Schnitt und Kleid mit Herz

für meine Enkelin Lotta

Die Idee mit dem eingesetzten Herz kam mir schon im Winter beim Surfen zu Mädchenkleidern. Es hat ein wenig gedauert, bis die Idee in einem Schnittmuster und Kleidern mündete.

Meist sind solche Sommerhängerchen einfach gehalten, eben mit Bindebändern auf der Schulter. Das ist zugleich praktisch wie einfach und sommerlich luftig. Nur ein Höschen drunter und es geht ab zum Strand, zum Schwimmbad oder zum Eisessen. Und die Bindebänder sowie die Weite sorgen dafür, dass das Kleidchen auch noch im nächsten Jahr passt. Die Machart ist für Nähanfängerinnen geeignet und wie schnell ist ein solches Kleidchen genäht, auch im Upcyclingverfahren! Günstig ist ein Bändchenfasser: https://sewtonew.blog/2018/10/25/und-der-baendchenfasser-kann-noch-mehr/.

Manchmal sind sie aufwändiger gestaltet, indem Rüschen den Ausschnitten aufgenäht werden. Die Rüsche kann sich unten wiederholen. Jede Art von Taschen ist auch denkbar. Oder sie sind mit Applikationen oder Webbändern verziert.

Mir ist dann das eingenähte Herz eingefallen.

Das eingesetzte Herz ist doppelt genäht, also innen gefüttert. Damit verschwinden die Nähte des Einsetzens. Seitlich am Herz ist das Kleidchen ganz leicht gekraust, das betont das Herzchen. Ansonsten ist das Kleid einfach gehalten, kein weiterer Schnickschnack. Möglich ist der natürlich schon.

Das Schnittmuster dazu habe ich entworfen, digitalisiert und erprobt. Die mitgelieferte Anleitung ist ausgesprochen ausführlich gehalten und mit Fotos des Arbeitsprozesses unterlegt. Du findest es im shop: https://sewtonew.blog/product/schnittmuster-kleid-mit-herz-groesse-86-128/

Hier aber zunächst weitere Impressionen zu meinem Projekt:

Viel Freude beim Nachnähen und Deinen eigenen Gestaltungsideen! Und natürlich einen wunderschönen Sommer!

Schnittmuster abnehmen mit Innennähten

Ein gut sitzendes Kleidungsstück soll nachgenäht werden? Wie das gehen kann? Das zeige ich euch am Beispiel eines bequemen Gartenkleides.

Vorab: Wenn das vorhandene Kleidungsstück kompliziert geschnitten ist, wenn es z.B. viele Abnäher aufweist und eng anliegend sozusagen maßgeschneidert sitzt, dann wird es mit diesem einfachen Verfahren nicht gehen und ihr solltet doch zu einem gekauften Schnittmuster greifen. Wenn es aber um ein T-Shirt, ein schlauchförmig geschnittenes Kleid, eine Pyjamahose oder Leggings oder einen Pullover geht, dann ist das Verfahren erfolgversprechend.

In meinem Fall ging es um ein zwar zusammengesetztes, aber glatt geschnittenes Gartenkleid meiner Gartenfreundin Barbara mit dem Wunsch, die bequeme Weite für die Gartenarbeit zu kopieren.

soll kopiert werden

Das Kleid hat keinen Verschluss, sondern ist weit ausgeschnitten. Es hat eine obere Passe, an die sich bogenförmig der Rockteil anschließt.  Es war der Wunsch, die kurzen Ärmel etwas zu verlängern und die in der Seitennaht mit gefassten Taschen etwas zu vergrößern.

Zunächst einmal habe ich das Leinenkleid gebügelt, damit nicht durch Knautschen und Knittern das Abnehmen des Schnitts evtl. zu klein ausfallen würde. Das Kleid habe ich dann exakt mittig gefaltet, sodass die Falte dem späteren Stoffbruch entsprechen und der Schnitt symmetrisch gelingen kann.

Passenteil gefaltet

Es kommen nun übereinander, eine weiche Unterlage, Kopierpapier (bei  mir Reste alten Makulaturpapiers) und darauf das gefaltete Kleidungsstück, wobei nur der obere Teil zunächst interessant ist.

Die Außenlinien Mitte und Seite sowie Schulterlinie kann man mit Stift zeichnen.

außen zeichnen

Nun zu der Innennaht, die man nicht einfach einzeichnen kann. Es wird auch klar, wieso man eine weiche Unterlage braucht. Sie dient dazu, dass Stecknadelpunkte auf dem Papier sichtbar werden, weil durchgestochen wird. Für die gebogene Ansatznaht zum Rock wird nämlich mit Stecknadeln in kleinen Abständen durchgestochen, sodass auf dem Papier eine gepunktete Linie sichtbar wird. Ebenso wird mit der Ärmelnaht  und der niedriger sitzenden vorderen Ausschnittkante verfahren. Damit ist der Passenschnitt für vorne und hinten in einem entstanden. Er wird erst im Stoffbruch für den Rücken und nach Abschneiden zum tiefer liegenden Ausschnitt für vorne im Stoffbruch für das Frontstück verwendet.

an Punkten mit Stecknadeln durchstechen

Zu bedenken ist aber, dass der Schnitt für hinten eine etwas höhere Schulternaht bekommen sollte. Das kann man aber einfach später realisieren, indem die „Nahtzugabe“ an der Schulter für hinten ca. 1 cm breiter angelegt wird. Der eine Zentimeter der Zugabe ist dann später der etwas  höhere hintere Schulterbereich.

