Einhorn out, Bambi in?

istock-492443641-50bbbc4e-13de-45ff-b201-6d18779ee0edDass das Einhorn einen Hype erlebt hat, beweisen die Verkaufsregale mit Macht. Auf der Einschulungsfeier meines Enkels wurde es mir wieder einmal vor Augen geführt, Einhörner, wohin das Auge sah. Schultüten, Ranzen, Kleidchen, Sticker, Geschenkpapier, die Mädchen wurden mit solcherlei Glitzer in Einhornmanier bedacht. Nun ist man es aber wirklich etwas leid.

Mir ist das sowieso ein wenig schleierhaft, wahrscheinlich bin ich zu rational veranlagt. Mir war lediglich ein Innenfutter für Lenis letztjährigen Winteroverall mit Einhörnern untergekommen. Dies aber auch nur, weil der Stoff farblich zum Oberstoff harmonierte.

Mein Unverständnis erfuhr nun eine gewissen Rechtfertigung, als ich in der Berliner Morgenpost las, dass die Sache mit dem Einhorn auf einen Irrtum zurückgeht. In babylonischen Reliefs waren wahrscheinlich Auerochsen abgebildet und man konnte nur ein Horn ausmachen. Auerochsen haben aber tatsächlich zwei Hörner. Macht nichts, die Sage war geboren.

Sollte es so sein, dass Irrtümer zu Sagenhaftem und Märchenhaftem führen?!

Jedenfalls hat es funktioniert. In der Morgenpost las ich weiter: „Dass die Vermarktung des sagenhaften Wesens auch noch im dritten Jahrtausend und 35 Jahre nach dem Kinofilm „Das letzte Einhorn“ funktioniert, lässt sich laut Peter Wippermann, Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign an der Universität Essen, gut erklären. „Das Einhorn verkörpert etwas Märchenhaftes, und es steht für die Realisierung von Träumen“, sagt er.“

ixxi-disney-bambi-thumperDas süße Rehkitz kann man hierzulande in echt bestaunen. Weil so realistisch und nah, hat Bambi (Quelle Disney) es etwas schwerer, einen solchen Erfolg wie das Einhorn zu haben. Weil es so süß ist, wurde es aber ebenso filmisch genutzt, und taugt gleichermaßen fürs Märchenhafte und sogar für Filmpreise.

Jedenfalls tauchen nun Stoffe mit Bambi auf. Dass sie den Mädchen gefallen werden, steht außer Frage. Für meinen Geschmack eignen sie sich wohltuend weniger für ein Übermaß an Glitzer. Für die kommende herbstliche und winterliche Zeit sind sie bestens brauchbar. Ich habe also zugegriffen. Und das ist entstanden:

bambijersey1

bambijersey2

Ich realisierte wieder einmal die Kombination: Organisches, Einfarbiges, Geometrisches. Ein Kleid nur im Bambistoff schien mir zu langweilig. Der Passenstoff ist ebenso dehnbar wie der Bambistoff und kommt flauschig passend zu kühleren Tagen daher. Er fand sich in der Restekiste von Anne, einer echten Fundgrube.

Nun kann man gespannt sein, ob Bambi einen Trend ergibt.

 

Jeansrock – das ultimative Upcyclingkonzept

Schon länger wollte ich einen Kinderrock aus Jeans nähen, weil Jeansstoff so ein unverwüstliches Material ist. Wie soll man das aber anstellen, wenn zwar abgelegte Jeans Erwachsener zur Verfügung stehen, aber große, unverletzte, nicht benähte Stoffstücke darin nicht zu finden sind.

Hier zunächst einmal das Ergebnis:

upcyclingrock6

Auf die Idee kam ich, als ich bunt zusammengesetzte Röckchen bei Pinterest fand. Zudem finde ich Tellerröckchen wegen der Weite und noch nicht vorhandener Kurven bei den Mädchen schön. Eine grundsätzliche Anleitung findet sich in Maries Blog. Angesichts des festen Jeansstoffs kommt aber hier allenfalls der Halbkreistellerrock infrage.

Wenn man mit Reißverschluss arbeiten will, ist die Taillenweite maßgebend für das Weitere. Bei der Entscheidung für Gummiband, Bindeband oder Bündchenabschluss in der Taille ist die breiteste Körperstelle zu messen, also Hüfte/Po-Umfang, damit man in den Rock bequem hineinkommt.

tellerrock

 

Jetzt nimmt man z. B. ein Zeitungsblatt und schlägt von einer Ecke aus einen Kreis  (man kann wenige Punkte mit Hilfe eines Lineals markieren, das reicht) mit dem Radius, der sich aus dem gemessenen Umfang geteilt durch pi, also durch 3,14 ergibt. In meinem Beispiel war das 55/3,14. Der zweite Kreis hat den Radius, der zuvor ermittelt wurde, plus gewünschter Rocklänge. Dann wird ausgeschnitten und man hat den Schnitt für die Hälfte des Rocks. Wenn man dann zweimal faltet, entsteht das Achtelstück des Rocks. Das sieht dann so aus:

upcyclingrock2

Dieses Stück passt auf aufgeschnittene Ärmel, auf Hosenbeine etc., es lassen sich also Kleidungsstücke mit Stellen verwerten, die man zuvor nicht im Blick hatte! Das macht das Konzept so ultimativ.

auf Hosenbeinen:

upcyclingrock3

So kamen 8 schöne Stücke zusammen:

upcyclingrock4

aneinander genäht:

upcyclingrock5

Nun gilt es noch schön und einzigartig zu gestalten. Man hätte sportlich weiter machen können, z.B. einfach mit bunten Steppnähten. Da sich jedoch Claras Geschmacksbildung derzeit entlang von Lillyfee entwickelt, habe ich mich für verspielt entschieden. So habe ich Girlanden mit Zickzack in rosa aufgenäht und darauf Vögelchen appliziert.

vögelchen

Stoffrestchen in rosa sind bei Omas von Enkelinnen immer vorhanden. Nun habe ich noch Bund und Bindeband ergänzt und gesäumt.

