Upcycling: Waschbär und neue Bündchen

Ein Pullover in rosa-orange von Christl wartete aufs Upcycling. Der Sweatstoff war noch schön, aber wie so oft: Die Bündchen haben Knötchen und sehen abgewetzt aus, sowohl am Hals als auch in der Taille.

Das kann man ganz schnell Aufpeppen, indem man neue Bündchen annäht. Zu einem Uniexemplar passt dann für Kinder gut ein gestreiftes oder anders gemustertes Bündchen. Ich hatte noch weiß-dunkelbraun gestreifte im Vorrat.

So habe ich den Pullover passend kleiner geschnitten und mit frischen Bündchen versorgt. Die Ärmelnaht habe ich übernommen, Schulter und Seiten musste ich in der Größenanpassung neu nähen.

sew to new in Reinform

Damit aber nicht genug. Schon lange hatte ich eine Applikation Waschbär in der Nase. Das sind zu süße Zeitgenossen! Ich weiß sehr wohl, dass die Tierchen eine Plage sein können und bei uns eigentlich nicht hingehören, dennoch …

Eine Vorlage liefert Ela. Sie hält in ihrer Dropbox eine Handzeichnung bereit. Ich dachte mir, das sollte man digitalisieren.

süße Applikation Waschbär

Die nun digitalisierte Applikationsvorlage findet ihr kostenfrei zum download in meinem shop, einmal als Übersicht, zum anderen mit den Teilstücken für einen Zuschnitt im doppelt gelegten Stoff und im Stoffbruch.

Sommerkleid mit Herzausschnitt, erweitertes Schnittmuster

Sommerkleid mit Herzausschnitt
Herzausschnitt im Rücken

Die Enkelkinder wachsen. Meine Schnittmuster für Mädchenkleider fassen die erreichten Längen nicht mehr. So habe ich mich daran gemacht, die Schnittmuster zu erweitern, und zwar bis Größe 140. Ich habe mit dem beliebtesten Schnittmuster für ein Mädchenkleid begonnen. Es liegt also jetzt ein Sechsgrößenschnitt für das besondere Kleidchen mit Herzausschnitt vor, der die Größen 110 bis 140 umfasst. Gleichzeitig habe ich die Anleitung so überarbeitet, dass sie auch für Nähanfängerinnen leicht verständlich ist und Schritt für Schritt mit Fotos unterlegt erklärt wird, wie vorgegangen wird. Ich denke, ich habe den Nähprozess so detailliert beschrieben, dass es leicht wird, das Projekt umzusetzen.

Das Schnittmuster befindet sich nun im shop.

Für Clara, Leni, Cilly und Lotta werde ich demnächst für den Sommer solche Kleidchen nähen. Im lockdown ist ja gut Zeit, schon mal an den Sommer zu denken.

Schnittmuster zu großer Einkaufstasche als Kinderwagentasche

Als Oma lernt man über die Kinder und die Enkelkinder immer noch dazu. Ich wusste nicht, dass es extra Kinderwagentaschen gibt. Ich erinnere mich, dass Einkäufe in die Ablage unter dem Kinderwagen kamen. Ich erinnere mich auch daran, dass das ziemliches Kramen im Bücken war, wohlmöglich schon mit Kind auf der Hüfte. Wie gut, wenn das nicht mehr nötig ist!

Katrin bat mich mehrfach, ihr Exemplar zu flicken. Die Einkäufe waren wohl zu schwer für das leichte Polyestermaterial, genäht auch noch mit großen Stichen. Eigentlich unmöglich, ein solch leichtes Material für den Transport von Einkäufen anzubieten! Ich gab mein Bestes, um das ansonsten praktische Stück zu retten, bis dann gar nicht mehr ging und ich ihr eine Upcyclingtasche orientiert am vorhandenen Exemplar neu nähte. Ich verwendete Jeans als Ausgangsmaterial.

Damit begann ein Gedankenprozess zu einer solchen Tasche und deren Optimierung als Kinderwagentasche mit gleichzeitiger Funktion als Einkaufstasche. Ich informierte mich natürlich auch über Pinterest.

Was sollte eine solch selbstgenähte Kinderwagentasche ausmachen?

  • Leicht zu nähen sollte sie sein!

