Drehkleid – Schnitt selbst konstruieren

Leni wünscht sich ein Drehkleid. Ich vermute, die Mädels in der Schule tauschen sich über solche Kleider aus, sie sind ja auch zu schön.

Vorab: Es ist bei den Überlegungen ein Kleid entstanden.

ein weiter Rock

So habe ich mich umgesehen und auf Pinterest Schönes zusammengestellt. Quelle: https://www.pinterest.de/sewtonew/drehkleid/

Dabei ergibt sich Folgendes:

Die Drehkleider können einen Tellerrock haben, dazu siehe weiter unten, oder aber die Weite wird durch Zusammensetzen von an Dreiecke erinnernde Bahnen erreicht.

Die Bahnenvariante hat den Vorteil, dass Stoffe kombiniert werden können, selbst eine einzelne Bahn kann aus Stoffresten zusammengesetzt werden. Insgesamt ist diese Variante auch nicht so stoffintensiv, der Verschnitt fällt geringer aus.

Für den Ansatz des Rocks gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder setzt der Rockteil in Brusthöhe an oder aber in Taillenhöhe. Der Brustumfang bzw. der Taillenumfang ist dann für die weiteren Überlegungen maßgebend. Man kann also ausgehen von einem ganz sicherlich vorhandenen Schnitt für ein T-Shirt oder Kleid mit oberer Passe und den bis Brust oder Taille verwenden.

Entscheidet man sich statt für einen elastischen Stoff für Webware, ist mit einer Schließung (Knopfleiste oder Reißverschluss) zu arbeiten, die ggf. bis in den Rock hineinragt, wenn eng anliegend gearbeitet wird, daneben mit Belegen, Einfassungen oder aber mit Futter. Im Schnittmuster Elodie werden Raffung und Gummizug vorgeschlagen, um das Kleid überziehen zu können.

Elodie, Quelle Pinterest s.o.

Dann sollte man sich für die Anzahl der Bahnen entscheiden. In jedem Fall muss die Zahl durch zwei teilbar sein, damit das Kleid durchgehende Seitennähte hat. Ich habe auf der Abbildung 8 Bahnen angenommen. Eine Bahn hat oben dann das Maß 1/8 des Brustumfangs bzw. des Taillenumfangs. Von da aus geht es leicht schräg oder gerade nach unten, bis die außerordentliche Weite des Drehkleids über der Hüfte beginnt. Wie breit man hier schneidet, hängt sicherlich von der zur Verfügung stehenden Stofffülle ab und davon, wie weit es werden soll. Will man in etwa (der Kreis Brust/Taille wird dabei vernachlässigt) an einen Tellerrock herankommen, ist die Kreisformel U=2*pi*r hilfreich. Beispiel: Bei einer Rocklänge von 50 cm ergäbe sich ein Umfang von 314 cm, d.h. ein Teilstück von den 8 verwendeten müsste unten eine Breite von ca. 40 cm haben. Bei einem Halbtellerrock wären hier 20 cm anzusetzen. 

Dann noch etwas zur Stoffart. Wird ganz in Jersey gearbeitet, wird einfach mit der Overlock zusammengenäht. Will man jedoch Webware für den Rockteil und Jersey für den oberen Bereich des Kleids nehmen, sollte mittig elastisch zusammengesetzt werden. Wie das geht? Dazu habe ich schon eine Anleitung gegeben.

Anleitung

Die Stoffbahnen sollten also oben eine Zugabe von 1/2 bis 1 cm erhalten, damit sie mittels aufgenähten Gummifaden etwas gerafft und elastisch sind. Das Kleid kann dann trotz Webware und fehlender Schließung einfach übergezogen werden. In folgenden Projekten habe ich schon damit gearbeitet: https://sewtonew.blog/2021/05/07/easy-peasy-kleidchen-aus-bettwaesche/ und https://sewtonew.blog/2022/01/17/drei-enkeltoechter-erster-blick-in-den-sommer/

Lenis neues Kleid hat diese Kombination aus Jersey und Webware. Die Webware ist Upcyclingstoff, ein Kinderbettbezug wurde wieder einmal verwendet.

Kleid mit weitem Bahnenrock

Die Tellerrockvariante geht auch von Brust- oder Taillenumfang aus. Dieser Umfang muss dem Umfang des kreisförmigen Lochs des Tellerrocks entsprechen bzw. dem Innenmaß des Halbkreises beim Halbtellerrock. Die Überlegungen habe ich schon einmal angestellt und sie sind hier zu übertragen.

