Empirchen – ideal fürs Upcycling

Was sind denn eigentlich Empirchen?

Der Empire-Stil entstand vor ca. 200 Jahren zwischen der französischen Revolution und dem Biedermeier. Madame Recamiere hat ihn hoffähig gemacht und Königin Luise von Preußen war eine herausragende Persönlichkeit, die diesen Stil verkörperte. Was war neu? Die Damenwelt wurde nicht mehr eingeschnürt, Freiheit für die Figur! Lange, weite, fließende Gewänder setzten unterhalb der Brust an, die nur knapp bekleidet war. Hingeschmackt auf die Recamiere ließen sich die bedeutenden Damen der Zeit von Malern festhalten. Bequemlichkeit und Sinnlichkeit wurden propagiert.

Und Bequemlichkeit und Freiheit, das sind ja wohl auch Anforderungen an Kinderkleidchen. Die sog. Empirchen haben ein kurzes, glattes, meist doppelt gearbeitetes Passenstück, an das du einen gekrausten Rock annähst. Oben ist die Passe entweder so weit ausgeschnitten, dass überhaupt kein Verschluss nötig ist, oder aber die Passe wird hinten oder vorne geknöpft. Es ist auch eigentlich kein Schnitt nötig, weil du für die Passe den Schnitt von einem T-Shirt, das gerade gut passt, abnehmen kannst. Der Rock kann mehr oder weniger gekraust werden, das kannst du je nach vorhandener Stoffmenge anpassen. Die Länge ist ebenso einfach zu bestimmen, indem du von der oberen Brust des Kindes entweder bis über Knie oder bis zum Knie abmisst.

Empirchen aus Stoffrest und Tunika
Empirchen im Rücken geknöpft

Da die Empirchen aus zwei Teilen bestehen, kannst du Stoffe kombinieren. Ein kleiner Stoffrest reicht für die Passe. Für den Rock kannst du ein Herrenhemd, einen Damenrock, ein Damenkleid od. Ä. nehmen. In meinem Beispiel habe ich einen schönen, aber wirklich nur kleinen Stoffrest (https://sewtonew.blog/2019/03/10/traumhafte-stoffe-manchmal-muss-es-etwas-besonderes-sein/) verwendet und eine abgelegte Tunika von Katrin. Es fanden sich dann noch passend zwei Knöpfchen mit Erdbeermotiv. Im Handumdrehen war ein Empirchen für Leni fertig.

Köln Shirt mit Applikation Kölner Dom

Verbundenheit und Zugehörigkeit werden häufig durch Kleidung ausgedrückt. Man denke nur an die Fanartikel von Fußballvereinen. Meine  beiden großen Enkel besitzen schon einen FC-Köln-Schal und sind ganz stolz darauf.

Die Applikation Kölner Dom ist bei unseren Kölnern sehr beliebt, schon Babymützen haben eine solche Applikation.

Mein nächstes Upcyclingprojekt verarbeitete unter dem Motto: „Aus zwei mach eins!“, ein Schwangerschaftsshirt mit Streifen von Mama und ein Poloshirt von Hannas Mann.

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Schon farbstark fehlte dem Raglanshirt nach Fertigstellung eine Kleinigkeit, wie ich fand. So fiel die Wahl auf eine kleine Applikation, die vorne deutlich hervorsticht. Mit diesem kleinen, roten Farbakzent war ich dann zufrieden mit meinem Werk.

In der Vergangenheit habe ich oft schon solche Motive verwendet:

Upcycling Blockstreifen für Kinder?

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Kleid für kleine Kölnerin

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Hurra, Carlotta ist da! – Babydecke zur Geburt

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Und den Kölner Dom als Knistertuch haben wir auch schon häufig verschenkt:

 

 

Dein Ort oder deine Stadt lässt sich ebenso gut verarbeiten, wenn du die entsprechende Skyline oder Silhouette im Netz suchst oder ein passendes Bild verwendest, ausdruckst und für die Applikation die Außenlinien seitenverkehrt auf Vliesofix überträgst.

Für Koblenz wäre das eine schöne Vorlage: Quelle

Bildergebnis für abendhimmel koblenz

Viel Spaß mit dem Nähen für Fans der Stadt!