Wer hat schon als junge Mutter mit Baby Zeit und Muße, Kompliziertes zu realisieren! Reißverschlüsse einnähen gelingt mit einiger Erfahrung leicht, aber vielleicht ist ein solches Element verzichtbar. Wie wäre es also mit Kamsnaps oder anderen einschlagbaren Druckknöpfen, um ein wenig Sicherheit zu garantieren? Stoffe unterscheiden sich. Sie können zu dick oder aber zu „flutschig“ sein. Wie wäre es also mit stabiler Baumwolle, die sich nicht verzieht und die leicht zu nähen ist?

  • Robust sollte sie sein!

Bei der Wahl der Baumwolle fällt leichtes Material aus. Wie wäre es also mit Stoffen aus dem Bereich der Dekorationsware oder mit Stoffen, die für Schürzen empfohlen werden? Dann habe ich im Netz Exemplare gefunden, bei denen der Henkel der Tasche mit einem Druckknopf am Kinderwagen befestigt werden soll. Wie soll das halten? Wie wäre es also mit der Alternative Gurtband und Steckschnalle, die unkompliziertes Klicken garantiert? Wie die oder der Henkel befestigt wird, hat ebenso Einfluß. Wie wäre es also, wenn es zwischen Henkel und Tasche gar keinen Bruch gibt, sondern das Ganze ineinander übergeht und die Zugkraft im nicht unterbrochenen Stoff gut geleitet wird?

  • Groß genug soll sie sein!

Ein bindendes Maß für die Tasche ist der Abstand der beiden Kinderwagenholme. Für diese ungefähr 38 Zentimeter findet man längliche Exemplare entlang der vorderen Querstange. Wie wäre es aber damit, dieses Maß ins Quadrat zu setzen? Wie wäre es weiter, eine zusätzliche Tasche unterzubringen? Und wie wäre es, wenn sich die große, bepackte Tasche als Schultertasche bequem tragen ließe, derweil das Kind im Einkaufswagen gefahren wird?

  • Ansprechend sollte sie sein!

Das hat einerseits mit dem Stoff zu tun – und hier ist die Auswahl sozusagen unendlich -, andererseits aber auch mit der Form. Wie wäre es also, das Quadrat ein wenig zu runden, um eine gefällige Form zu erhalten, und die weiteren Elemente systematisch daran anzupassen?

Diese Überlegungen sind eingeflossen und haben folgendes, wie ich denke robustes, praktisches, leicht zu realisierendes und schönes Ergebnis:

Tasche, die sich über der Schulter tragen lässt
Gurte innen, innen passender Unistoff
Gurte hervorgeholt
mit aufgesetzter Tasche und Lasche
hängend an Holmen

Über das Schnittmuster habe ich lange nachgedacht und es war jede Menge Tüftelei. Aber ich bin mit dem Ergebnis ausgesprochen zufrieden und froh. Das Nähen war nach den vielen Überlegungen dann eher einfach. Mit der Anleitung habe ich mir im Nähprozess dann noch einmal wirklich Mühe gegeben, um eine Anleitung zu schreiben, die auch für Nähanfängerinnen gut verständlich ist, sozusagen eine detaillierte Schritt für Schritt Anleitung bebildert mit zahlreichen Fotos. Dabei bin ich insbesondere auf die Arbeiten eingegangen, bei denen es kniffelig wird und wo ggf. Fehler passieren können. Dass ich in meinem früheren Leben Lehrerin war, hat sicher dabei geholfen.

Anleitung und Schnitt gebe ich in meinen shop, ebenso dieses hübsche Exemplar mit Waldszenerie für jemand, der diesen Stil mag und nicht selber nähen möchte.

Playfood für die Kinderküche

Cilly hat schon zum Geburtstag etwas an Utensilien für die Kinderküche bekommen. Ich nahm wahr, dass es ihr Lieblingsgeschenk war. Cilly spielte diesen Sommer gerne in ihrer „Matscheküche“ im Garten. Nun ist es für Spielen draußen zu ungemütlich. Insofern waren die Kochutensilien für innen genau richtig.

Ehe ich aber über Ergänzungen zum Kochen berichte, fehlt die Aufklärung, was es mit diesen Schächtelchen auf sich hat.

