggerin, die meinem Blog folgt, kam ich zur Initiative handmade for refugees, https://www.facebook.com/groups/406054740606058. Die neue Initiative für „mehr Wärme und Zuversicht“ bittet um Mützen und Schals für Geflüchtete, die in Griechenland verharren. Es gibt dort auch unbegleitete Jugendliche. Ich will angesichts der Not gerne helfen, zumal ich es mit Nähübungen verknüpfte, gebe aber zu bedenken, dass das wirklich nett und lieb ist. Was ist aber mit den Konzernen, von denen man hört, dass Rückläufe und Überschüsse an Kleidung vernichtet werden.
Jerseymützchen einlagig
multicolor Flatlocknaht schön zu unifarbenem Stoff
In Gedanken an Jugendliche, meist männliche Flüchtlinge, wählte ich einen einfachen Beanieschnitt. Abnäher und Nähte wurden mit grellem Multicolor-Bauschgarn genäht. Der untere Saum wurde ebenso mit dieser Flatlocknaht als Fake-Bündchen gearbeitet.
für Jugendliche
Es entstanden zunächst 7 Mützchen mit attraktivem Flatlockgarn, chic für Jugendliche. Die Näharbeiten haben noch Zeit bis 31. Oktober. Es wird also hoffentlich noch mehr Mützchen geben.
Der Zusammenhang mit handmade for refugees ist sozusagen die vierte Fliege.
Nun wurde Leni mit ihrem neuen Mantel fotografiert. Er ist noch etwas lang an den Ärmeln, nächstes Jahr wird er auch noch passen, ein dicker Pullover passt jetzt auch noch darunter.
Anmerkung: Wir bilden unsere Enkel nicht in sozialen Netzwerken ab. Wir haben dafür gute Gründe. Deshalb ist das Gesicht jeweils nicht zu sehen. So sind auch meine Produkte meist auf Schneiderpuppen fotografiert.
Auf diesem Foto sieht man schön die weite Überlappung vorne und die doppelreihige Knöpfung sowie die Nahttaschen.
Hier wird die A-Linie, die durch die vier Falten entsteht, sichtbar. Auf dem Fahrrad und beim Toben super praktisch! Mädchenhaft ist der Bubikragen.
Von der Seite ist die bequeme Weite gut darstellbar.
Den link zum Schnittmuster findest du im Artikel unten, auch zur Historie findest du dort Hinweise: