Herzensangelegenheit oder der Dinge Mehrwert

Diejenigen, die so alt sind wie ich, erkennen vielleicht, welchen Ursprung diese Kissenhülle hat. Selbst in Gymnasien für Mädchen meiner Zeit gab es Handarbeit statt Kunstunterricht, Latein wurde aber auch gelehrt, ebenso revolutionäre Literatur.

Der karierte Stoff eignet sich natürlich hervorragend, um genaues Sticken zu erlernen, denn die Kästchen geben die Abstände für die Stiche an. Neben dem Sticken erlernte man das Nähen per Hand. So entstand eine Halbschürze mit Taschen.

Sie hat auf irgendeine Art und Weise überlebt und war es wert, aufgehoben zu werden – Erinnerung. Schon etwas ramponiert konnte sie als Schürze nicht mehr verwendet werden. Die von Hand gefertigten Bindebänder – ich mag mir gar nicht mehr vorstellen, wie lange ich an den langen Bändern von Hand gesäumt hatte – waren wirklich hin. Auch andere Stellen sind schon abgewetzt – ich dachte, die paar Stellen sind verschmerzbar-, ein Loch ließ sich dekorativ schließen.

Jedenfalls ergab die Schürze nach Entfernen des Bundes, unter dem sie gekräuselt war, Stoff für eine Kissenhülle her, jedenfalls für eine Seite eines Kissens mit 60 x 40 cm.

Herr Schulz, der auch schlecht wegwerfen kann, brachte mir vor einiger Zeit Stoffreste, die jetzt für die andere Seite farblich passend erschienen.

Weil schon so lustig kunterbunt, dachte ich, dass auch bunte Knöpfe ganz hübsch wären. Das eine Ende des Schlauches habe ich also eingeschlagen und mit Knopfleiste versehen.

Ein rotes Kissen passt nicht zu meinem Interieur, Farbvorlieben verändern sich im Laufe des Lebens, aber vor der Türe habe ich diesmal die Gartenbank im Unterstand platziert, mit dem Hintergedanken, dass dort ich oder meine Feriengäste in der morgendlichen Ostsonne frühstücken könnten.

Mit der Decke setze ich bei den Erinnerungen noch eins drauf. Die Decke diente in meiner Studentenbude als Abdeckung für das Bett. Sie erinnert an die 70er Jahre nicht nur im Stil – Schmunzel, Schmunzel …

Die Taschen am Kissenbezug, so fiel mir ein, könnten ganz praktisch sein. Zur Sommerzeit lässt sich beispielsweise dort schon mal die Sonnenbrille einstecken – wartend auf sonnige Morgenstunden.

Zum Frühstück wird man ein Tischchen herausholen. Es ist auch rot! Es stammt aus meinen Kindertagen. Ich erinnere mich, wie ich die Eltern bekniete, mir dieses Tischchen zu kaufen. Ich musste lange betteln. Auch vielleicht deshalb gibt es das Tischchen noch. Es ist zwischenzeitlich abgeschliffen und in der Platte neu lackiert.

So kann man doch wirklich von Nachhaltigkeit und Erinnerungen sprechen. Liebe Leute: aufheben, nachdenken, neu gestalten! Diese Dinge können nicht gekauft werden, sie sind unbezahlbar. Ich werde mit Freuden vor der Türe gen Osten sonnig frühstücken.

Schnittmuster abnehmen mit Innennähten

Ein gut sitzendes Kleidungsstück soll nachgenäht werden? Wie das gehen kann? Das zeige ich euch am Beispiel eines bequemen Gartenkleides.

Vorab: Wenn das vorhandene Kleidungsstück kompliziert geschnitten ist, wenn es z.B. viele Abnäher aufweist und eng anliegend sozusagen maßgeschneidert sitzt, dann wird es mit diesem einfachen Verfahren nicht gehen und ihr solltet doch zu einem gekauften Schnittmuster greifen. Wenn es aber um ein T-Shirt, ein schlauchförmig geschnittenes Kleid, eine Pyjamahose oder Leggings oder einen Pullover geht, dann ist das Verfahren erfolgversprechend.

In meinem Fall ging es um ein zwar zusammengesetztes, aber glatt geschnittenes Gartenkleid meiner Gartenfreundin Barbara mit dem Wunsch, die bequeme Weite für die Gartenarbeit zu kopieren.

soll kopiert werden

Das Kleid hat keinen Verschluss, sondern ist weit ausgeschnitten. Es hat eine obere Passe, an die sich bogenförmig der Rockteil anschließt.  Es war der Wunsch, die kurzen Ärmel etwas zu verlängern und die in der Seitennaht mit gefassten Taschen etwas zu vergrößern.

Zunächst einmal habe ich das Leinenkleid gebügelt, damit nicht durch Knautschen und Knittern das Abnehmen des Schnitts evtl. zu klein ausfallen würde. Das Kleid habe ich dann exakt mittig gefaltet, sodass die Falte dem späteren Stoffbruch entsprechen und der Schnitt symmetrisch gelingen kann.

Passenteil gefaltet

Es kommen nun übereinander, eine weiche Unterlage, Kopierpapier (bei  mir Reste alten Makulaturpapiers) und darauf das gefaltete Kleidungsstück, wobei nur der obere Teil zunächst interessant ist.

Die Außenlinien Mitte und Seite sowie Schulterlinie kann man mit Stift zeichnen.

außen zeichnen

Nun zu der Innennaht, die man nicht einfach einzeichnen kann. Es wird auch klar, wieso man eine weiche Unterlage braucht. Sie dient dazu, dass Stecknadelpunkte auf dem Papier sichtbar werden, weil durchgestochen wird. Für die gebogene Ansatznaht zum Rock wird nämlich mit Stecknadeln in kleinen Abständen durchgestochen, sodass auf dem Papier eine gepunktete Linie sichtbar wird. Ebenso wird mit der Ärmelnaht  und der niedriger sitzenden vorderen Ausschnittkante verfahren. Damit ist der Passenschnitt für vorne und hinten in einem entstanden. Er wird erst im Stoffbruch für den Rücken und nach Abschneiden zum tiefer liegenden Ausschnitt für vorne im Stoffbruch für das Frontstück verwendet.

an Punkten mit Stecknadeln durchstechen

Zu bedenken ist aber, dass der Schnitt für hinten eine etwas höhere Schulternaht bekommen sollte. Das kann man aber einfach später realisieren, indem die „Nahtzugabe“ an der Schulter für hinten ca. 1 cm breiter angelegt wird. Der eine Zentimeter der Zugabe ist dann später der etwas  höhere hintere Schulterbereich.

Um den Rockteil zu schneiden, habe ich wieder den Passenschnitt genommen. Seine untere gebogene Linie ist die gebogene obere Kante des Rockteils. Am Kleid habe ich dann die seitliche und mittlere Länge sowie die Saumweite (geviertelt) abgemessen und habe damit die unteren Endpunkte, die ich auf dem  gefalteten Stoff gleich abtragen kann. Der äußere Endpunkt der Passe und der untere äußere Punkt des Rocks werden in einer etwas gebogenen Rocklinie verbunden bzw. gleich geschnitten.

Mit dem Ärmel ist das nun so eine Sache. Bei einem breiten T-Shirt z.B. steht der Ärmel seitlich quer ab. Dann ist es möglich, die obere Linie im gefalteten Zustand als Stoffbruch zu nehmen und wie oben beschrieben auch mit dem Ärmel zu verfahren. Ist jedoch eine schöne Armkugel ausgebildet, lässt sich das ohne Zerschneiden des Kleidungsstück schwerlich abnehmen. Einige youtube-Videos zu diesem Thema habe ich mir an dieser Stelle angesehen und habe so meine Zweifel, ob das gut gehen kann. Es ist wohl nötig mit Abmessen und Konstruieren zu verfahren. Dazu gibt es eine detaillierte Anleitung im Netz: https://www.braandbee.com/aermel-schnittmuster-selber-machen/, mit der ich weitergearbeitet habe. Sie ermöglicht auch jede Ärmellänge.

So wurde das Kleid fertig und bekam auch große Taschen mit Längsfalte. Oben ist das Kleid eingefasst. Der Stoff wiederholt sich als Abschluss der Ärmel.

Und wie erwartet: Es passt und macht große Freude!

Gartenkleid für Barbara
große Freude, aus Datenschutzgründen nicht zu sehen

Da ich mir die Mühe gemacht habe, insbesondere mit den Ärmeln, werde ich das Schnittmuster in XL noch digitalisieren und bald zur Verfügung stellen.

Das Kleid ist ein Dank für Stoffe, die ich aus dem aufgelösten Haushalt von Barbaras Mutter erhielt. Die Dame ist nun mit 91 ins Altersheim gezogen. Sie hatte wie ich viel genäht und ihren Garten geliebt. Nun fühlt sie sich am neuen Ort aber wohl und genießt es, versorgt zu werden. Das macht irgendwie Hoffnung.

Einen der Stoffe hatte ich schon verarbeitet, Lenis erstes Drehkleid mit Tellerrock war daraus entstanden.

Lenis Drehkleid, Schnittmuster im shop

Nähen und Garten – Upcycling Herrenhemd

In einer Hauptsichtachse meines Gartens steht ein schönes Häuschen, in dem es sich am heißen Nachmittag schattig oder bei Regen trocken gut verweilen lässt.

Die Bank ist allerdings etwas hart und ein Kissen wäre schön.

Als nun mein Mann ein Hemd, das zu eng geworden war, dem Fundus „Zum Zerschneiden“ übergab, mir die Farbe für das blaßgrün gestrichene Häuschen gefiel und ich mich an ein altes dazu passendes Seidentuch erinnerte, war die Idee geboren.

Die Knopfleiste des Hemds verwendet ich als Verschluss für den Kissenbezug. Das war schon ganz einfach!!! Da die Hemdtasche verhinderte, dass ich eine Seite ganz aus der Front nehmen konnte, habe ich auf der einen Seite einen Streifen des Tuchs hinzugefügt. Die andere Seite stammt aus der Mitte des Tuchs. Ich finde die Kombination von schlichtem Karo und geblümt wunderschön.

Zu meinen Ausführungen, was alles aus Herrenhemden entstehen kann, ist dieses Beispiel hinzu zu fügen. Es gibt zahlreiche Varianten, wie Kissenbezüge verschlossen werden. Dies, so denke ich, ist ein nachahmenswertes Beispiel, weil Wiederverwendung tatsächlich jede Menge Arbeit erspart.

Nun kann man sich noch fragen: Wozu die Schlaufe?

Eine streunende Katze, meist mit Zecken im Fell, schläft gerne auf unserer Bank des Häuschens. Das schöne Kissen finde ich für sie zu schade. Nun kann ich es dank Schlaufe am Fenster aufhängen, wenn ich nicht dort bin.

Eine weitere Verschönerung des Häuschens brachte ich neulich an. Ein aus mit Flechten besetzten Aststückchen gefertigter Kranz ziert den Giebel.

Mein Lieblingsplätzchen!

Der Rücken des Hemds ist noch vorhanden, ebenso Stücke aus dem verwendeten Tuch. So wird es demnächst ein zweites Kissen geben. Tête à tête im Häuschen …