Kaufmannsladen in den 50ern

Derweil ich für Cilly mit Wonne bastelte, kamen Erinnerungen an intensives, zeitvergessendes Spielen mit Macht hervor. Im Juli 2019 löste ich das Haus meiner verstorbenen Eltern auf. Damit begann eine emotionale Rückreise, deren Seelenarbeit bis dato anhält. Auf dem Speicher fand ich Spielsachen aus meiner Kindheit. Diese beiden Schächtelchen sind noch vollkommen intakt. Es waren arme Zeiten in den 50ern, es gab nur wenig. Das, was man hatte, wurde wie ein Augapfel gehütet und man ging vorsichtig damit um. Schächtelchen auf und zu, in das Einkaufskörbchen legen und wieder ins Regal des Kaufmannsladen, so ging es stundenlang hin und her. Sie sind also noch da, diese Schächtelchen. Weder meine Eltern noch ich entsorgten sie. Wohl kaum von Wert, sie werden immer noch gehütet. Das sagt etwas aus.

Und die Berichte von Cillys Spielen in der „Matscheküche“ triggerten meine Erinnerung zusätzlich. Bei jedem Ausschneiden und jeder Naht für neues Playfood kam das Spielen meiner Kindheit zum Vorschein. Was wäre man glücklich gewesen über solche Utensilien! Die Frage aber bleibt, ob bei einem Mehr an Spielsachen die Schächtelchen heute noch da wären. Jedenfalls hatte ich ganz besondere Bastelstunden und das Ergebnis macht mich in besonderer, sozusagen doppelter Weise glücklich, aus dem Blickwinkel der Rückreise und aus dem der Vorausschau auf Cillys zukünftiges Spielen.

Nun aber zu den Filzgeschichten. Ich fand Filz in meinem Näh- und Bastelfundus. Zudem begeisterten mich Anleitungen und Bilder im Netz, weiter unten setze ich Links für Interessierte.

Obst und Gemüse
Herzhaftes
Naschereien

Dann fand ich im Keller noch ein passenden Körbchen.

Vorratskörbchen für die Kinderküche

So wünsche ich Cilly also inbrünstiges Spielen.

Anregungen und Anleitungen zur Herstellung von Playfood findet sich z. B:

https://www.facebook.com/Minifilz/

https://www.heimwerker.de/naehen-fuer-die-spielkueche-lebensmittel-und-zubehoer-selber-machen/

http://hellohcmc.canalblog.com/archives/2010/09/18/19092627.html

Chiffon nähen – Anleitung und Tipps

Für meine Enkeltöchter nähte ich Weihnachtskleidchen mit einem Überwurf aus Chiffon. Es sollte festlich werden. Dabei lernte ich dazu und machte Erfahrungen, die ich nunmehr zusammenfasse.

Was ist Chiffon?

Chiffon ist ein leichtes, hauchzartes, fließendes, federweiches, aber auch empfindliches Material. Es eignet sich für leichte Kleidung mit flatterndem sowie romantischem Charakter und insbesondere wegen der Transparenz für Festkleidung. Besteht Chiffon aus Seide, werden daraus teure Abendroben gefertigt. Preiswerter ist die Polyestervariante, die aber in den Eigenschaften bzw. den hier interessierend Näheigenschaften vergleichbar ist.

Was ist beim Verarbeiten von Chiffon zu beachten?

Chiffon zu verarbeiten, verlangt wirklich Respekt bzw. Näherfahrung. Husch, husch, geht hier gar nichts.

Das beginnt schon beim Zuschneiden.

Tipp 1:

Den Stoff auf der Schneidermatte ordentlich ausrichten, die Webkante entlang einer Linie. Den Schnitt entsprechend Fadenlauf auflegen, ohne dass der Stoff verrutscht, und den Schnitt mittig gründlich mit Gewichten fixieren. Den Schnitt besser nicht mit Nadeln fixieren, das hinterlässt ggf. Löcher. Vor dem Zuschneiden die Ränder des Schnitts leicht anheben und mit nicht permanenten Sprühkleber besprühen. Dann den Schnitt aufdrücken, so verrutscht beim Schneiden nichts mehr. Zum Ausschneiden einen Rollschneider verwenden oder aber die Schere mit kleinen Schnitten führen.

Wie überträgt man Nahtlinien?

Tipp 2:

Kopierpapier und Rädeln eignet sich bei Chiffon nicht, zu groß ist die Gefahr, den Stoff zu verletzen. Da bleibt nur, mit großen Stichen, mit kontrastreichem Garn und feinster Nadel, die eine unverletzte Spitze besitzt, die Linien zu kopieren.

Wie wird das Nähen vorbereitet?