Um den Rockteil zu schneiden, habe ich wieder den Passenschnitt genommen. Seine untere gebogene Linie ist die gebogene obere Kante des Rockteils. Am Kleid habe ich dann die seitliche und mittlere Länge sowie die Saumweite (geviertelt) abgemessen und habe damit die unteren Endpunkte, die ich auf dem  gefalteten Stoff gleich abtragen kann. Der äußere Endpunkt der Passe und der untere äußere Punkt des Rocks werden in einer etwas gebogenen Rocklinie verbunden bzw. gleich geschnitten.

Mit dem Ärmel ist das nun so eine Sache. Bei einem breiten T-Shirt z.B. steht der Ärmel seitlich quer ab. Dann ist es möglich, die obere Linie im gefalteten Zustand als Stoffbruch zu nehmen und wie oben beschrieben auch mit dem Ärmel zu verfahren. Ist jedoch eine schöne Armkugel ausgebildet, lässt sich das ohne Zerschneiden des Kleidungsstück schwerlich abnehmen. Einige youtube-Videos zu diesem Thema habe ich mir an dieser Stelle angesehen und habe so meine Zweifel, ob das gut gehen kann. Es ist wohl nötig mit Abmessen und Konstruieren zu verfahren. Dazu gibt es eine detaillierte Anleitung im Netz: https://www.braandbee.com/aermel-schnittmuster-selber-machen/, mit der ich weitergearbeitet habe. Sie ermöglicht auch jede Ärmellänge.

So wurde das Kleid fertig und bekam auch große Taschen mit Längsfalte. Oben ist das Kleid eingefasst. Der Stoff wiederholt sich als Abschluss der Ärmel.

Und wie erwartet: Es passt und macht große Freude!

Gartenkleid für Barbara
große Freude, aus Datenschutzgründen nicht zu sehen

Da ich mir die Mühe gemacht habe, insbesondere mit den Ärmeln, werde ich das Schnittmuster in XL noch digitalisieren und bald zur Verfügung stellen.

Das Kleid ist ein Dank für Stoffe, die ich aus dem aufgelösten Haushalt von Barbaras Mutter erhielt. Die Dame ist nun mit 91 ins Altersheim gezogen. Sie hatte wie ich viel genäht und ihren Garten geliebt. Nun fühlt sie sich am neuen Ort aber wohl und genießt es, versorgt zu werden. Das macht irgendwie Hoffnung.

Einen der Stoffe hatte ich schon verarbeitet, Lenis erstes Drehkleid mit Tellerrock war daraus entstanden.

Lenis Drehkleid, Schnittmuster im shop

Shopper aus einem Stück

raffinierter Schnitt

Über einen Pin bei Pinterest bin ich auf einen Zuschnitt für eine Tasche gestoßen, den ich ausgesprochen raffiniert finde, weil die Tasche aus einem Stück heraus gefertigt wird.

Wenn sie aus Filz, Softshell, Leder oder Kunstleder hergestellt wird, kann man die Tasche mit einer einfachen Naht nach Zusammenklappen der Enden hinbekommen. Stoff als Grundlage verlangt dagegen eine Einfassung, die man rundherum anbringt. So können auch zwei Lagen, nämlich Außenstoff und Futter zusammen gefasst werden.

Ich überlegte, ob es auch ohne Einfassung gehen könnte. An einer Version ohne Einfassung habe ich dann herum gebastelt und kann nun vorstellen, wie hier vorzugehen ist.

mein Schnittmuster auf DINA4 Blättern

Zunächst einmal habe ich von der obigen Schemazeichnung ausgehend, einen Schnitt zum Ausdrucken kreiert. Er lässt sich nach Ausdruck der Einzelseiten zusammensetzen und ausschneiden.

Man benötigt dann ein Stoffstück mit den Maßen 40 cm x 140 cm, für ein Futter noch einmal dasselbe. Am besten, man legt beide Stoffe aufeinander und schneidet dann gemeinsam zu. Dabei wird der Schnitt einmal an der schmalen Kante des langen Stoffstücks angelegt, mit Kreide wird nachgezeichnet. Danach wird der Schnitt zu anderen Hälfte gekippt und seitenverkehrt gedreht. Wieder kommt die Kreide zum Einsatz. Dann wird zugeschnitten, die Nahtzugabe ist im Schnitt schon enthalten.

innen und außen gemeinsam zuschneiden

Will man eine zusätzliche Tasche außen haben, wird diese auf eine Außenseite aufgenäht.

optional Außentasche

Jetzt wird es nicht mit dem Nähen, aber mit dem Wenden ein wenig kniffelig. Aber es gibt Lösungen für die Enge des Schultergurts! Es bleibt jedenfalls bei dem riesigen Vorteil, dass der Schultergurt aus der Tasche herausgeht und selbst nicht zusammengenäht wird – eine echt stabile Lösung!

Zunächst einmal werden Außen- und Innenstoff rechts auf rechts zusammengelegt und gesteckt. Dann wird knappkantig zusammen genäht. Aber: Es ist eine Wendeöffnung unten an der Tasche, an der Hälfte, die die Tasche trägt, vorzusehen. Und außerdem ganz wichtig, es gibt auch eine Öffnung an einer Seite des Schulterbereichs, denn das ganze Nähgut muss durch diesen schmalen Bereich gewendet werden. Nach dem Nähen müssen Nahtüberstände an kritischen Stellen gestutzt werden, so an Ecken und an Rundungen. Ich empfehle die Zackenschere für die Rundungen. Dann geht es ans Wenden. Die Fotos sind dabei sicher hilfreich.