Leni wird das Übungskleid anprobieren. Ich denke, ein weiteres Stück ganz aus Jersey wird noch etwas an Weite zulegen. Beim Übungsstück war ich durch den Rapport des Stoffes begrenzt. Ich denke auch, dass ich das nächste Kleid bis zur Taille noch schmaler schneide. Demnächst also weitere Fotos zu diesem Projekt Drehkleid! Und ich vergaß: Lotta wünscht sich auch eins. Kleinere Kleidchen wird es so auch geben. Die Grundüberlegungen stehen ja nun und so wird das Nähen leicht von der Hand gehen.

Upcycling Hosen zu bequemen Kinderhosen

Leni benötigt neue Hosen, das Kind wächst so schnell. Zahlreiche Suchen in Bekleidungshäusern führten leider nicht zu einem befriedigendem Ergebnis und Katrin ist frustriert angesichts vieler vergeblicher Anproben. Leni ist schmal und hat lange Beine und sie liebt es bequem, das ist das Wichtigste. Die meisten Hosen, die übergezogen wurden, rutschten oder aber sie zwickten an irgendeiner Stelle.

Dann versuchen wir es mal mit Nähen, Erwachsenenhosen liegen reichlich im Fundus! Mein Vorteil: Ich habe mich dabei gründlich mit dem Thema Hosenupcycling beschäftigt und kann meine Erfahrungen weitergeben.

Wenn es um Bequemlichkeit geht, sind vorhandene Hosen danach auszuwählen, wie elastisch sie sind. Elastische Exemplare sind absolut vorzuziehen.

Das Upcycling beginnt dann damit, die Hose wohl überlegt aufzuschneiden.

Innenbeinnaht aufschneiden

Zunächst werden die Innenbeinnähte eng anliegend an der vorhandenen Naht aufgeschnitten. Dann führt man den Schnitt am Reißverschluss und an der Gesäßnaht weiter.

mittlere Nähte aufschneiden

So erhält man zwei Teile dieser Art. Ganz nebenbei: Reißverschlußstücke hebe ich auf. Es findet sich bestimmt später eine Verwendung.

Hälfte der Hose

Jetzt gilt es zu entscheiden, ob die Seitennaht belassen werden kann. Ist sie gerade, wie bei Herrenhosen oder gerade geschnittenen Damenhosen, kann sie für gerade geschnittene Kinderhosen bleiben. Ist sie allerdings geschwungen wie bei vielen Damenhosen, muss sie auch aufgeschnitten werden und die vier entstehenden Teile sind separat für die Kinderhose zu verwenden.

Dann geht es um die Kindergröße. Für kleine Größen ist es ganz einfach. Die Schnitteile passen in jedem Fall auf die Stoffstücke. Für Schulkinder sieht es aber anders aus. Man kommt leicht in den Bereich der Gesäßtaschen und vorderen Taschen. Hinter den Gesäßtaschen sieht der Stoff dann meist anders aus, nicht ausgebleicht, sodass auch ein Abtrennen der Taschen nicht hilft.

Hosenupcycling für verschiedene Größen

Es gibt aber einen der Bequemlichkeit dienenden Ausweg. Der Schnitt kann oben um 6 – 10 cm verkürzt werden. Dieses Stück ersetzt man durch Bündchenstoff. Wenn der Ausgangsstoff elastisch ist, kann dann ganz auf einen Reißverschluss verzichtet werden. Auch das ist bequem – für das Kind, ebenso für die Näherin. Selbst Nähanfängerinnen tun sich dabei leicht.

Wie kommt man zu diesem Ergebnis?

Markierung Bündchenstoff
Gummitunnel vorsehen

Ich habe das Bündchen doppelt vorgesehen, also doppelt hoch zurecht geschnitten. Entsprechend dem Taillenumfang des Kindes wird das Bündchen etwas schmaler zugeschnitten, aber weniger schmal als man es für Ärmel- oder Halsbündchen planen würde. Bei einem Taillenumfang von 64 cm habe ich 59 cm Bündchenstoff zugeschnitten. Den letzten Halt bringt dann ein breiter Gummizug im Gummitunnel.

Gummitunnel statt eingenähter Gummibänder haben große Vorteile. Wenn Wäschen dem Gummiband die Elastizität nehmen, lässt sich ein Gummi band schnell austauschen, ebenso, wenn sich der Taillenumfang verändert. Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit!