Tipp 3:

Was zusammen genäht werden soll, wird normalerweise zuvor gesteckt. Bei Chiffon besteht aber die Gefahr, damit Löcher zu hinterlassen. Normalerweise stecke ich quer zur Nahtlinie und nähe auch über die Nadeln hinweg. Das geht bei Chiffon gar nicht. Was möglich ist, ist ein Vorstecken in Längsrichtung im Bereich der Nahtzugabe. Dann näht man schrittweise und entfernt die Nadel kurz bevor man die Stelle erreicht. Plastikklammern finde ich wegen des Gewichts auf leichtem Stoff zu schwer und unhandlich.

Mit welchen Nähmaschine, mit welchem Garn und welcher Nadel wird genäht?

Tipp 4:

Chiffon lässt sich z.T. mit der Overlock, ansonsten mit der normalen Nähmaschine nähen. Für beide Nutzungen gilt: Die feinsten Nadeln, Stärke 70 oder kleiner, sind geeignet. Entsprechendes gilt für das Garn. Man sollte feinste, hochwertige Garne verwenden. Es wird Stickgarn für die Nähmaschine empfohlen. Ich nahm hochwertigen Allesnäher.

Welche Stiche sind geeignet?

Tipp 5:

Unabhängig von der gewünschten Stichart gilt, dass zuvor Nähproben absolut sinnvoll bzw. unerlässlich sind. Ich musste sowohl bei Geradstich als auch bei Zickzackstich und Oberlocknaht die normalen Einstellungen extrem verändern. Bei der Nähmaschine musste ich die Fadenspannung extrem lockern, damit sich der Stoff nicht kräuselte. Bei der Overlock musste ich ebenfalls auf maximale Dehnung einstellen, um kein gekraustes Ergebnis zu erhalten. Es gibt den Ratschlag, Seidenpapier mitlaufen zu lassen, damit Ober- und Unterstoff in gleicher Weise gepackt werden.

Wie geht das mit dem Versäubern?

Tipp 6:

Zickzacknaht, die noch zurück geschnitten werden muss

Mit der Oberlock lässt sich das bewerkstelligen, entweder gleichzeitig mit dem Zusammenfügen von Ober- und Unterstoff, oder aber bei den überstehenden Nahtzugaben. Eine Zickzacknaht nahe der Verbindungsnaht ist ebenso zielführend. Dann wird anschließend die überstehende Nahtzugabe entlang der Zickzacknaht sauber abgeschnitten. Schön ist eine kleine Kappnaht. Dann ist die Naht von beiden Seiten – außen wie innen – sehr schön und perfekt.

Sollte Handarbeit stattfinden?

Tipp 7:

An Kanten wie dem Halsausschnitt oder dem Saum sollte besonders fein gearbeitet werden. Das bekommt man mit der Nähmaschine nicht hin, so sehr man sich auch Zeit nimmt und Mühe macht! Deshalb sollte hier mit der Hand gearbeitet werden. Zu feinstem Rollieren gibt es detaillierte Anleitungen:

https://stoffe.ch/de/naehen/rollieren-von-seide

https://www.burdastyle.de/naehtipp-rollsaum-naehen

Dann habe ich noch ein Video gefunden, das zeigt, wie man mit einem Hilfsmittel sehr feine Säume nähen kann: https://youtu.be/-6XDlG4b6EU

Was ist mit Bügeln der Nähte und des Genähten?

Tipp 8:

Polyesterchiffon verträgt keinen Dampf! Man bügelt also ohne Dampf und bei geringer Temperatur wie man es auch bei Seide tun würde. Ein zwischengelegtes Seidenpapier kann das Bügeln noch sicherer machen.

Wie wird gewaschen?

Polyesterchiffon kann im Schongang der Waschmaschine gereinigt werden.

Ich wünsche viel Erfolg, wenn ihr euch traut. Ich empfehle ruhige Stunden für ein solches Projekt.

Wenn diese Tipps weitergeholfen haben, „gefällt mir“ nicht vergessen. Danke!

Stoffreste streifenweise

Die Idee stammt aus Pinterest. Dort sammle ich Ideen zu allerlei Themen rund ums Nähen, so beispielsweise auf der Pinnwand „Stoffreste verwerten“ Vorlagen, die die überfüllte Stoffrestekiste etwas leeren helfen.

In meinem blog gibt es ebenso Ideen:

An größeren Teilen aus Jersey hatte ich mich bisher noch nicht versucht. Nur Jeansstoffe habe ich schon zusammengesetzt zu Kleidern verarbeitet.