Nahtunterbrechung im Schulterbereich
Wenden über den Schulterbereich
zigarrenartiges Zusammenrollen vor dem Wenden

Das Wenden gelingt nur, weil es eine Nahtaussparung am Schultergurt gibt und weil der durchzuziehende Taschenbereich schmal aufgerollt wird, um durch den Schulterbereich zu passen.

vor dem Absteppen

Wenn das geschafft ist, müssen die Außenkanten von innen gut auseinander gedrückt werden. Ich nehme dazu ein langes Lineal oder eine Stricknadel. Stück für Stück geht es dabei weiter und es wird jeweils eine Stecknadel gesetzt. Die Bereiche an der Schulter und am Boden, die noch nicht genäht sind, werden dabei mit eingeschlagen gesteckt. Beim anschließenden Absteppen werden die Bereiche in einem mit geschlossen.

Jetzt ist das Ganze noch ein langes, doppeltes, sauberes Gebilde. Die Tasche entsteht, indem man nun passend zusammen faltet und entlang der Steppnaht im Taschenbereich noch einmal näht, allerdings nicht mit großzügigen Steppstichen, sondern mit kleiner Stichlänge, damit die Tasche auch Gewicht aushalten kann.

Zusammenfügen der Taschenhälften

Voilà, dann ist sie fertig.

Mit dieser Stoffwahl – übrigens ein nicht mehr benötigter Vorhang und ein gefärbtes Leinentuch aus dem Wäscheschrank meiner verstorbenen Mutter – gehe ich wohl im Rosenmonat Juni einkaufen.

in Funktion

Den Schnitt stelle ich im shop kostenfrei zur Verfügung.

Bei der Gelegenheit: Es gibt ein Angebot zu einer Boho-Tasche und zu einem Schnittmuster für eine Kinderwagentasche in meinem shop:

Mit Softshell nähen

Softshell ist ein sehr praktischer Stoff. Er ist geeignet für Sport- und Outdoorkleidung wie Regenmäntel oder Regenjacken und Matschhosen, denn er ist Regen abweisend, robust und winddicht, dabei leicht zu reinigen und je nach Innenseite auch noch warm bis kuschelig. Auch Taschen, Turnbeutel oder Outdoordecken lassen sich damit herstellen. Er besteht aus zwei miteinander fest verbundenen Lagen, außen eben das abwaschbare, abweisende Material, innen das angenehm weiche, wärmende Fleece.

Beim Nähen mit Softshell gibt es Vor- und Nachteile, wobei ich denke, dass die Vorteile überwiegen, sofern man beim Nähen ein paar Dinge beachtet.

Der große Vorteil ist, dass das Material nicht franst. Schnittkanten sind also gleich sauber. Ein Versäubern oder Füttern entfällt. Das Innenleben des Genähten ist immer ansprechend ohne besondere Maßnahmen. Selbst Außenkanten könnten so bleiben, wie sie geschnitten wurden. Eine Einfassung macht das Projekt aber doch hübscher und die Einfassung kann als Designelement genutzt werden und ein Highlight setzen.

Wer einen Bändchenfasser hat, ist dabei klar im Vorteil. Mit fertigem Schrägband kommt man aber auch zu schönen Ergebnissen. Zum Einfassen habe ich schon Tipps gegeben: https://sewtonew.blog/2018/10/25/und-der-baendchenfasser-kann-noch-mehr/ https://sewtonew.blog/2018/10/18/baendchenfasser-enorme-erleichterung/ https://sewtonew.blog/2022/02/21/naehtipp-einfassung-zur-runde-schliessen/

Wird ein Reißverschluss eingenäht, ist der natürlich dann innen nicht verdeckt. Wem das nicht gefällt, kann innen ein schönes Webband mitlaufen lassen. Das lässt sich ebenso als Designelement verstehen.

Nun zu dem, was beim Nähen beachtet werden sollte:

  • Softshell wird mit der normalen Nähmaschine verarbeitet. Oberlocknähte würden das Nähgut sperrig machen und die Nähte würden innen abstehen. Besser ist, die gesetzte Naht beidseitig noch einmal abzusteppen. Dann liegen die Nähte schön flach und auch von außen sieht das hübsch aus. Mit andersfarbigem Nähgarn lässt sich hier designmäßig spielen.
  • Die Nadeln sollten gut durch das Material gehen. Sie sollten also spitz sein. Jerseynadeln sind deshalb ungeeignet. Mit Universalnadeln in Stärke 80 – 100 kommt man gut zurecht.
  • Ja und das mit den Nadeln ist so eine Sache: Sie hinterlassen im Obermaterial Löchlein. Das bedeutet, dass man gleich richtig nähen sollte. Auftrennen geht also nicht, dann ist das Material verletzt. Ein Softshellprojekt verlangt also im Vorfeld nach guter Planung und nach Ruhe bei der Arbeit.
  • Man kann also auch nicht steckend heften, das macht Löcher. Zum Heften können Plastikklammern verwendet werden, wie man sie auch angesichts des Schneidemessers der Overlock nimmt. Stylefix oder nicht permanenter Sprühkleber sind andere Möglichkeiten, vor dem Nähen die zu verbindenden Teile zu fixieren.

Ich wünsche mit diesen Tipps viel Erfolg bei deinem Softshell-Projekt!!!

Nähtipp – Einfassung zur Runde schließen

Einfassungen an Hals- und Armabschlüssen, an Jacken-, Mantel- und Kapuzenrändern sind durchaus praktisch, denn sie ersparen Belege oder Futter und können als kontrastierende Designkomponenten genutzt werden.