 

 

 

 

Stoffe und Motive für Jungen

Man mag darüber nachdenken, aber mein Fundus an Stoffresten von Anne war in einem Teil noch unberührt. Denn ich nähe am liebsten für Mädchen, und Stoffreste, die eher zu Jungs passen, blieben bisher liegen. Ich weiß nicht, ob es Erziehung ist, dass ich meine, Jungen ist es sowieso egal, was sie anhaben. Jedenfalls hat sich diese Meinung mit dem Heranwachsen meiner Söhne verstärkt. Vielleicht ist doch eine biologische Ursache beteiligt. Mit der Pubertät ändert sich das sicherlich, den „Halbstarken“ ist es nicht mehr egal, und im Erwachsenenalter hat jeder der beiden Söhne klamottentechnisch seinen ganz eigenen Stil entwickelt.

Ich bin nicht alleine mit solchen Zuschreibungen. Beratungen in Stoffgeschäften beginnen meist mit der Frage: Mädchen oder Junge?

So lag ein schöner Stoffrest mit dem sportlichen Schaf Shaun im Fundus. Er wäre mir für Leni oder Cilly nicht in den Sinn gekommen. Ebenso schien mir das Motiv Traktor für Mädchen ungeeignet.

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Nun traf es sich, dass mir von Opa Heinz zwei stofflich ausgezeichnete Poloshirts mitgegeben wurden. Farblich waren sie passend zu zwei Stoffrestchen aus der Jungenkiste. Ich habe sie mit der Raglanvariante Bethioua verarbeitet, die gerade für Stoffkombinationen gut geeignet ist. Ich hoffe, die neuen Shirts passen dem Enkel von Opa Heinz, dem Constantin.

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Wie zu erkennen ist, habe ich den unteren Saum der Poloshirts beibehalten. Dabei ist nur aufzupassen, dass für vorne und hinten zusammenpassend zugeschnitten wird. Es ist immer sinnvoll, die untere Ecke Armausschnitt als Orientierungspunkt zu nehmen.

Wenn man mit Was aus T-Shirts und Stoffrestchen entstehen kann – Lenis neue Kleider vergleicht, sieht man, wie die Zuordnungen für Mädchen und Jungen vorgenommen werden. Ein Shirt mit Bambi wäre mir für Jungen nicht unter die Nadel gekommen.

 

Katzenkostüme aus Stoffresten und T-Shirts

Leni und Lotta werden zu Karneval Miezen. Bisher dachte ich, Tierkostüme würde man als Overall mit Kapuze fertigen. Ein bisschen Recherche zeigte mir allerdings, dass es auch anders gehen kann und eben mädchenhafter.

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Was ich nur kaufen musste, waren zwei Meter Tüll. Der schwarze Stoff und der plüschige, weiße Stoff – beide Polyester – fanden sich noch in meinem Fundus in Annes Stoffrestekiste. Da ich sicherlich niemals Polyester zu Kleidchen oder sonstigen Bekleidungsstücken für meine Enkel verwenden werde – hier kommen mir nur Baumwolle, Baumwollmischungen oder Wolle unter die Nähmaschine -, darf es für einmaliges Tragen an Karneval eine Ausnahme geben. Ich habe einen einfachen Kleiderschnitt verwendet, diesen sehr kurz gehalten und in Höhe obere Hüfte den gekrausten Tüll angenäht. Das war ein ziemliches Gefummel angesichts der Tüllmassen. An dem Kleid habe ich eine Linie markiert und zunächst den längeren unteren Tüll angenäht, dann auf derselben Naht die obere Lage Tüll. Gekraust wurde der Tüll zuvor mit dem Rüffler bei stark krausender Einstellung, Rüffler, eine feine Sache. Der verwendete Tüll ist Gott sei Dank eine leichte Ware. Ich musste die Kanten nicht einfassen, er pikst nicht. Ich erinnere mich an nur ungern an Tüll. Petticoats in meiner Kindheit hinterließen blutige Beine und flogen deshalb schnell in die Ecke. Ich gehe davon aus, dass Leni eine schwarze Leggings zu dem Kostüm tragen wird, der leichte, aber dennoch ggf. unangenehme Tüll kommt also nicht an ihre Beine. Die Länge der unteren Tüllbahn kann ich noch einkürzen – einfach abschneiden -, dies aber erst nach Anprobe. Ein Haarreif mit Ohren und ein ansteckbarer Schwanz sind schon vorhanden.