Jetzt habe ich mich aber getraut, auch bunte Jerseystoffe anzugehen, um im Nähzimmer nicht in Bergen von Resten zu versinken. Für meine Vorstellung bedarf es harmonierender Streifenstücke, die Shirts für die Enkeltöchter ergeben können. Zugegeben: Es ist ein wenig aufwendig, denn zunächst müssen die wilden Stoffstücke danach sortiert werden, ob sie Rechteckstücke oder Streifen hergeben, die groß bzw. breit genug sind. Hier hilft wirklich die Schneidermatte und der Rollschneider. Dann müssen die vielen Stücke so kombiniert werden, dass ein Bild entsteht, das gefällt. Dabei sind Vorder- und Rückenteil und die doch symmetrisch zu gestaltenden Ärmel zu bedenken. Wenn alles zusagend zusammengelegt ist, sind die Teile zu verbinden – viele Nähte! Der schönste Teil – so finde ich – ist es, solange hin- und herzulegen, bis eine schöne Vorstellung für das Endprodukt entsteht.

Und das ist bei mir herausgekommen:

Ich denke, man sollte in einem harmonierenden Farbraum bleiben, ein wenig Ordnung einhalten und eben nicht wild kombinieren. So habe ich grün, das schon gräulich ist, mit grau und ein wenig rot kombiniert. Beim ersten Shirt ist im Rücken anstelle des Motivstoffs, von dem ich nur noch ein Stückchen besaß, der Streifenstoff getreten. Beim zweiten Shirt gehen identische Streifen rundum. So könnte man meinen, die Stoffe wären für das Projekt zusammengekauft worden. Es handelt sich aber sozusagen um Abfälle, d.h. Stoffreste, die manch anderer entsorgt hätte.

Stoffe kombinieren mit Bethioua

Bethioua ist der Name eines Schnittmusters. Ich habe es schon häufig genutzt, weil der Schnitt wirklich ein Ruckzuck-Nähen ermöglicht. Es handelt sich um eine Raglanvariante auch für Nähanfängerinnen, bei der die Ärmelstücke bis in den Rücken führen, was optisch sehr schön ist, unter dem Motto: Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Außerdem lassen sich so Stoffreste und Stücke noch verwendbarer Kleidungsstücke verarbeiten. Ein echter Upcyclingschnitt!

Ich verweise an dieser Stelle auf meine Upcyclingschnitte und auf einen tollen Ottobre-Schnitt für solche Zwecke:

https://sewtonew.blog/product/cilly-schnitt-fuer-ein-maedchenkleid-im-mustermix/,

https://sewtonew.blog/2018/07/18/upcycling-jeans-jeanskleidchen-aus-vier-hosenbeinen-freebook-groesse-86-126/,

https://sewtonew.blog/2017/10/08/ein-schnitt-drei-kleidchen/

Ich erhielt den Schnitt Bethioua damals als freebook, heute kostet er etwas: https://www.ellepuls.com/kinder/schnittmuster-raglanshirt-bethioua-mini/.

Für Lotta und den Herbst habe ich dann einmal losgelegt:

Hier siehst Du, dass der Schnitt im Rücken eine Naht hat. Das heißt auch, dass kürzere Stücke Stoff hinten verwendet werden können. Oma Inges Pullover hatte einen V-Ausschnitt. So reichte die Front noch für den unteren Rücken.

Kurzärmelige T-Shirts geben kein Longshirt für Kinder her, aber zwei können das mit diesem Schnitt.

Stoffreste ergaben ein weiteres Bethioua-Shirt.

Hier sind noch einmal zwei Sommer-T-Shirts mit kurzen Armen verarbeitet worden. In dieser Variante habe ich den Saum unten von Ausgangsshirt erhalten können. Er war noch tiptop. Dadurch ist aber der Rücken unten nicht gebogen geschnitten.

Der Bethioua-Schnitt sieht verschiedene Abschlüsse unten vor: gerundeter Saum, gerader Saum, Bündchensaum. Den gerundeten Saum finde ich deshalb praktisch, weil beim Spielen auf den Knien oder in der Hocke der Rücken bedeckt bleibt.