Bei mehrlagigen Nähprojekten wie Topflappen, Stiftemäppchen, Babydecken, Steppjacken oder Windeltaschen runden sie die Sache ab, ohne dass linke Stofflagen gewendet werden müssen.

Verfügt man über einen Bändchenfasser wird es noch einfacher, weil Nähgut und Einfassung in einem, sozusagen automatisch, sauber aneinander gefügt werden. Das Herrichten von Schrägband durch Bügeln entfällt zudem.

Es gibt aber eine Schwierigkeit, die häufig verschwiegen wird.

Sie tritt nicht auf, wenn die Einfassung dort endet, wo später eine Naht gesetzt wird. Dann ist nur entscheidend, welche Nähschritte in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. So verschwinden bei meinem Projekt Babyoverall (https://sewtonew.blog/product/schnittmuster-babyoverall-in-groesse-62-74-zum-binden/) die Enden der Einfassungen mit in der Seitennaht der Ärmel, mit in der Innenbeinnaht und mit in der Schrittnaht. Beim Regenmantel Charlotte aus Softshell (https://sewtonew.blog/product/mantel-charlotte-schnittmuster-fuer-groesse-104-bis-128-134-fuenf-groessen-schnitt/) werden die Seitennähte aus diesem Grund erst nach dem Einfassen der Außenkanten genäht. In den Anleitungen habe ich das explizit beschrieben.

Was ist aber bei Nähprojekten, wo die Einfassung rundum gehen soll? Dann geht es leider nicht durchgehend mit dem Bändchenfasser, wenn es wirklich sauber sein soll.

Wie geht man dann vor? Wie kann das gehen?

Zunächst wird das Band in den Bändchenfasser geführt und zur Probe näht man ein Stückchen und kontrolliert, ob das Band mit den Nähstichen gut gefasst wird. Evtl. wird man die Position der Nadel verändern.

Band einführen
zur Kontrolle Stückchen nähen, dann herausziehen
Nähgut hineinschieben

Dann schiebt man das Bändchen ein Stück weiter, ohne zu Nähen. Nun wird das Füßchen gehoben und das einzufassende Stoffstück wird in den Bändchenspalt eingeschoben. Nach Senken des Nähfüßchens geht es los, indem man beim Nähen den Stoff immer schön gegen den Spalt des Bändchenfassers schiebt, damit der Stoff sauber und sicher eingefasst wird.

Gerät man dann in der Runde mehrere Zentimeter vor den Anfang des Einfassens, ist der Bändchenfasser nun am Ende seiner Arbeit. Das Nähgut wird herausgezogen, wobei ein letztes Stückchen Band durchaus noch von Bändchenfasser gefalzt wird, ehe man abschneidet.

nach der Arbeit des Bändchenfassers

Ein Stückchen Naht ist evtl. aufzutrennen, da wo der Bändchenfasser den Stoff noch nicht ganz gepackt hatte. Nun wird das eine noch lose Ende ein Stückchen um das Nähgut gelegt und markiert, wo es sich mit dem gegenüberliegenden Stückchen treffen soll, Markierung mittig am Bändchen und parallel am Nähgut.

Markierung rechte lose Seite
Markierung linke lose Seite

Dann klappt man das markierte Stück weg und legt das andere lose Stückchen an, wie es sitzen wird. Parallel zur Markierung am Nähgut wird nun auch das Bändchen mittig markiert.

Beide Bändchenenden bekommen nun eine Markierung in 45° schräg zum Bändchenverlauf und zwar 0,3 mm (Nahtzugabe) weg von der mittigen Markierung. Das sind dann die Enden der Nahtzugabe. Entlang dieser Linie wird abgeschnitten. Genäht wird rechts auf rechts, vorne und hinten beachten, und die Naht wird auseinander gedrückt. Herausstehende dreieckige Stückchen sind abzuschneiden, um die Bändchenunterkante gerade zu haben.

Nahtlinie markieren
an beiden Seiten

Dann wird die Falz beidseitig sauber umgeschlagen und das Bändchen an das Nähgut gesteckt. Bitte innen und außen gut kontrollieren, ab alles gut sitzt. Dann wird die Naht, die das Bändchen festhält, in dem vorherig schon geführten Abstand von den Kanten geschlossen, wobei die schon existierende Naht vorne und hinten etwas übernäht wird. Fertig!

rundum eingefasst, schräge Verbindungsnaht kaum zu sehen

Mit dem Bändchenfasser hatte ich mich schon einmal befasst, vielleicht ist das für dich auch interessant: https://sewtonew.blog/2018/10/25/und-der-baendchenfasser-kann-noch-mehr/ https://sewtonew.blog/2018/10/18/baendchenfasser-enorme-erleichterung/ https://sewtonew.blog/2020/03/24/einfacher-mundschutz-aus-herrenoberhemd/

Ich hoffe, dem ein oder anderen Nähprojekt geholfen zu haben!

Utensilo für Spielsachen, mit Hasen

Wirklich viele Spielsachen im Kinderzimmer und die Überlegung, was wir zu Ostern schenken, haben mich zu diesem Nähprojekt geführt. Der Außenstoff wurde schon für einen Vorhang im Kinderzimmer verwendet, insofern passen die Stoffkörbe in das Zimmer. Und das Wichtigste: Der wunderschöne Stoff mit Hasen (Guess how much I love you) ist wie gemacht für Ostern.

Die Behälter sind 35 cm hoch und mit einem Umfang von 74 cm fassen sie also so Einiges, Bastelmaterialien oder Legos können hierin gesammelt werden.

große Utensilos für Spielsachen

Zu Ostern werden sie passend zu den Vorlieben der Enkel gefüllt – und natürlich auch mit einem Schokohasen.

