Noch schnell was nähen – Utensilo

Nicht mehr lange bis Weihnachten! Da wird es schon Zeit, wenn man Genähtes verschenken möchte.

Aber ein Utensilo geht immer und ist wirklich schnell hergestellt, dies zudem in jedweder Größe und Ausführung und für jedweden Zweck.

weihnachtliches Utensilo für Servietten

Das Utensilo wurde außen aus blauem Walk und mit einem gemusterten Innenfutter hergestellt. Zu dem Innenfutter gibt es eine Geschichte. Der Ehemann wurde dazu “verdonnert”, nun die Wäsche der Familie zu übernehmen. Nun ist das ja etwas mutig, wenn keine Vorerfahrung beim sich Emanzipierenden vorliegt. Die Erfahrungen wurden dann aber gemacht. Die Kinder hatten plötzlich rosa Strümpfchen und rosafarbene Unterwäsche, auch der Sohn, und Bettwäsche bekam rosa Flecken, die partout nicht weichen wollten und zahlreiche Entfärbeversuche überstanden. So wanderte der gemusterte Stoff in meinen Fundus. Aus nicht verfärbten Stellen ließ sich mit dem guten Stoff noch etwas herstellen. Der Wunsch nach einem Tischläufer wurde erfüllt. Zu Weihnachten gibt es jetzt dazu noch Servietten im Utensilo. Ein genähter Stern macht das Utensilo weihnachtlich, der ist aber nur lose befestigt, nicht weihnachtliche Verwendung bedenkend.

Dieses Utensilo hat eine Grundfäche von 10 x 10 cm. Wie man die Größe je nach Wunsch anpasst, habe ich in einem früheren Artikel schon beschrieben. Einen Schnitt dazu muss man wirklich nicht erwerben.

genähte Tannenbäumchen II – Nähtipp

Lustvolles Nähen für Weihnachten hat in den letzten Tagen bei mir um sich gegriffen. Neben Baumschmuck sind unzählige genähte Tannenbäumchen für zu Beschenkende entstanden. Dabei findet wie sonst auch üblich ein Optimierungsprozess statt. Für umwickelnde Schnüre und Bändchen ist mir dabei Folgendes eingefallen.

grau Flanell
Schnüre mit einnähen

Statt die Bändchen später von außen aufzunähen, ist es doch viel einfacher, sie beim Zusammennähen von Vorder- und Rückseite mit zu fassen. Erstens sind sie dann viel schöner und fester angenäht und zweitens wird ermöglicht, dass die Schnüre beim Wenden zur Hilfe kommen. Wenn sie unten aus der Wendeöffnung heraus schauen, kann man an ihnen ziehen und einen Großteil der Wendearbeit so erledigen. Sind zwei Schnüre untergebracht, lässt sich eine Schleife binden, in die weiteres Dekomaterial mit hineinkommt. Zusätzliches Annähen von Hand wird so gespart.

genähte Tannenbäumchen – Deko zum Aufstellen

Im vorangehenden Artikel zu Weihnachtsdeko (https://sewtonew.blog/2022/11/01/genaehte-weihnachtsdekoration-vorlagen/) hatte ich mich damit beschäftigt, wie Baumschmuck genäht werden kann, und ich hatte euch Vorlagen zur Verfügung gestellt.

Attraktiv finde ich aber auch die genähten Tannenbäumchen, die man schön dekoriert und fein arrangiert aufstellen kann. Passend zur Einrichtung lässt sich eine Farbanmutung wählen. So sind nun Geschenke entstanden, verschiedene und jeweils zur Wohnung und den Farbvorlieben der Beschenkten passende. Allerlei Stoffrestchen und allerlei Schnüre sowie Filzstückchen sind verwendet worden, gekauft habe ih nichts. Wieder einmal gut, wenn aufgehoben wird …

in grün
in rot
in beige

Um die Aufsteller zu fertigen, bedarf es aber nicht nur der genähten Tannenbäumchen, sondern weiterer handwerklicher Schritte.

Martin, unser Schreiner, stellte mir schöne Holzscheibchen zur Verfügung. So glatt geschnitten hätte ich das selbst nicht hinbekommen können. Mein Garten lieferte Holzstämmchen verschiedener Art. Sie wurden mit einer guten Gartenschere glatt abgeschnitten. In die Holzscheibchen bohrte ich mittig Vertiefungen, in die Holzlein hinein kam. Zunächst versuchte ich die Stöckchen hinein zu quetschen. Da sie unterschiedlich dick waren, ging das nicht nur gut. Also habe ich die Vertiefungen mit einem dickeren Bohrer verbreitert. Damit die Stämmchen zum Halten kamen, habe ich zusätzlich zum Leim einen kleinen Nagel eingeschlagen, dem ich das Köpfchen abknipste. Dieser Nagel ließ sich dann mittig in die Stämmchen drücken, die so nicht mehr wackelig aufrecht zu stehen kamen. Überschüssiger Leim wurde abgewischt und das Ganze durfte erst einmal trocknen.

mein Handwerkzeug
angebohrte Holzscheibchen
Stift für mehr Halt
aus dem Garten
Stämmchen plaziert

Die genähten Tannenbäumchen waren schon fertig. Unten waren sie offen gelassen. Um die Holzstäbe hinein zu bekommen, habe ich mit den Fingern die Füllung mittig weggedrückt. So ließ sich das Stämmchen mit dem genähten Teil verbinden. Unten habe ich dann von Hand zugenäht und dabei den Stiel mit fest umwickelt, damit nichts verrutscht.