Schön lässt sich ein solches Bethioua-Shirt aufpeppen, wenn du mit Paspeln zwischen den oberen und unteren Stoffstücken arbeitest. Darauf habe ich diesmal verzichtet. Mit dem oben angegebenen link findest du weitere kreative Lösungen. Ran an die Stoffrestekiste oder den Fundus abgelegter Kleidung!

Babyoverall zum Binden – Schnittmuster

Babyoverall
Babyoverall aus Walk zum Binden

Ein Stoffrest Wollwalk inspirierte mich, er lachte mich geradezu an beim Gedanken an den nahenden Herbst. Er war viel zu klein, um meinen jetzt schon doch großen Enkelkindern etwas daraus zu nähen. Er war übrig geblieben vom letzten Winteranzug für Leni. In allen Jahren zuvor hatte ich mich mit Winteroveralls aus Walk beschäftigt und dafür gesorgt, dass die Kleinen gut eingepackt waren.

Meine Vorliebe für Naturstoffe und speziell im Winter für Walk hatte ich damit schon kundgetan. Es geht nichts über die wärmenden Eigenschaften von Wolle!

Nun war der Stoffrest so klein, dass er nur für einen wirklich kleinen Babyoverall passen würde. Und dabei fiel mir dann auf, dass die Kleinsten eben noch nicht laufen und krabbeln und damit die Anforderungen an einen Overall anders sind. Es geht darum, dass die Babies weich und warm liegen und dass Mutter sie leicht an- und ausziehen kann. Eine Bindevariante lag dann sozusagen auf der Hand.

Es war relativ leicht, ein Schnittmuster zu zeichnen, ich hatte mich ja schon oft mit Overalls und Babybekleidung befasst. Das Schnittmuster dann zu digitalisieren war schwieriger, will man möglichst DINA4 Blätter für den Ausdruck sparen. Die Anforderung hat mich aber gereizt. Es sind 12 DINA4 Seiten geworden, 9 habe ich angesichts der Länge des Overalls dann doch nicht geschafft, wie auch immer ich die Schnittteile in den diversen Formaten drehte. Das Schnittmuster samt ausführlicher Anleitung biete ich im Shop unter Schnittmuster an.

Meine Erinnerungen an die im Garten bei Wind und Wetter schlafenden Enkelkinder sind damit wieder wach. Was schläft es sich gut an frischer Luft! Und wie gesund ist das! Für die Herbst- und Winterbabies ist dann warmes Einpacken Bedingung. Ein Wolloverall kommt zu diesem Zweck gerade richtig.

Schöne Walkstoffe sind auf dem Weg zu mir. Die Enkelkinder warten auf Wintermäntel. Demnächst finden sich deshalb auch Walkoveralls in meinem Shop für alle die, die nicht selber nähen wollen oder können. Eigentlich ist das Schnittmuster aber gerade für Nähanfängerinnen geeignet. Man sollte sich trauen!

Etsy – von der Katastrophe zu einem fast guten Ende

Da ich sehr viel nähe und Freude dran habe, vermarkte ich Produkte nicht nur über den Shop Mädchenfein auf diesem Blog, sondern habe auch bei Etsy einen Shop eingerichtet.

Mitte Juli konnte ich die Seite dort nicht mehr erreichen. Erst dachte ich, es läge an unseren wackeligen Internet auf dem Lande, aber am nächsten Tag war der erneute Versuch wieder erfolglos. Die Nachricht lautete immer wieder: email-Adresse unbekannt.

Daraufhin kam mir die Idee, mich mit eben dieser email-Adresse neu zu registrieren. Das hätte ja eigentlich nicht klappen dürfen, denn sie war ja schon vergeben. Aber die Registrierung gelang. Daraufhin suchte ich nach meinem Shop. Und nun die echte Katastrophe! Unter meinem Profil wurden meine Sachen angeboten, viel teurer, und die Unikate waren zigfach vorhanden. Und das Stärkste: Die Verkaufszahlen waren in die Höhe geschnellt.

Mit wurde ganz heiß, es hat mich eine schlaflose Nacht gekostet.

Da mein Sohn als Anwalt im Internetrecht tätig ist, Lexea-Kanzlei, rief ich ihn wirklich ordentlich irritiert an. Sein Rat: Sofort anzeigen! Sofort Etsy informieren!

Ersteres war dann noch recht einfach: Die Polizei stellt online die Möglichkeit zur Verfügung, Anzeigen auch gegen Unbekannt zu stellen.