Wem Ähnliches vorschwebt, dem gebe ich eine ausführliche Nähanleitung. Weitere Ideen zu Ostern findest du beispielsweise unter:

benötigte Materialien

Material:

  • Außenstoff 75 x 35 cm
  • Innenstoff 75 x 35 cm
  • festigendes, starkes Vlies zum Aufbügeln 74 x 34 cm oder Volumenvlies
  • 2 runde, feste Stoffstücke für den Boden, Durchmesser 23,6 cm, bei leichtem Stoff entsprechend noch einmal festigendes Vlies oder Volumenvlies
  • 2 Henkel, Leder oder Stoff
erster Nähschritt

Der Außenstoff wird mit festigendem Vlies verstärkt – durch Aufbügeln – oder aber Volumenvlies wird oben und unten am Außenstoff festgenäht. Jetzt werden Außen- und Innenstoff zur Runde geschlossen, dabei wird am Innenstoff eine Wendeöffnung frei gelassen.

Markierungen

Außen- und Innenstoff werden nun in gleicher Weise bearbeitet: Die untere Kante des Stoffs wird geviertelt markiert. Ebenso wird der runde Stoff für den Boden geviertelt markiert.

gründlich stecken
Nahtzugabe zurückschneiden

Der Bodenstoff wird nun an die Runde geheftet und festgenäht. Die Nahtzugaben werden am Boden zurückgeschnitten. Wenn mit der Zackenschere gearbeitet wird, sorgt man dafür, dass sich später nichts knubbelt. Das erreicht man alternativ durch kleine Einschnitte ringsherum bis zur Naht.

Innen- und Außenstoff verbinden

Innen- und Außenstoff werden nun an der oberen Kante rechts auf rechts festgesteckt und genäht. Wenn der Beutel mit Stoffhenkeln versehen werden soll, werden die Henkel in diesem Arbeitsschritt sich gegenüber liegend zwischen die Lagen geschoben und in einem mit festgenäht.

nach dem Wenden

Über die Wendeöffnung am Innenstoff wird das Nähgut nun gewendet. Dann wird der Innenbeutel nach innen geschoben. Die obere Kante wird nun gut auseinander gedrückt und die Kante wird sauber gesteppt. Im Inneren wird die Wendeöffnung mit Matratzenstich von Hand geschlossen.

Da ich mich für Lederhenkel (Stücke eines alten Gürtels) entschieden habe und die dicken Henkel nicht mit der normalen Nähmaschine angenäht werden können, selbst wenn man die Ledernadel verwendet, musste ich mir etwas ausdenken. Ich habe die Henkel an beiden Seiten mit der Lochzange vorgestanzt und so mit zwei Löchern versehen. Mit extra starkem Zwirn habe ich die Henkel dann per Hand an den Beutel genäht.

Lederhenkel

Hinweis:

Beide Stoffarten bzw. ein Nähpaket für das Utensilo biete ich im shop an: https://sewtonew.blog/product/stoffpaket-fuer-ein-utensilo-mit-hasen/ https://sewtonew.blog/product/motivstoff-mit-hasen-guess-how-much-i-love-you/ https://sewtonew.blog/product/baumwollflanell-grau-gepunktet/

Drehkleid – Schnitt selbst konstruieren

Leni wünscht sich ein Drehkleid. Ich vermute, die Mädels in der Schule tauschen sich über solche Kleider aus, sie sind ja auch zu schön.

Vorab: Es ist bei den Überlegungen ein Kleid entstanden.

ein weiter Rock

So habe ich mich umgesehen und auf Pinterest Schönes zusammengestellt. Quelle: https://www.pinterest.de/sewtonew/drehkleid/

Dabei ergibt sich Folgendes:

Die Drehkleider können einen Tellerrock haben, dazu siehe weiter unten, oder aber die Weite wird durch Zusammensetzen von an Dreiecke erinnernde Bahnen erreicht.

Die Bahnenvariante hat den Vorteil, dass Stoffe kombiniert werden können, selbst eine einzelne Bahn kann aus Stoffresten zusammengesetzt werden. Insgesamt ist diese Variante auch nicht so stoffintensiv, der Verschnitt fällt geringer aus.

Für den Ansatz des Rocks gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder setzt der Rockteil in Brusthöhe an oder aber in Taillenhöhe. Der Brustumfang bzw. der Taillenumfang ist dann für die weiteren Überlegungen maßgebend. Man kann also ausgehen von einem ganz sicherlich vorhandenen Schnitt für ein T-Shirt oder Kleid mit oberer Passe und den bis Brust oder Taille verwenden.

Entscheidet man sich statt für einen elastischen Stoff für Webware, ist mit einer Schließung (Knopfleiste oder Reißverschluss) zu arbeiten, die ggf. bis in den Rock hineinragt, wenn eng anliegend gearbeitet wird, daneben mit Belegen, Einfassungen oder aber mit Futter. Im Schnittmuster Elodie werden Raffung und Gummizug vorgeschlagen, um das Kleid überziehen zu können.

Elodie, Quelle Pinterest s.o.