Für die kleine Lotta, die noch im Kinderwagen sitzt, gibt es nun tatsächlich einen Overall. Das Kind wird am Karnevalszug schön eingepackt sein. Den Schnitt hatte ich schon einmal verwendet: Unsere Kleinste wird nicht frieren, deshalb ging es leicht.

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Das gesamte Kostüm ist ein Upcyclingprojekt: 4 schwarze Shirts sind verwendet worden. Das erste für die Beine, ein zweites für den Körper, Ärmel eines Longshirts samt Bündchen für die Ärmel, und die Kapuze entstand aus dem vierten T-Shirt. Da ich sonst Schwierigkeiten habe, Schwarzes für Kinderkleidung zu verwenden, hat das jetzt richtig geräumt im Fundus der geschenkten, abgelegten Kleidungsstücke.

Nun also Alaaf und Miau!

 

 

Westernrock aus Bettlaken – Westernlady zu Karneval

Karneval oder Fasching steht vor der Tür. Da überlegen die Kinder, und nicht nur die, was sie werden sollen. Clara hat sich in ein Westernlady-Outfit verguckt. Und da ich mich sowieso mit Röcken beschäftigte – Röcke für schmale Mädchen -, fiel es mir nicht schwer, hier behilflich zu sein.

Ein Bettlaken in puderrosa lag in meinem Fundus, mittig etwas dünn gelegen. Die Mitte habe ich also weggeschnitten und das Laken ausgebreitet. Ein Kreis mit der passenden Rocklänge für Clara war dann noch drin. Allerdings musste ich die Mitte so weit wegschneiden, dass der Umfang des mittigen Lochs größer als der Taillen- oder Hüftumfang von Clara war. Macht nichts: Zusätzliches Raffen kann den Rock auf das passende Maß bringen. Einen Bund etwas länger als der Hüftumfang habe ich dann an den nochmals gerafften Rock angenäht und zwei Tunnel für Gummiband vorgesehen. Bei der Fülle an Stoff und damit mit etwas Gewicht soll der Rock ja auch halten, also lieber zweimal Gummiband einziehen.

Damit der Countrylook entsteht, habe ich Rüschen unten angenäht. Nochmals ein Hoch auf den Rüffler – Rüffler, eine feine Sache – ohne ihn hätte es ja Stunden gedauert, die Rüschen zu fertigen. Mit dem Rüffler ging das im Nu. Die Rüsche ist vorne zweimal unterbrochen, um den Rock vorne an den Beinen hoch raffen zu können. Dazu habe ich hinterrücks ein Webband aufgenäht, eine doppelt gelegte Kordel eingezogen, diese oben festgenäht und nun den Stoff an der Kordel hochgezogen – etwas Frivolität für die Westernlady!

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Und da es so gut lief, habe ich gleich mit einem passenden Blüschen weitergemacht. Es entstand aus einem Herrenhemd. Ich habe dieses Hemd oben im Bogen gekürzt, der Kragen und die oberen Armkugeln fielen weg. Dann habe ich vorne und hinten mit einer Längsnaht soviel Stoff weggenommen, dass die Breite auf Clara passt. Den oberen Abschluss habe ich mit einem Spitzengummi gearbeitet. Der Ziergummi findet sich am Ärmelsaum wieder. Die Ärmel des Herrenhemds habe ich einfach passend abgeschnitten und vom unteren Saum weg innwendig ein raffendes Gummiband untergenäht. Noch säumen, fertig. Dieses Upcycling hat nicht einmal eine Stunde gekostet – ratzfatz ging das.

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Die Rückmeldung freut mich. Clara dreht sich und dreht sich und freut sich am weit schwingenden Rock.

 

 

Farben für Kinderkleidung

Beim Upcycling von Kleidung Erwachsener zu Kinderkleidung taucht regelmäßig ein Problem auf. Die Farben der abgelegten Sachen sind gedeckt und Uni dominiert. Hanna, von der ich zahlreiche Kleidungsstücke bekomme und deren Stücke immer noch top sind, ist dunkelhaarig. Entsprechend ist ihre Kleidung schwarz, braun in allen Varianten, gelb, beige, grün, weiß und dunkelblau.