Für den Tunnel wird beim Schließen der Bündchenware zum Ring mit Normalstich eine Stelle unterhalb der Mitte freigelassen. Die Bündchennaht habe ich mit dem Wabenstich „geplättet“. Eine Overlocknaht an dieser Stelle ist zu dick auftragend, so denke ich.

Gummitunnel abschließen

Im Bündchenring wird der Tunnel unten mit einer unbedingt elastischen Naht abgeschlossen. Dies kann eine Covernaht oder aber die Naht mit der Zwillingsnadel sein.

Ehe nun zusammengenäht wird, ist jetzt der Arbeitsschritt gekommen, an dem man Verzierungen, Taschen, Applikationen unterbringen kann. Sind die Hosenbeine erst einmal geschlossen, ist das kaum mehr möglich.

Zusammengenäht wird dann in der Reihenfolge:

  • Gesäßnaht und vordere Mittelnaht
  • innere Beinnähte
  • Bündchen annähen
  • evtl. unterer Saum der Beine
  • Gummi einziehen und zum Ring schließen

Wenn man von unten her zuschneidet, kann man sich das Säumen sparen und den vorhandenen Saum übernehmen, sofern er noch ok ist.

unteren Saum beibehalten
Lenis neue Hosen

So hoffe ich, dass Leni die Hosen mag und sie bequem findet. Ich habe was gelernt und den Fundus abgelegter Kleidung verkleinert.

An dieser Stelle verweise ich auf mein Konzept Mädchenkleid aus vier Hosenbeinen:

Ebenso auf meine Überlegungen zu Herrenhemden und was man daraus machen kann: https://sewtonew.blog/2019/03/06/upcycling-herrenhemd-was-alles-geht/

Jerseyschnitte für Webware verwenden – Geht das?

Es geht, aber zunächst:

Dehnbare Stoffe sind sehr beliebt, in der Mode, ebenso bei Näherinnen, denn einerseits sind die Kleidungsstücke bequem, andererseits ergibt sich keine Maßschneiderei und Kompliziertes beim Nähen. Wie schnell ist beispielsweise ein Halsausschnitt mit Bündchenstoff gefertigt!

Dennoch verliebt man sich zuweilen in besonders schöne Stoffe, die aber nicht dehnbar sind. Was ist dann zu tun? Sind die Schnitte, die für elastische Materialien konzipiert sind, dann zu verwenden. Ja, aber! Mit ein paar Veränderungen gelingt die Anpassung.

Bei diesem Kleidchen wurde ein Schnitt für elastischen Stoff – mindestens 20 % Elastizität – verwendet. Um bequeme Weite zu schaffen, habe ich den Schnitt, statt ihn an den Stoffbruch für vorne und hinten anzulegen, vom Stoffbruch 4 cm weggerückt und damit Falten vorne und hinten vorgesehen. Vorne oben habe ich die Falte ein klein wenig zugenäht, dann springt sie auf, um insbesondere in der Höhe der Achseln Bewegungsfreiheit zu geben. Statt ein Bündchen anzunähen, habe ich den Halsausschnitt eingefasst. Natürlich muss es oben einen Verschluss geben, denn es dehnt sich ja nichts, derweil das Kleidchen übergezogen wird. Dieser befindet sich hinten und ist in Verlängerung der Falte angelegt.

Dazu habe ich schon einmal eine Anleitung gegeben, die es wirklich einfach macht.

Das Kleidchen ist für Lotta. Katrin hatte sich diesen Stoff und diese Art noch einmal gewünscht. Ich habe den dunklen, robusten Pünktchenstoff mit einem Upcyclingstoff, ehemals Mutters Shirt, kombiniert. Farbliche Akzente habe ich mit rotem Bauschgarn und Zierstich gesetzt.

Armstulpen mit alternativem Daumenloch

Es gab eine Anregung, die mich dazu veranlasste mich ausführlich und rundum mit dem Thema Pulswärmer zu befassen. Im Bernina-Blog wurden Walkstulpen – schön verziert, aber leider nicht mit Daumenloch versehen – abgebildet. Die Covernähte hatten es mir zudem angetan.