Dann sollte man sich für die Anzahl der Bahnen entscheiden. In jedem Fall muss die Zahl durch zwei teilbar sein, damit das Kleid durchgehende Seitennähte hat. Ich habe auf der Abbildung 8 Bahnen angenommen. Eine Bahn hat oben dann das Maß 1/8 des Brustumfangs bzw. des Taillenumfangs. Von da aus geht es leicht schräg oder gerade nach unten, bis die außerordentliche Weite des Drehkleids über der Hüfte beginnt. Wie breit man hier schneidet, hängt sicherlich von der zur Verfügung stehenden Stofffülle ab und davon, wie weit es werden soll. Will man in etwa (der Kreis Brust/Taille wird dabei vernachlässigt) an einen Tellerrock herankommen, ist die Kreisformel U=2*pi*r hilfreich. Beispiel: Bei einer Rocklänge von 50 cm ergäbe sich ein Umfang von 314 cm, d.h. ein Teilstück von den 8 verwendeten müsste unten eine Breite von ca. 40 cm haben. Bei einem Halbtellerrock wären hier 20 cm anzusetzen. 

Dann noch etwas zur Stoffart. Wird ganz in Jersey gearbeitet, wird einfach mit der Overlock zusammengenäht. Will man jedoch Webware für den Rockteil und Jersey für den oberen Bereich des Kleids nehmen, sollte mittig elastisch zusammengesetzt werden. Wie das geht? Dazu habe ich schon eine Anleitung gegeben.

Anleitung

Die Stoffbahnen sollten also oben eine Zugabe von 1/2 bis 1 cm erhalten, damit sie mittels aufgenähten Gummifaden etwas gerafft und elastisch sind. Das Kleid kann dann trotz Webware und fehlender Schließung einfach übergezogen werden. In folgenden Projekten habe ich schon damit gearbeitet: https://sewtonew.blog/2021/05/07/easy-peasy-kleidchen-aus-bettwaesche/ und https://sewtonew.blog/2022/01/17/drei-enkeltoechter-erster-blick-in-den-sommer/

Lenis neues Kleid hat diese Kombination aus Jersey und Webware. Die Webware ist Upcyclingstoff, ein Kinderbettbezug wurde wieder einmal verwendet.

Kleid mit weitem Bahnenrock

Die Tellerrockvariante geht auch von Brust- oder Taillenumfang aus. Dieser Umfang muss dem Umfang des kreisförmigen Lochs des Tellerrocks entsprechen bzw. dem Innenmaß des Halbkreises beim Halbtellerrock. Die Überlegungen habe ich schon einmal angestellt und sie sind hier zu übertragen.

Leni wird das Übungskleid anprobieren. Ich denke, ein weiteres Stück ganz aus Jersey wird noch etwas an Weite zulegen. Beim Übungsstück war ich durch den Rapport des Stoffes begrenzt. Ich denke auch, dass ich das nächste Kleid bis zur Taille noch schmaler schneide. Demnächst also weitere Fotos zu diesem Projekt Drehkleid! Und ich vergaß: Lotta wünscht sich auch eins. Kleinere Kleidchen wird es so auch geben. Die Grundüberlegungen stehen ja nun und so wird das Nähen leicht von der Hand gehen.

Upcycling Hosen zu bequemen Kinderhosen

Leni benötigt neue Hosen, das Kind wächst so schnell. Zahlreiche Suchen in Bekleidungshäusern führten leider nicht zu einem befriedigendem Ergebnis und Katrin ist frustriert angesichts vieler vergeblicher Anproben. Leni ist schmal und hat lange Beine und sie liebt es bequem, das ist das Wichtigste. Die meisten Hosen, die übergezogen wurden, rutschten oder aber sie zwickten an irgendeiner Stelle.

Dann versuchen wir es mal mit Nähen, Erwachsenenhosen liegen reichlich im Fundus! Mein Vorteil: Ich habe mich dabei gründlich mit dem Thema Hosenupcycling beschäftigt und kann meine Erfahrungen weitergeben.

Wenn es um Bequemlichkeit geht, sind vorhandene Hosen danach auszuwählen, wie elastisch sie sind. Elastische Exemplare sind absolut vorzuziehen.

Das Upcycling beginnt dann damit, die Hose wohl überlegt aufzuschneiden.

Innenbeinnaht aufschneiden

Zunächst werden die Innenbeinnähte eng anliegend an der vorhandenen Naht aufgeschnitten. Dann führt man den Schnitt am Reißverschluss und an der Gesäßnaht weiter.

mittlere Nähte aufschneiden

So erhält man zwei Teile dieser Art. Ganz nebenbei: Reißverschlußstücke hebe ich auf. Es findet sich bestimmt später eine Verwendung.

Hälfte der Hose

Jetzt gilt es zu entscheiden, ob die Seitennaht belassen werden kann. Ist sie gerade, wie bei Herrenhosen oder gerade geschnittenen Damenhosen, kann sie für gerade geschnittene Kinderhosen bleiben. Ist sie allerdings geschwungen wie bei vielen Damenhosen, muss sie auch aufgeschnitten werden und die vier entstehenden Teile sind separat für die Kinderhose zu verwenden.

Dann geht es um die Kindergröße. Für kleine Größen ist es ganz einfach. Die Schnitteile passen in jedem Fall auf die Stoffstücke. Für Schulkinder sieht es aber anders aus. Man kommt leicht in den Bereich der Gesäßtaschen und vorderen Taschen. Hinter den Gesäßtaschen sieht der Stoff dann meist anders aus, nicht ausgebleicht, sodass auch ein Abtrennen der Taschen nicht hilft.

Hosenupcycling für verschiedene Größen

Es gibt aber einen der Bequemlichkeit dienenden Ausweg. Der Schnitt kann oben um 6 – 10 cm verkürzt werden. Dieses Stück ersetzt man durch Bündchenstoff. Wenn der Ausgangsstoff elastisch ist, kann dann ganz auf einen Reißverschluss verzichtet werden. Auch das ist bequem – für das Kind, ebenso für die Näherin. Selbst Nähanfängerinnen tun sich dabei leicht.