Meine Enkelkinder sind alle blond. Als Farben bei Leni haben sich herauskristallisiert: grau, weiß, rosa bis pink in allen Schattierungen, manchmal rot, lila, weil das offenbar die Lieblingsfarbe der großen Cousine ist, und blau sowie mint.

Was soll ich da also mit brauner und schwarzer Kleidung anfangen?

Zur Farbe Schwarz habe ich schon ein paar Überlegungen angestellt:

Kribbel, Krabbel – Marienkäfer verlassen ihr Winterquartier
Miau – Miezenkleidchen
Vampirkostüm als Upcyclingprojekt
Kleid für kleine Kölnerin
Aufs Schwarze getroffen
Shirt mit Ampelmännchen und Ampelfräuchen

Nun habe ich über die Farbe Braun nachgedacht. Es fallen mir da gleich die Farben Gelb und Orange zum Kombinieren ein. Es gibt Applikationen, die dazu passen könnten, so z. B. ein Löwe oder eine Giraffe. Bei Pinterest habe ich entsprechende Applikationsvorlagen gesammelt. Noch einmal über die Idee geschlafen, war sie mir das dann aber doch zu kindlich und jungenhaft.

Ich wollte zurückhaltendere Kleidungsstücke nähen und habe mich für eine witzige und schöne Applikation entschieden, die man Leni aber erklären muss. Andererseits habe ich das Braun mit Farben kombiniert, die bei Leni schon auftauchen. Für mich überraschend passt ein zartes Rosa prima zu Braun, ebenso ein Blaugrün. Und so sehen die Ergebnisse aus:

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Omas Spitzendeckchen im Schrank? Nicht entsorgen!

In zahlreichen Haushalten werden sich noch Spitzendeckchen befinden, die nicht mehr gebraucht werden. Ich denke die Zeit, dass diese Deckchen Möbel zierten, ist vorüber. So sah ich einen Stapel solcher Deckchen in Lindlar bei „coming home“, und die Geschäftsinhaberin erzählte mir, dass die Leute diese Deckchen zum Verkauf geben. Sie wunderte sich darüber und gab zu verstehen, dass man daraus doch noch etwas machen kann.

Ja, das geht tatsächlich:

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Als Kragen für ein feines Kleidchen kann ein Spitzendeckchen noch gute Dienste leisten. Die Größe entscheidet darüber. ob es für Damen oder Mädchenkleidung verwendet werden kann. Und dieses kleine Deckchen stammt tatsächlich noch von meiner Oma, ist also nahezu 100 Jahre alt. Da es aus Baumwolle ist, habe ich es einer Kochwäsche unterzogen. Danach war es tiptop.

Wie habe ich das mit dem Kragen fertig gebracht?

Erst einmal habe ich die Schulternähte geschlossen, aber nur diese. Dann lässt sich der gesamte Halsausschnitt auf dem Tisch ausbreiten, Vorderteil des Kleidchen in die eine, Rückenteil in die gegenüberliegende Richtung. Das Deckchen habe ich dann auf dem Halsausschnitt positioniert und mit ein paar Stecknadeln fixiert. Nun lässt sich, da das durchbrochene Deckchen nicht die Sicht auf das Halsloch nimmt, das Deckchen mittig entlang der Halskante wegschneiden, im Rücken habe ich entsprechend der Knopfleiste des Kleidchens das Deckchen durchtrennt. Noch einmal gut festgesteckt habe ich den Spitzenkragen nun an den Halsausschnitt genäht. Dann machte ich die Erfahrung, dass die Stickwülste des Deckchens doch recht dick sind. Eine Nadel brach. Also Jeansnadel oder Ledernadel verwenden! Im Rücken habe ich das Material um die Knopfleistenkanten geschlagen und innen festgenäht. Da das Material bei diesem Deckchen so dick war, habe ich mich dagegen entschieden, an der Halskante etwas nach innen umschlagen zu wollen, beispielsweise um mit Belegen zu versäubern. Stattdessen habe ich die Kante mit Schrägstreifen gefasst. Auch hier war die Jeansnadel vonnöten. In der Mitte des Deckchens hatte ich eine Rosette weggeschnitten. Diese habe ich fein herausgeschnitten, halbiert und damit die Unterkante der halben Ärmel verziert.