Walkstulpen, Quelle: Bernina-Blog

Und dann ist etwas Neuartiges entstanden:

mit Daumenloch
Bewegungsfreiheit mit Daumenbereich

Nun aber zu den Überlegungen und Details bis hin zum Schnittmuster:

Armstulpen oder Pulswärmer sind überaus praktisch zur Winterszeit. Im Unterschied zu Handschuhen bleibt die Hand warm, ohne dass das Fingerspitzengefühl verloren geht. Kleingeld am Marktstand zusammensuchen, dem Kind die Schnürsenkel binden oder die Mütze, Maske anziehen oder am Handy tippen, Essen und Trinken vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt, das geht alles, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Handy nutzen mit warmen Händen
Bewegungsfreiheit
Essen und Trinken

Als chices, modisches, vielleicht auch extravagantes  Accessoire eignen sich die Stulpen ebenso, sogar zur Abendgarderobe.

feiner
chic zum kleinen Schwarzen

Sie können gestrickt werden oder aber sie sind genäht. Ich stelle eine nähleichte Alternative mit Daumenloch vor.

Will man sie nämlich mit Daumenloch versehen, wird es durchaus knifflig. Weiter unten beschreibe ich die Ansätze und Schwierigkeiten, die gewiss Nähanfängerinnen vor echte Probleme stellen.

Es geht auch anders, wenn man die Stulpen zusammensetzt! So dachte ich. Dann können auch Nähanfängerinnen Stulpen nähen. Bis mir das Konzept gelungen war, sind zahlreiche Exemplare in die Tonne gewandert – wie gut, dass ich Upcyclingstoffe für die Übungen verwendete -, aber schließlich saß es.

Hier beispielsweise sind die Stulpen noch zu beutelig, die Verengung am Handgelenk fehlt.

noch zu weit

Hier war es schon besser:

an den Handgelenken verengt

Nach vieler Tüftelei  ist ein Schnittmuster dabei heraus gekommen, dies für S, M, L oder XL. Das Besondere: Die Stulpen werden aus drei Teilen unter Aussparung eines Daumenlochs zusammengesetzt. Notwendig ist ein dehnbarer Stoff. Und das Schönste: Die Stulpen müssen nicht gefüttert werden, selbst wenn man fransende Stoffe verwendet. So sind neben Exemplaren aus dickem Strickstoff auch feinere Stulpen für die Abendgarderobe möglich. Die Konzeption aus drei Teilen gibt ohne Ende Raum für Kreatives. Verschiedene Stoffe können kombiniert werden, auch Stoffreste eignen sich prima. Mit Verzierungen kann man spielen.

Voilà, so sehen sie dann beispielsweise aus:

Jerseyexemplare
Nickystoff mit Cover-Zierstich
Jersey mit Cover-Zierstichen und Rollsaum

Nun aber zu den Schwierigkeiten mit dem Daumenloch bei den üblichen Schnitten. Wer geübt ist und über Näherfahrung verfügt, macht den Schnitt erst einmal selbst. Einen Schnitt kann man sich ganz leicht selbst herstellen individuell und passend zur eigenen Hand. Hier das Prinzip:

Pulswärmer, Schnitt selbst erstellen

Man misst den Umfang der Hand und des Arms, da wo die Stulpe enden soll, dann noch den Umfang des Handgelenks. Die Abstände von den Enden zum Handgelenk sind zu ermitteln. Der Daumenbereich wird nach Auflegen der Hand auf den Schnitt noch eingetragen. Dann hat man einen individuellen Schnitt für die eigenen Hände.

Variante 1: obere und untere Kante von Innen- und Außenstoff werden zuerst bis auf eine Wendeöffnung zusammengenäht. In einer gefalteten Runde schließt man dann die Seitennähte bis auf den Daumenbereich. Nun wird es schwierig, wirklich knifflig: Es liegen vier Stofflagen in einem engen Bereich des Daumenlochs aufeinander. Verbunden werden müssen dann aber die beiden äußeren Lagen und dann die inneren Lagen, ohne dass man eine andere Lage erfasst, und eben genau von Anfang bis Ende des Daumenbereichs. Das verlangt Geschick und Fingerfertigkeit! Für Nähanfängerinnen wirklich schwierig! Dann wird gewendet und die Wendeöffnung wird geschlossen.

Variante 2: Es wird nicht im Stoffbruch zugeschnitten, sondern es werden 2 Teile für außen und 2 Teile für innen benötigt. An Futter- und Außenstoff wird erst eine Längsnaht bis auf den Daumenbereich genäht. Dann wird das Daumenloch nach sorgfältigem Bügeln verstürzt, also von außen, genäht – soweit noch gut machbar. Danach wird die andere Längsnaht genäht und das Futter über das Daumenloch nach innen gezogen. Was jetzt noch fehlt, sind der obere und untere Abschluss. Man kann das leider (!) nur von außen zusammen nähen, indem nach innen eingeschlagen wird, ehe man Futter und Außenstoff verbindet. Es bleibt dann eine kleine klaffende Rille wie auch am Daumenloch oben und unten. Es war also leichter beim Daumenloch, aber die Schwierigkeit wurde bei dieser Variante auf den Randbereich verlagert. Außerdem liegen Nähte außen sichtbar.