Wie kommt man zu diesem Ergebnis?

Markierung Bündchenstoff
Gummitunnel vorsehen

Ich habe das Bündchen doppelt vorgesehen, also doppelt hoch zurecht geschnitten. Entsprechend dem Taillenumfang des Kindes wird das Bündchen etwas schmaler zugeschnitten, aber weniger schmal als man es für Ärmel- oder Halsbündchen planen würde. Bei einem Taillenumfang von 64 cm habe ich 59 cm Bündchenstoff zugeschnitten. Den letzten Halt bringt dann ein breiter Gummizug im Gummitunnel.

Gummitunnel statt eingenähter Gummibänder haben große Vorteile. Wenn Wäschen dem Gummiband die Elastizität nehmen, lässt sich ein Gummi band schnell austauschen, ebenso, wenn sich der Taillenumfang verändert. Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit!

Für den Tunnel wird beim Schließen der Bündchenware zum Ring mit Normalstich eine Stelle unterhalb der Mitte freigelassen. Die Bündchennaht habe ich mit dem Wabenstich “geplättet”. Eine Overlocknaht an dieser Stelle ist zu dick auftragend, so denke ich.

Gummitunnel abschließen

Im Bündchenring wird der Tunnel unten mit einer unbedingt elastischen Naht abgeschlossen. Dies kann eine Covernaht oder aber die Naht mit der Zwillingsnadel sein.

Ehe nun zusammengenäht wird, ist jetzt der Arbeitsschritt gekommen, an dem man Verzierungen, Taschen, Applikationen unterbringen kann. Sind die Hosenbeine erst einmal geschlossen, ist das kaum mehr möglich.

Zusammengenäht wird dann in der Reihenfolge:

  • Gesäßnaht und vordere Mittelnaht
  • innere Beinnähte
  • Bündchen annähen
  • evtl. unterer Saum der Beine
  • Gummi einziehen und zum Ring schließen

Wenn man von unten her zuschneidet, kann man sich das Säumen sparen und den vorhandenen Saum übernehmen, sofern er noch ok ist.

unteren Saum beibehalten
Lenis neue Hosen

So hoffe ich, dass Leni die Hosen mag und sie bequem findet. Ich habe was gelernt und den Fundus abgelegter Kleidung verkleinert.

An dieser Stelle verweise ich auf mein Konzept Mädchenkleid aus vier Hosenbeinen:

Ebenso auf meine Überlegungen zu Herrenhemden und was man daraus machen kann: https://sewtonew.blog/2019/03/06/upcycling-herrenhemd-was-alles-geht/

Jerseyschnitte für Webware verwenden – Geht das?

Es geht, aber zunächst:

Dehnbare Stoffe sind sehr beliebt, in der Mode, ebenso bei Näherinnen, denn einerseits sind die Kleidungsstücke bequem, andererseits ergibt sich keine Maßschneiderei und Kompliziertes beim Nähen. Wie schnell ist beispielsweise ein Halsausschnitt mit Bündchenstoff gefertigt!

Dennoch verliebt man sich zuweilen in besonders schöne Stoffe, die aber nicht dehnbar sind. Was ist dann zu tun? Sind die Schnitte, die für elastische Materialien konzipiert sind, dann zu verwenden. Ja, aber! Mit ein paar Veränderungen gelingt die Anpassung.

Bei diesem Kleidchen wurde ein Schnitt für elastischen Stoff – mindestens 20 % Elastizität – verwendet. Um bequeme Weite zu schaffen, habe ich den Schnitt, statt ihn an den Stoffbruch für vorne und hinten anzulegen, vom Stoffbruch 4 cm weggerückt und damit Falten vorne und hinten vorgesehen. Vorne oben habe ich die Falte ein klein wenig zugenäht, dann springt sie auf, um insbesondere in der Höhe der Achseln Bewegungsfreiheit zu geben. Statt ein Bündchen anzunähen, habe ich den Halsausschnitt eingefasst. Natürlich muss es oben einen Verschluss geben, denn es dehnt sich ja nichts, derweil das Kleidchen übergezogen wird. Dieser befindet sich hinten und ist in Verlängerung der Falte angelegt.

Dazu habe ich schon einmal eine Anleitung gegeben, die es wirklich einfach macht.

Das Kleidchen ist für Lotta. Katrin hatte sich diesen Stoff und diese Art noch einmal gewünscht. Ich habe den dunklen, robusten Pünktchenstoff mit einem Upcyclingstoff, ehemals Mutters Shirt, kombiniert. Farbliche Akzente habe ich mit rotem Bauschgarn und Zierstich gesetzt.

Armstulpen mit alternativem Daumenloch

Es gab eine Anregung, die mich dazu veranlasste mich ausführlich und rundum mit dem Thema Pulswärmer zu befassen. Im Bernina-Blog wurden Walkstulpen – schön verziert, aber leider nicht mit Daumenloch versehen – abgebildet. Die Covernähte hatten es mir zudem angetan.