Das Zweite war dann aber wirklich schwierig. Die Hilfe-Funktionen von Etsy bieten Rat auf gängige Fragen, meine war nicht dabei. Wie kann man Kontakt aufnehmen? Wirklich schwierig! Niemand irgendwo auf der Seite erreichbar! Ich habe es dann schließlich über Impressum geschafft, mein Anliegen zu mailen. Man wünscht sich manchmal in die Zeit vor Digitalisierung zurück. Den ehrbaren Kaufmann um die Ecke, den man kennt und den man bei Schwierigkeiten ansprechen könnte, den hätte man früher erreichen können. Aber wenn selbst Volkswagen betrügt – die Zeiten haben sich eben geändert! Immerhin bestätigte die erneute Suche nach dem Shop, dass er vom Markt genommen war.

Es gab ein weiteres Problem: Meine emails unter der Adresse, die ich bei Etsy verwendete, waren verschwunden. Die Telekom hat aber eine Sicherheitsabteilung, über die normale Servicenummer wurde ich dorthin geleitet. Sehr hilfreich, was mir dort begegnete. Also auch mein email-Passwort war geändert worden und der oder die Betrüger hatten natürlich die emails gelöscht, die eine Nachverfolgung des Geschehens hätten ermöglichen können.

Erste Maßnahme mit Hilfe der Telekom war dann das Einrichten meiner mail-Adressen mit Zweistufen-Authentifizierung und ein Test meines Computers mit einem Programm, dass Schadsoftware sucht, 15 Tage kostenfrei. Schadhaftes wurde gefunden! und in Quarantäne geschickt! Ehe ich aber wieder meinem Windows-Rechner benutze, wird der noch einmal professionell gecheckt. Ich bin zunächst auf ein Macbook umgestiegen.

Da ich mich dann bei Etsy neu hatte registrieren lassen, fehlte dann noch die Bestätigung der email-Adresse. Mein Glück war, dass ich nicht auf  „Bestätigen“ drückte, sondern wartete. Schließlich meldete sich die Sicherheitsabteilung von Etsy. Jetzt hatte ich endlich den richtigen Kontakt.

Der führte dann schlussendlich dazu, dass ich meinen shop weitgehend bereinigt zurück bekam. Zusätzlich erstattet Etsy den geschädigten Kunden den Verlust, ich muss also nicht bangen, in die Pflicht genommen zu werden. Teilweise wurden offenbar nicht gewollte Bestellungen abgewickelt, indem man fremde Daten benutzte. Das macht mir den Eindruck, als wären nicht einzelne Kriminelle unterwegs, sondern ganze Gruppen, die mit Daten und Plattformen ihr Schindluder treiben.

Bereinigen bedeutete dann noch einige Arbeit: Sprache richtig einstellen, der Zugriff kam wohl aus UK, viele Artikel durcharbeiten, Stückzahlen und Preise wieder richtig setzen usw.. Was mir nicht gelang: Meine 5 positiven Sternchen sind dahin, die negativen Rückmeldungen erboster Kunden kann ich wohl nicht bearbeiten.

Was ich gelernt habe – als Verkäufer bzw. Käufer – und das ist ja auch etwas:

  • Shops, die nur mit Vorkasse (von Direktüberweisung bis hin zu Scheckkarte) arbeiten, sind für Betrüger extrem interessant, insbesondere dann, wenn Geld schon ausgezahlt wird, ehe die Nachricht vom Kunden oder Transportunternehmen kommt: erhalten oder zugestellt. So funktioniert das leider bei Etsy.
  • Shops, bei denen man unkompliziert telefonischen Kontakt erhält, sind vertrauenswürdiger
  • dann sind wohl kleinere Unternehmen vertrauenswürdiger
  • immer Zweistufen-Authentifizierung durchführen, egal wo, sofern möglich
  • Passwörter nicht nur stark anlegen, sondern für jede Adresse ein anderes Passwort wählen
  • ich speichere Passwörter nicht mehr, sondern schreibe sie mir auf
  • Kundenanfragen hinterfragen, ehe man den ganzen Text öffnet
  • vertrauenswürdig erscheinende Fotos mit Papa, Mama, Kindern könnten so angelegt sein, dass sie täuschen sollen
  • Etsy prüft Anfragen auf Schadsoftware wohl nicht, also ist eigene Vorsicht geboten

Ob ich den Etsy-Shop auf Dauer behalte, wird sich zeigen.