Ich stelle meine Anleitung zum neuartigen Schnitt für eine absolut nähleichte Alternative in meinem shop zur Verfügung:

Schnittmuster im shop

Zu den Varianten 1 und 2 gibt es im Netz Beschreibungen, ich habe sie mir auf Pinterest gemerkt: https://www.pinterest.de/pin/634374297521831187/ und https://www.pinterest.de/pin/634374297521831369/

Stulpen sind ein schönes Geschenk für Weihnachten und zur Winterszeit. Sie sind aber auch für den Straßenkarneval oder Events draußen und drinnen geeignet. Wichtig ist, dass man die Farbvorlieben und Stilvorlieben des Beschenkten beachtet, damit ein individuelles, eigentlich schnell genähtes Geschenk Freude bringt.

Erstlingsjäckchen Größe 50

für Zwillinge

Ja wie schön! In unserer Familie sind Zwillinge dazu gekommen. Und es sind Bruno und Rosa, also ein Zwillingspärchen. Da ich selbst der eine Zwilling eines Pärchens bin, freut mich das besonders. Noch sind die Frühchen in der Obhut der Frühchenabteilung, im Januar wäre ihre normale Geburt gewesen. Aber sie machen sich und legen zu. Gott sei Dank!

Diesmal erinnerte ich mich beim Nähen an die eigene Kindheit, denn die genähten Jäckchen sind wirklich klein und und fast wie Puppenkleidung. Solche Jäckchen nähte ich schon für meine Puppa Ingrid. Den Grundschnitt gab es in meinem heiß geliebten Werkbuch für Mädchen. Und die Sache ist ganz einfach, weil die Ärmel angeschnitten und die Jäckchen gebunden werden.

Man kann den Schnitt aus drei Teilen zusammensetzen.

Rückenteil im Stoffbruch
Vorderteil zweimal links und rechts

Wenn das Material nich fransend ist wie bei Walk oder Fleece, näht man nur die Seitennähte, die Schulternähte und die Bändchen. Das Einfassen ist nicht einmal unbedingt nötig, allerdings doch schön. So habe ich mich mit rosa und blau auf das Zwillingspärchen eingestellt.

Und es geht noch einfacher, wenn man in einem Zug Rücken und Vorderteile gemeinsam zuschneidet. Wenn nämlich bei Walk oder Fleece der Fadenlauf keine Rolle spielt, muss man anschließend nur die Seitennähte schließen, evtl. einfassen und Bändchen annähen.

Den Schnitt für Größe 50 habe ich im shop hinterlegt:

Wenn also für die Kleinsten die erste Ausfahrt im noch kalten Frühjahr ansteht, können sie warm verpackt werden.

Ich wünsche Rosa und Bruno das Allerbeste für ihre Entwicklung und den Eltern viel Kraft für die erste anstrengende Zeit!!!

Passen vorteilhaft für Mädchenkleider

Schnitte für Mädchenkleider, bei denen über dem Rockteil oben bis in den Brustbereich oder bis zur Taille eine Passe vorgesehen ist, haben mehrere große Vorteile.

Wenn Stoffreste nicht mehr für ein ganzes Kleid reichen, lassen sich passende Stoffreste kombinieren, damit ein Kleid statt nur einer Tunika entstehen kann.

Ebenso reichen Upcyclingstoffe für die größeren Kindergrößen ab 122 meist nicht mehr. Nur Oberteile oder aber Röcke sind dann ganz aus dem abgelegten Kleidungsstück Erwachsener realisierbar.

Und es gibt noch etwas ganz Wichtiges: Kinderstoffe sind meist sehr unruhig oder aber opulent im Ausdruck. Ein Kleid vollständig aus einem solchen Stoff wirkt nach meiner Ansicht zu unruhig und nicht fein. Geschickter ist es, einen Motivstoff mit einem zurückhaltenden Exemplar zu kombinieren.

starkes Motiv und feine Pünktchen

Bei diesem Kleid habe ich einen Stoffrest (mit der Eisprinzessin) kombiniert mit einen dunkelblauen Jersey, der kleine heller blaue Pünktchen trägt.

Covernähte

Abschlüsse an diesem Kleid habe ich mit flachen, dehnbaren Covernähten realisiert.