Ich bin sicher, dass ich diese Konzept mit anderen Stoffen und anderen Gestaltungsideen wiederholen werde.

 

 

Kleidchen aus zwei T-Shirts

Wenn die Kinder wachsen und etwa Größe 98/104 erreichen, langt ein Damenshirt nicht mehr, um ein Kinderkleidchen zu nähen, siehe Polohemd wird zum Polokleidchen oder Pullover wird zum Kinderkleidchen – das geht fast immer. Allenfalls große Herrenshirts ergeben noch ein Kleidchen. Also ist ein anderes Verfahren anzuwenden, siehe Wenn der Stoff nicht reicht

kleidauszweitshirts

So müssen also zwei Damen-T-Shirts herhalten, zumal das eine abgelegte noch mit Passe versehen war und im unteren Teil nur ein halbes Kleidchen ergab. Zum gemusterten mit Ärmeln gesellte sich ein einfarbiges Top. Es wurde wieder soviel als möglich erhalten und wiederverwendet:

  • ein Teil der Kopfleiste blieb an Ort und Stelle
  • die Bündchen an Ärmeln und Halsausschnitt stammen vom Top
  • der untere Saum vom Top blieb erhalten
  • die Webbändchen an den Taschen oben waren zuvor hintere Halsausschnittversäuberung
  • inneres Bändchen und der Knopf außen zum Ärmelkrempeln blieben erhalten

Upcycling ist demnach einfacher als völlig neu zu nähen, es bedarf nur der Ideen, und die machen den meisten Spaß.

Röckchen, 20-Minuten-Upcycling

Das Konzept lässt sich übertragen auf T-Shirts, Sweatshirts, Kleider etc. und ist denkbar einfach.

Hier war die Grundlage ein abgelegtes, langes Sommertop mit fließendem Charakter und hohem Elastikanteil.

röckchen1

Von unten her habe ich die Rocklänge für das Mädchen abgemessen und entlang der Messlinie abgeschnitten. Saum, Seiten und Rückennaht bleiben erhalten. Nur die Taille muss neu gearbeitet werden. Es ist denkbar mit Bund und Reißverschluss, mit Bündchenstoff, mit Tunneldurchzug oder Gummiband weiter zu verfahren. Ich habe mich für einen Dessousgummi entschieden. Dabei ist so zu verfahren wie mit Bündchen: Der Gummi wird zum Schlauch geschlossen und in jedem Viertel markiert. Dann wird unter Dehnung des Gummis rechts auf rechts angenäht, die Viertel waren zuvor seitlich und mittig an den Rockteil gesteckt. Den Gummi habe ich dann nach innen geklappt und noch einmal mit einem Zickzackstich (Dehnung möglich) von rechts festgenäht.

Wenn ich noch einmal so verfahre, werde ich zuvor den Rockteil etwas kräuseln. Es war schwer, unter extremer Dehnung sauber anzunähen. Gummilänge und Weite der Stofftaille dürfen nicht zu weit auseinander gehen.

Jetzt kann noch verschönert werden. Den Rand eines Damenstofftaschentuchs habe ich zu Blütchen gekräuselt und sie angenäht. Das gefällt mir für das kleingeblümte Röckchen in blauschwarz. In anderen Konzepten lässt sich hier allerlei und mit unendlichen Varianten spielen. Das Grundkonzept zum Röckchen kann dabei identisch sein.

röckchen2

 

 

Turnbeutel

turnbeutelw

Für den Kindergartenstart benötigt Cosi einen Turnbeutel/Rucksack. Ich habe mich orientiert an einer Anleitung im Netz. Für den Schelm habe ich eine passende Applikation bei Pinterest gefunden, siehe dort Oma näht, zauberhafte Applikationen.

Das Projekt ist vollständiges Upcycling. Nur die Kordel wurde neu gekauft. Grundlage waren drei Herrenhemden: Das Jeansartige hatte einen weiten, unmodischen Schnitt, das Gestreifte war zu eng geworden. Für das Futter wurde ein hellblaues Hemd verwendet, das im Schulterbereich verschossen war. Da der Rücken dieses Hemds nicht für das mittig ungeteilte Futter reichte, wurden noch Streifen des Oberstoffs seitlich ergänzt. Zudem befindet sich innen die Hemdtasche des Streifenhemds als Innentasche. Selbst die Schlaufen seitlich sind Upcycling, es handelt sich um Gürtelschlaufen einer Jeans. Warum neu nähen, wenn es Passendes im Fundus schon fertig genäht gibt? Die Schlaufen seitlich haben gegenüber eingenähten Kordeln den Vorteil, dass man die Kordellänge noch an die Größe des Kindes anpassen kann. Insofern ist die verwendete Anleitung super. Für die Applikation fanden sich Stoffrestchen. Katrin wird die Haare des Kerlchens, Stichwort Parka, wiedererkennen.

Jedenfalls hat nun Cosi einen Turnbeutel, der alles andere ist als Nullachtfünfzehn.

In derselben Weise entstand später ein Turnbeutel für die Enkelin. Da ihre Mutter mit Leidenschaft tanzt, wird der Beutel wohl gefallen. Ein Kissenbezug, ein Bettbezug und ein Hemd lieferten die großen Stoffstücke einschließlich Futter. Für die Applikation griff ich in die Läppchenkiste mit Restchen.

mädchenturnbeutel