Ich denke, dass der klein gepunktete Stoff gut zu dem Deckchen passt, wirkliches Vintage-Outfit. So ist etwas Feines und Kleines entstanden. Wenn ich noch einmal Fotos gemacht habe, geht das Kleidchen in Größe 98 zu Etsy.

Upcycling, diesmal gar nicht so leicht – zusammengesetztes Jeanskleidchen

Mit dem Upcycling des robusten Jeansstoffs von Hosen hatte ich mich schon einmal beschäftigt. Wenn der Schnitt ein Zusammensetzen von Anfang an vorsieht, schneidet man aus den Hosenbeinen Stücke heraus, die dann gleich die Schnitteile ergeben, vorausgesetzt die Hosenbeine sind breit genug. So war entstanden: Upcycling Jeans – Jeanskleidchen aus vier Hosenbeinen – Freebook Größe 86 – 126

Anders sieht es aus, wenn die Stoffstücke erst zusammengefügt werden, um dann ein passend großes Stoffstück zu ergeben, aus dem man ein ganzes Vorderteil oder ein ganzes Rückenteil gewinnt.

Insbesondere für die Upcycling-Mode der Erwachsenen geht das gar nicht anders. Ich habe viele solcher Werke betrachtet und dabei hat sich herausgebildet, dass ich sie dann als ansehnlich empfinde, wenn die Stofflagen schräg verwendet werden.

Quelle: us.shein.com, theupsew.wordpress.com

So war die Idee geboren. Aber der Weg war dann lang und verlangte Durchhaltevermögen. Ein irres Projekt!

Zuerst habe ich einmal die hellen Jeans aus dem Fundus zusammengesucht. Dann wurden die dicken Nähte und Unansehnliches weggeschnitten und ich hatte dann längere oder kürzere brauchbare Beinstreifen. Diese habe ich einer heißen Wäsche und dem Trockner ausgesetzt. Die Stücke waren dann schön griffig und wirklich sauber. Die Waschmaschine und der Trockner hatten allerdings dadurch Flusenalarm, ein gründliches Reinigen der Siebe war vonnöten.

In gebügeltem Zustand habe ich die Streifen auf dem Boden ausgebreitet und zueinander Passendes nach Farbe und Struktur sortiert. Auf dem Zuschneidetisch habe ich mir mit dem Schnitt markiert, wie groß das Stoffstück werden muss. Dann wurden Streifen nebeneinander platziert und so lange umsortiert, bis mir das Bild gefiel. Außerdem sollten im Rücken die Streifen von links und rechts aufeinander treffen. Mit Stecknadeln habe ich dann markiert, wie die Stücke aneinander zu nähen sind.

Und nun wird es weiter aufwendig: Für ein Kleid, das schön fallen soll trotz des dicken Stoffs, verbieten sich Overlocknähte. Ich habe also mit Geradstich genäht, auseinandergebügelt und dann sowohl links als auch rechts neben der Naht abgesteppt, um die Naht zu sichern und flach zu halten. Zickzacknähte zur Versäuberung erschienen mir auch als zu dick. Also sind alle Nähte dreifach genäht. Der Aufwand lohnt sich, nachträglich betrachtet. Für Coverlocknähte mit ausfransendem Stoff auf der Vorderseite (siehe linkes Bild), dafür fehlte mir noch der Mut.

Und dann möchte ich ein Plädoyer für offene Prozesse halten, die Gutes statt Standard hervorbringen. Ursprünglich dachte ich, das Kleid hinten mit Reißverschluss schließen und die Kanten einfach mit Schrägband einzufassen zu wollen, wie schon so oft realisiert. Als dann aber das Vorderteil vor mit lag, fand ich es ohne weitere Verzierung als zu öde und zu kalt. Mir stachen die schrägen Linien ins Auge. Warum also nicht das Kleid schräg schließen und mit asymmetrischen Kragen versehen?

Einen geblümter Stoff im Fundus, nur ein kleines Stück, den hatte ich schon länger in der Nase, ohne dass mir bis jetzt eine Verwendung eingefallen wäre.

Eine schräge Naht galt es also wieder aufzutrennen und eine Knopfleiste anzunähen. Den Kragenschnitt habe ich mir am Halsausschnitt entlang gebastelt und den asymmetrischen Bubikragen fast Freihand geschnitten. Was entstanden ist, finde ich chic.