Mickystoff mit Altrosa

Bei diesem Exemplar habe ich einen rosafarbenen Pullover von Mutter kleiner genäht und mit einem Stoffrest – Motivstoff mit Micky Mouse – kombiniert, der die gleiche Farbe rosa aufweist.

Pulloverrest und Stoffreste

Ein hellblauer Pullover wurde mit Stoffresten kombiniert. Das Halsbündchen ist wie so oft aus dem unteren Bündchen des Pullovers entstanden. Dunkelblaues Bauschgarn setzte in Ziernähten und als Rollsaum Akzente.

Pullover und Stoffrest
Lillestoff zum Advent

Den Weihnachtsstoff von Lillestoff hatte ich schon einmal verwendet, https://sewtonew.blog/2019/12/11/halbes-upcycling-geht-auch/. Es war noch etwas übrig. Da er nicht für die volle Länge in Größe 134 reichte, habe ich Mutters rote abgelegte Jacke im Passenteil mit verwendet. Dennoch fehlte Länge. Da der Stoff einen Rapport hat, konnte ich die Länge nur durch geraffte, aneinander gesetzte Streifen erreichen.

An dieser Stelle verweise ich auf zwei meiner Schnitte für Stoffmix ebenso auf fertige Mädchenkleidung: ➜

Bubikragen – und schon wird es fein und fesch!

Bubikragen oder Peter-Pan-Kragen

Unsere Mode mit den dehnbaren Jerseystoffen ist verarbeitungstechnisch meist kragenlos. Nur Strickkragen kommen an Rollis, Troyern oder Poloshirts zum Einsatz. Die kragenlose Gesellschaft kommt so recht schmucklos, bisweilen abgerissen daher. Selbst Fernsehmoderatoren trauen sich mit T-Shirts unter Jacketts vor die Kamera. Wie chic würden die Hälse und Ausschnitte mit einem Kragen in unsere Wohnzimmer schauen!!!

Nun will man nicht unbedingt auf die bequemen, dehnbaren Kleidungsstücke verzichten. Mit einem kleinen Accessoire kann sich Frau dennoch Chic verleihen und im klassischen Mädchenlook einmal auf Kette oder Halstuch verzichten.

gepunktet zu weißem oder schwarzem Shirt

Mit einem flach auflegebaren Bubikragen zum Wechseln liegen Mädels voll im Trend und die Mode der frühen 20er Jahre lebt wieder auf. Selbst genäht lässt sich der Bubikragen oder auch Peter-Pan-Kragen an den eigenen Stil, die eigenen Farben und die kleinen oder großen Events anpassen, wechselnd auf Shirt, Kleid oder Pullover. Das It-Piece geht einfarbig, gemustert, mit Spitze, Pailletten, Nieten oder Rüschen – ganz nach Belieben.

für Mutter und Kind zum Binden

Und ich setze noch einen drauf: Mutter und Töchterchen laufen im Partnerlook auf, ein reizendes Statement!

für Mutter und Töchterchen geblümt

Denn ich habe den Schnitt für die Kindergrößen 110 – 134 und für die Damengrößen 36 – 44 kreiert. Eine bebilderte Anleitung garantiert auch der Nähanfängerin Erfolg. Und es ist ein schnelles und einfaches Projekt mit wenig Stoffbedarf, das zudem nur die normale Nähmaschine verlangt. Stoffreste oder Upcycling-Stoffe genügen.

Es sind zwei Varianten beschrieben. In einem Fall wird der Kragen vorne gebunden, im anderen Fall vorne geknöpft, sichtbar oder verdeckt.

Wenn ein Kleidungsstück nicht den normalen Rundhals aufweist, sondern einen weiteren Ausschnitt, so wird auch beschrieben, wie man den Schnitt anpasst.

Also Mädels, große und kleine, macht euch chic für die kommenden Festtage!

Der Schnitt wird in meinem ➜ Shop angeboten: https://sewtonew.blog/product/schnittmuster-bubikragen-fuer-mutter-und-kind/

Streberstreifen beim Upcycling

Eine graue, dick mit Teddystoff gefütterte Sweatjacke von Katrin sollte zu einer ebensolchen für das Töchterchen Leni werden. Vorab: Es ist gelungen. Von außen sieht man aber nicht, wie das geklappt hat und welche Schwierigkeiten auftraten. Dazu muss man die Jacke von innen betrachten.

kleiner geschnittene Sweatjacke
innen erkennt man das Konzept
Streberstreifen innen

Diesmal war das Upcycling garnicht so einfach, weil die Jacke dick gefüttert ist. Wenn sie passend kleiner geschnitten werden soll, bedeutet das:

Reißverschluss heraustrennen, Bündchen von Ober- und Futterstoff lösen, Futter kleiner nähen, Oberstoff kleiner nähen, Innen und Außen wieder zusammensetzen, Bündchen annähen, gekürzten Reißverschluss wieder einnähen

Das lohnt doch nicht, selbst wenn die Jacke noch wirklich gut brauchbar ist!