Jedenfalls biete ich über diesen blog und meinen Shop Mädchenfein an, schon ab der zweiten Bestellung auf Rechnung zu bestellen und meine Telefonnummer ist auch hinterlegt. Dann ist der Kunde sicher.

 

 

einfacher Mundschutz aus Herrenoberhemd

Es geht um einen einfachen Mundschutz, besser als gar nichts in Zeiten von Corona. Er bietet einen gewissen Schutz, keine absolute Sicherheit. Die Handhabung ist auch zu beachten, siehe unten.

Ein Herrenoberhemd habe ich deshalb gewählt, weil ich als Upcyclingfan viele Exemplare in meinem Fundus liegen habe. Wo soll man auch derzeit Stoffe kaufen gehen?! Außerdem bestehen die Oberhemden meist aus qualitativ hochwertiger, fester, dichter Baumwolle. Das erleichtert das Nähen und die spätere Desinfektion. Baumwollfasern saugen Tröpfchen weg, und mit ihnen sollen ja die Viren daherkommen. Deshalb ist Baumwolle im Übrigen ein typischer Stoff für verschwitzte Sommer.

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Der Mundschutz wird aus einem doppelt gelegten Stück Stoff hergestellt. Dieses sollte ungefähr 18 x 36 cm groß sein. Das Oberhemd bietet in der Vorderseite zwei solche Abschnitte unterhalb der Brusttasche. Auch die Ärmel können dafür aufgeschnitten werden. Insgesamt lassen sich so mindestens vier Schutztücher aus einem Herrenhemd herstellen. Der Rücken des Hemds dient dazu, Stoffstreifen, Schrägstreifen, für die Einfassung und die Bänder zu liefern. Da das Rückenstück lang genug ist, müssen für die Bänder dann keine Stücke zusammengesetzt werden.

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Das Stoffstück wird zunächst gefaltet, so dass eine Doppellage mit 18 x 18 entsteht. Diese doppelte Lage erhält nun drei kleine Falten parallel zum Umschlag, pi mal Daumen 0,7 cm breit. Am besten man steckt die Falten seitlich fest und bügelt.

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In den Umschlag der beiden Stofflagen schiebt man nun ein Stück Draht, ca. 14 cm lang. Der dient dazu, dass der Mundschutz eng an die Nase gepresst angelegt werden kann. Ich habe ihn mit breitem Zickzackstich dicht am Umschlag fixiert. Ebenso habe ich die Falten per Geradstich fixiert.

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Nun zur Einfassung: Ich bin glückliche Besitzerin eines Bändchenfassers. Wer darüber nicht verfügt, kann mit fertigem oder selbst hergestelltem Schrägband weiterarbeiten. Der Umschlag und die gegenüberliegende Kante werden nun eingefasst. Bei mir dienten dazu die Stoffstreifen, die ich aus dem Rücken des Hemds heraus geschnitten habe.

Die Bänder, die dem Mundschutz hinten am Kopf befestigen, habe ich ebenso aus diesen Streifen mit dem Bändchenfasser gearbeitet. Das geht wie im Fluge. Erst ein Stück Band, dann den Mundschutz zwischengefasst, dann wieder ein Stück Band. Linke und rechte Seite werden so in gleicher Weise fertig gestellt.

Das Ergebnis:

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Wir gehören als Oma und Opa zur Risikogruppe. Bisher werden wir mit Essen und Lebensmitteln versorgt. Sollte sich dennoch einmal ergeben, dass wir unter Leute müssen, sind wir nun zusätzlich zum Abstand halten vorbereitet.

Zur Handhabung: Tröpfchen mit Viren könnten sich auf der Außenfläche des Mundschutzes niederlassen. Deshalb sollte man beim Ausziehen die Front nicht anfassen. In jedem Falle sowieso zu Hause die Hände waschen, ehe man sich vielleicht unbeabsichtigt ins Gesicht fasst. Wie wird dann der Mundschutz behandelt? Waschen bei 60°C geht bei Baumwolle und wird empfohlen, ebenso ein „Backen“ bei 80°C im Umluftbackofen.

Kein offizieller Hinweis: Ich denke ein heißes Dampfbügeleisen tut es aber auch. Ich denke ebenfalls als naturwissenschaftlich gebildete Person, dass, wenn man den Mundschutz einige Zeit der prallen Sonne aussetzt, alles „platt“ sein müsste.

Bleibt gesund und habt Freude beim Nähen!