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Wenn man Preise von Upcycling-Mode sieht, fragt man sich, wie das kommt, wo doch der Stoff umsonst ist. Nun kann ich verstehen, wie aufwendig der Prozess ist, insbesondere an der Stelle Stoffe sortieren. Jedes Kleidungsstück dieser Art ist ein Werk und ein Unikat. Aus neuem Stoff in einem Rutsch zu schneidern, ist hier tatsächlich einfacher.

Das Kleid ist in Größe 110-116 gefertigt. Leni wird noch hineinwachsen. Ich hoffe Leni und Katrin können sich meiner Meinung „chic“ anschließen.

 

 

Shirt mit Ampelmännchen und Ampelfräuchen

Mein lieber Enkel Curd hat einen nicht unproblematischen, allerdings kurzen Schulweg. Es geht Gott sei Dank an einer Seite der sehr befahrenen Straße entlang, einmal muss eine Nebenstraße überquert werden. Der Überweg ist mit Ampel geregelt. Im Kindergarten hat Curd schon einen sog. Fußgänger-Führerschein gemacht. Außerdem gehen mehrere Kinder im Trupp. Dennoch sind Opa und Oma manchmal in Sorge.

Mir fiel dazu etwas ein.

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Es lagen schon länger abgelegte Poloshirts in meinem Fundus. Warum sie abgelegt wurden, ist mir schleierhaft, denn es handelt sich um Markenshirts ohne jeden Makel. Die klaren Farben trugen mit dazu bei, dass mir die Idee kam.

Ausgangslage:

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Es handelt sich wiederum um ein vollständiges Upcyclingprojekt. Was habe ich erhalten und mir Arbeit erspart?

Ich habe so geschnitten, dass die obere Knopfleiste Wiederverwendung findet. Selbst den Polokragen habe ich verkürzt wieder angenäht. Dazu hatte ich schon einmal eine Beschreibung geliefert, Polohemd wird zum Polokleidchen. Beim Schneiden habe ich den Grundschnitt so angelegt, dass der untere Saum des Poloshirts übernommen werden konnte. Die Ärmel sind jeweils aus dem Rücken der farbigen Poloshirts entstanden. Hier habe ich unten ein sog. falsches Bündchen gearbeitet. Das war schon einfach und exakt gleichfarbiges Bündchenmaterial wäre wohl kaum zu finden.

Die Applikationsvorlage stelle ich euch per pdf-Datei zur Verfügung:

Ampelmann

Ampelfrau

Mein Mann meinte, das Shirt wäre für Curd etwas kindlich. Ich hoffe, dem ist nicht so, und meine, es könnte dazu beitragen, dass Curd an der Ampel immer gut aufpasst.

füllige Pullover günstig fürs Upcycling

Ein wirklich dicker, riesiger Baumwollpullover in beige-grau von Katrins Vater geriet in meinen Upcyclingfundus. Und weil Rudolph so gut ankommt und weil Strickwaren derzeit gerne angezogen werden und weil Clara ein so schmales Mädchen ist, habe ich ein Ballonkleid oder besser eine Ballontunika mit Rudolph daraus gezaubert. Den ballonförmigen Schnitt habe ich Freihand geschnitten, indem ich einen Raglangrundschnitt nach unten verlängerte. Ich denke, der Schnitt passt gut für ein schmales Mädchen. Die aufgesetzte Tasche mit Rudolph lag schon bereit – Applikationsvorlage Rudolph – das Rentier mit der roten Nase – und passte m. E. hier schön. Die runde Tasche habe ich entlang der Seitennaht nach innen geklappt und dann aufgenäht. Die Ärmelbündchen habe ich unverändert, nur schmäler geschnitten übernommen, ebenso die Bündchen am unteren Ende. Man soll ja  so viel als möglich übernehmen und Näharbeit sparen. Am Hals konnte ich mit dem vorhandenen Bündchen nicht arbeiten, weil es zu dick und mindestens doppelt gestrickt war. Statt dessen habe ich einen Stickstreifen, es war noch reichlich Material vorhanden, eingeschlagen und gedehnt angenäht.

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Und weil ich es so schön fand, werde ich ein Exemplar aus neuem Nickystoff bei Etsy einstellen. Den Stoff musste ich vorwaschen, 6% Schrumpfung durch das Waschen waren angegeben. So ist es ein Exemplar in Größe 116/122 geworden.

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