So habe ich etwas länger über diese Schwierigkeiten nachgedacht, das Projekt erst einmal liegen gelassen, und es kamen dann noch weitere Schwierigkeiten hinzu…

Meine Überlegungen zur Rettung der Jacke: Wäre es vertretbar, Futter und Oberstoff gemeinsam zu verarbeiten? Dann könnte ich wie immer verfahren, nämlich kleiner schneiden und neu zusammen nähen. Nachteil: Dann hätte die Jacke innen dicke Overlocknähte über vier Stofflagen, an Stoßnähten wären es sogar 8 oder noch mehr Lagen. Keine Chance für die Overlock, ganz abgesehen von den dicken, unschönen Nähten! Von meiner alten Bernina 1090 weiß ich, dass sie extrem Dickes schaffen kann.

Dann kam mir die entscheidende Idee: Nähte lassen sich mit Streberstreifen versäubern! Innenansichten werden auf diese Weise schön und ansehnlich.

Bisher habe ich solche Streifen an hinteren Halsausschnitten verwendet, um unschöne Overlocknähte verschwinden zu lassen. Dazu lässt man einen Schrägstreifen beim Annähen des Halsbündchens mitlaufen und schlägt ihn anschließend um die Naht herum und näht ihn knappkantig fest.

Mit dieser Idee der Streberstreifen war dann vorstellbar, Vierfach-Stofflagen zu nähen, Obermaterial und Futter gemeinsam zu verarbeiten, dicke Nähte mit der tüchtigen älteren Nähmaschine zu nähen und sie mit Streberstreifen einzufassen.

saubere Lösung Streberstreifen
an der Kapuzennaht etwas breiter

Bei den Schulternähten und dem Ärmelansatz habe ich dann doch mit der Overlock gearbeitet, bei den Seitennähten, den unteren Ärmelnähten und der Naht zur Kapuze hingegen habe ich die schöne und praktikable Streberstreifenvariante gewählt. Meine Nähmaschine hat speziell am unteren Ärmelpunkt zur Seitennaht die vielen Stofflagen gepackt. Die Overlock hätte an dieser Stelle sicher versagt.

Schmalkantfuß

Für das finale Annähen des Streberstreifens ist der Schmalkantfuß mit von der Mitte leicht nach links oder rechts justierten Nadel eine echte Hilfe. Zuvor habe ich den Streberstreifen fein säuberlich umgeschlagen und dicht gesteckt. So ging das Nähen auf dem Teddyfutter leicht von der Hand. In den Ärmel kam ich angesichts der Enge des Kinderärmels nicht ganz hinein. Ein Stückchen musste ich per Hand annähen.

Bündchen ansehnlich zusammengefügt

Am Bündchen sieht man besonders gut, was der Streberstreifen bewirkt. Man stelle sich hier die Overlocknaht vor – nicht schön! So ist es doch besser. Ich denke also, dass ich das Verfahren auch bei dünneren Stoffen demnächst wiederholen werde, insbesondere an sichtbaren Stellen wie den Bündchen.

Optimierung: Badeponcho aus Badetuch

Leni ist enorm gewachsen. Der schon einmal genähte Badeponcho passt nun der Schwester und Leni benötigt einen größeren. In der Wäschekiste meiner verstorbenen Mutter fand sich ein noch niemals genutztes, riesige Badetuch, groß genug den neuen Zweck.

Wie hier geschnitten wird, habe ich schon einmal erläutert: Badeponcho aus Badetuch. Aber diesmal habe ich noch eine Optimierung eingeführt.

Badeponcho aus riesigem Badetuch

Der Frotteestoff ist nicht flexibel. Deshalb fällt das notwendige Halsloch recht groß aus, damit das Kind hineinschlüpfen kann. Dann allerdings wird das Kind evtl. nach dem Baden bzw. Schwimmen am Hals kalt. So habe ich ein Halsbündchen zwischen Kapuze und Tuch eingefügt. Es ist aus zwei Stücken genäht – also nicht gefaltet – und fasst die Kapuze oben zwischen. Unten ist es mit Overlock angenäht. Seitlich habe ich es verjüngend geschnitten. So legt sich das Tuch am Hals eng und warm an.