Walkstulpen, Quelle: Bernina-Blog

Und dann ist etwas Neuartiges entstanden:

mit Daumenloch
Bewegungsfreiheit mit Daumenbereich

Nun aber zu den Überlegungen und Details bis hin zum Schnittmuster:

Armstulpen oder Pulswärmer sind überaus praktisch zur Winterszeit. Im Unterschied zu Handschuhen bleibt die Hand warm, ohne dass das Fingerspitzengefühl verloren geht. Kleingeld am Marktstand zusammensuchen, dem Kind die Schnürsenkel binden oder die Mütze, Maske anziehen oder am Handy tippen, Essen und Trinken vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt, das geht alles, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Handy nutzen mit warmen Händen
Bewegungsfreiheit
Essen und Trinken

Als chices, modisches, vielleicht auch extravagantes  Accessoire eignen sich die Stulpen ebenso, sogar zur Abendgarderobe.

feiner
chic zum kleinen Schwarzen

Sie können gestrickt werden oder aber sie sind genäht. Ich stelle eine nähleichte Alternative mit Daumenloch vor.

Will man sie nämlich mit Daumenloch versehen, wird es durchaus knifflig. Weiter unten beschreibe ich die Ansätze und Schwierigkeiten, die gewiss Nähanfängerinnen vor echte Probleme stellen.

Es geht auch anders, wenn man die Stulpen zusammensetzt! So dachte ich. Dann können auch Nähanfängerinnen Stulpen nähen. Bis mir das Konzept gelungen war, sind zahlreiche Exemplare in die Tonne gewandert – wie gut, dass ich Upcyclingstoffe für die Übungen verwendete -, aber schließlich saß es.

Hier beispielsweise sind die Stulpen noch zu beutelig, die Verengung am Handgelenk fehlt.

noch zu weit

Hier war es schon besser:

an den Handgelenken verengt

Nach vieler Tüftelei  ist ein Schnittmuster dabei heraus gekommen, dies für S, M, L oder XL. Das Besondere: Die Stulpen werden aus drei Teilen unter Aussparung eines Daumenlochs zusammengesetzt. Notwendig ist ein dehnbarer Stoff. Und das Schönste: Die Stulpen müssen nicht gefüttert werden, selbst wenn man fransende Stoffe verwendet. So sind neben Exemplaren aus dickem Strickstoff auch feinere Stulpen für die Abendgarderobe möglich. Die Konzeption aus drei Teilen gibt ohne Ende Raum für Kreatives. Verschiedene Stoffe können kombiniert werden, auch Stoffreste eignen sich prima. Mit Verzierungen kann man spielen.

Voilà, so sehen sie dann beispielsweise aus:

Jerseyexemplare
Nickystoff mit Cover-Zierstich
Jersey mit Cover-Zierstichen und Rollsaum

Nun aber zu den Schwierigkeiten mit dem Daumenloch bei den üblichen Schnitten. Wer geübt ist und über Näherfahrung verfügt, macht den Schnitt erst einmal selbst. Einen Schnitt kann man sich ganz leicht selbst herstellen individuell und passend zur eigenen Hand. Hier das Prinzip:

Pulswärmer, Schnitt selbst erstellen

Man misst den Umfang der Hand und des Arms, da wo die Stulpe enden soll, dann noch den Umfang des Handgelenks. Die Abstände von den Enden zum Handgelenk sind zu ermitteln. Der Daumenbereich wird nach Auflegen der Hand auf den Schnitt noch eingetragen. Dann hat man einen individuellen Schnitt für die eigenen Hände.

Variante 1: obere und untere Kante von Innen- und Außenstoff werden zuerst bis auf eine Wendeöffnung zusammengenäht. In einer gefalteten Runde schließt man dann die Seitennähte bis auf den Daumenbereich. Nun wird es schwierig, wirklich knifflig: Es liegen vier Stofflagen in einem engen Bereich des Daumenlochs aufeinander. Verbunden werden müssen dann aber die beiden äußeren Lagen und dann die inneren Lagen, ohne dass man eine andere Lage erfasst, und eben genau von Anfang bis Ende des Daumenbereichs. Das verlangt Geschick und Fingerfertigkeit! Für Nähanfängerinnen wirklich schwierig! Dann wird gewendet und die Wendeöffnung wird geschlossen.

Variante 2: Es wird nicht im Stoffbruch zugeschnitten, sondern es werden 2 Teile für außen und 2 Teile für innen benötigt. An Futter- und Außenstoff wird erst eine Längsnaht bis auf den Daumenbereich genäht. Dann wird das Daumenloch nach sorgfältigem Bügeln verstürzt, also von außen, genäht – soweit noch gut machbar. Danach wird die andere Längsnaht genäht und das Futter über das Daumenloch nach innen gezogen. Was jetzt noch fehlt, sind der obere und untere Abschluss. Man kann das leider (!) nur von außen zusammen nähen, indem nach innen eingeschlagen wird, ehe man Futter und Außenstoff verbindet. Es bleibt dann eine kleine klaffende Rille wie auch am Daumenloch oben und unten. Es war also leichter beim Daumenloch, aber die Schwierigkeit wurde bei dieser Variante auf den Randbereich verlagert. Außerdem liegen Nähte außen sichtbar.

Ich stelle meine Anleitung zum neuartigen Schnitt für eine absolut nähleichte Alternative in meinem shop zur Verfügung:

Schnittmuster im shop

Zu den Varianten 1 und 2 gibt es im Netz Beschreibungen, ich habe sie mir auf Pinterest gemerkt: https://www.pinterest.de/pin/634374297521831187/ und https://www.pinterest.de/pin/634374297521831369/

Stulpen sind ein schönes Geschenk für Weihnachten und zur Winterszeit. Sie sind aber auch für den Straßenkarneval oder Events draußen und drinnen geeignet. Wichtig ist, dass man die Farbvorlieben und Stilvorlieben des Beschenkten beachtet, damit ein individuelles, eigentlich schnell genähtes Geschenk Freude bringt.