Die Kapuze stammt von einem abgelegten Bademantel, bei dem der Reißverschluss völlig kaputt war. Plastikreißverschlüsse an Wäschestücken, die heiß gewaschen werden, das ist so eine Sache. Nachhaltig wird es dabei nicht, aber immerhin verwende ich die Stoffe weiter. Die Taschen des Bademantels habe ich ebenso verwendet und durch Applikation aufgepeppt.

Seepferdchen als Applikation

Die Kapuze habe ich durch ein innen liegenden Bändchentunnel flexibel gehalten, wie gesagt, das Kind soll nicht frieren!

Kapuze kann gezurrt werden

Seitlich habe ich auch noch Bänder angenäht, so bleibt das Tuch besser geschlossen, wie gesagt, Leni soll nicht frieren!

Flatlock- neuer Weg beim Upcycling

Es zieht sich durch meinen blog durch: Wie bekommt man abgelegte Kleidung Erwachsener zu Kinderkleidung ansprechend aufgearbeitet und umgestaltet. Bisher habe ich unifarbene und damit etwas triste Sachen dadurch aufgepeppt, dass ich mit Kinderstoffen kombinierte oder aber – und dies sehr häufig – kindliche Applikationen aufbrachte. Jetzt wird Leni 7 Jahre alt und Curd ist schon 9. Damit sind die vorhandenen brauchbaren Stoffstücke oft einfach zu klein, Kombinationen werden die Regel werden, und zudem entwachsen die Enkelkinder den kindlichen Applikationen.

Neue Wege sind zu finden!

Nun bin ich auf Bauschgarn in Flatlocknähten gestoßen. Und siehe da: Schnelles und einfaches Upcycling steht in Aussicht. Bauschgarn gibt es einfarbig, multicolor oder sogar neonfarbig.

Mutters Pullover verkleinert und mit Flatlock zusammengenäht

Nach einem einfachen Grundschnitt in Größe 134 habe ich den Pullover von Mamma seitlich und oben sowie oben an den Ärmeln für das Töchterchen gekürzt. Die Bündchen unten blieben erhalten. Das Halsbündchen habe ich abgeschnitten und gekürzt wiederverwendet. Alles ist rundum mit Flatlock in Multicolor-Bauschgarn zusammengenäht.

Detail Flatlocknähte

Am Ärmel habe ich unten noch eine Flatlocknaht zur Zierde gesetzt.

Ziernaht

Mein Nähen war ein erster Versuch mit Flatlock. Da man immer dazu lernt, ist das erste Stück noch nicht perfekt. Die Flatlocknähte haben, wie ich dann merkte, eine Richtung. Sie stehen an einer Seite etwas hoch. Damit symmetrisch gearbeitet wird, ist das bei den Nähten links und rechts zu beachten. Näht man die Seitennaht mit den Vorderteil oben von oben nach unten, sollte man auf der anderen Seite mit Vorderteil oben von unten nach oben nähen. Dann wird es symmetrisch. Es gibt auch die Anweisung, die Flatlocknaht noch einmal mit Geradstich zu übernähen. Dann entfiele meine Überlegung, weil der Geradstich Flatlock niederdrückt. Allerdings ist dann auch die Dehnbarkeit hin. Ich habe also auf die zusätzliche Naht verzichtet.

zweiter Versuch mit Flatlock

Bei diesem Exemplar habe ich dann schon symmetrisch gearbeitet. Außerdem habe ich eine zusätzliche Ziernaht entlang des Ärmels gesetzt. Die Ärmel habe ich diesmal mit Overlock eingesetzt. Und dann ist mir noch aufgefallen, dass, je nachdem in welche Richtung man arbeitet, das Halsbündchen auch anders aussehen kann.

mit Flatlock angenähtes Halsbündchen

Diesmal verschwindet die untere Kante des Strickbündchens innen, bei vorherigen Exemplar lag sie außen. So kann man also auch mit den Nähten und ihrer Richtung spielen.

Meine Flatlockexperimente werden sich weiter entwickeln. Ich habe zunächst die Dreifadenvariante angewendet. Ich bin sicher, dass ich die Möglichkeit Flatlock bei weiteren Gestaltungsideen unbedingt mit bedenken werde. Außerdem kann meine neue Bernette 48 auch covern. Demnächst also mehr zu Flat- und Coverlock, denn es gilt, Tristesse für Kinder aufzumuntern.