Ich denke, die Beschenkten werden sich freuen. Ich selbst freue mich, dass ich das jenseits der Näharbeit hinbekommen habe – eigentlich gar nicht so schwer und zur Nachahmung empfohlen.

Ich erhielt die Anregung, dass als Basis auch Garnröllchen gehen: https://diyschwingdienadel.wordpress.com/2016/11/

Raffung als besonderes Detail

Immer auf der Suche nach Ideen, um beim Nähen und Upcycling Besonderes zu kreieren, habe ich diesmal seitlich Gerafftes eingesetzt, das die Shirts von den üblichen, glatt gearbeiteten unterscheidet. Die Stoffauswahl mit Motivstoff und der Stoffmix aus Upcyclingstoffen kombiniert mit neuem Motivstoff erlaubten diesmal keine Applikation oder Plots oder Gesticktes zum Aufhübschen.

neue Shirts für Schwestern

Der graue Stoff mit den Kätzchen ist neu gekauft. Dazu habe ich Stoffreste in rosa und Teile von abgelegten T-Shirts verwendet. Wieder verfolge ich die Gedanken Nachhaltigkeit, Stoffe geschickt kombinieren, Farbharmonie und Harmonie zwischen Unistoffen mit Gemustertem.

Wie entsteht das Detail Raffung?

Gerafftes
Schema, wie es geht

Für den Raffbereich wird ein versäubertes Stück Stoff auf der linken Seite des Kleidungsstücks positioniert und mit drei Nähten befestigt. Die Schnur zum Raffen wird nun durchgezogen. Mit ihr kann man den Bereich nach Belieben mehr oder weniger raffen.

Für einen Rock sieht dieses Detail ebenso stylisch aus, siehe: https://sewtonew.blog/2021/05/28/neues-leben-fuer-ein-geliebte-kleidchen/

genähte Weihnachtsdekoration – Vorlagen

Unendlich viele Stoffrestchen und meine Nähleidenschaft führten dazu, dass ich mich mit genähter Weihnachtsdeko beschäftigte. Und erst einmal habe ich Ideen gesammelt: Quelle https://www.pinterest.de/sewtonew/weihnachten/

Aufgrund der Bilder habe ich dann zunächst digitale Vorlagen erstellt, die ich im shop kostenfrei zur Verfügung stelle. Es handelt sich um 6 DINA4 Seiten mit Umrissen, die sich von der Größe her eignen, um damit Baumschmuck oder Aufsteller herstellen zu können. Durch Veränderung der Druckereinstellungen lassen sich aber auch andere Größen generieren. Vorhanden sind Sterne verschiedener Art, Rudolph, verschiedene Tannenbaumarten, Lebkuchenmann und Herzchen.

Dann habe ich zur Probe drei Exemplare hergestellt, um Erfahrungen zu sammeln. Der Stoff ist ein Upcyclingstoff, ehemals Schlafanzug, der sich vom Karo her durchaus weihnachtlich verwenden lässt.

erste Übungen

Es haben sich dabei Tipps ergeben:

Schablone aufstecken
  • Statt die Schablone mittels Kreide oder Marker auf den Stoff zu überragen, ist es auch möglich, die Papierschablone auf den Stoff zu stecken und an den Rändern entlang zu nähen.
  • Hilfreich ist in jedem Fall ein durchsichtiges Applikationsfüßchen, das ermöglich gute Sichtkontrolle.
  • Das Nähen ist das Eine, durchaus schnell und leicht. Das Andere ist das Wenden, das exakte Herausdrücken der Ecken und Spitzen und das Füllen, eher zeitaufwändig und Geduld fordernd. Eine Häkelnadel kann helfen.
  • Die Nahtzugaben sind klein zu halten, Spitzen sind knapp abzuschneiden und Ecken bis zur Naht sind einzuschneiden.
  • Die Wendeöffnung sollte aber mehr Nahtzugabe erhalten.
  • Die Wendeöffnung kann mit der Hand und mit Matratzenstich geschlossen werden oder knappkantig mit der Machine genäht werden.
  • Neben Füllwatte habe ich Styroporkügelchen als Füllung ausprobiert, rate aber davon ab, weil man die nicht stopfen kann.
  • Wer sich der Mühe des Wendens entziehen möchte, kann wie im oberen Bild in der Mitte links auf links nähen und die Nahtzugaben mit der Zackenschere verschönern.

Rote Stoffrestchen oder weitere geeignete Stückchen werden demnächst zu kleinen Geschenken verarbeitet werden. Bändchen, Perlen, Filzstückchen, Spitzenreste, Zimtstangen usw. habe ich schon zurecht gelegt. Damit lässt sich jedes weihnachtliche Werk fein weiter dekorieren.

Wer noch weitere Anregungen zu genähten Geschenken sucht, wird hier fündig: https://sewtonew.blog/2017/12/21/genaehte-weihnachtsgeschenke/, https://sewtonew.blog/2018/11/13/adventsgeschenke-aus-stoffresten/ https://sewtonew.blog/2019/01/02/kleine-genaehte-geschenke/

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Anpassen mit Sticken

Wie im vorhergehenden Artikel beschrieben, habe ich derzeit das Sticken neu entdeckt. Und da es so gut lief, habe ich gleich weitergemacht. Ein zweites, absolut schlichtes Baumwollkleid habe ich per Sticken zum Gesamtoutfit mit meinen schönen Sommerschuhen vervollständigt. Man hätte auch über ein passendes buntes Tuch oder Schmuck nachdenken können, um die Schlichtheit des unifarbenen Kleids aufzupeppen, nun wurde aber Sticken eingesetzt.

Anpassen mit Sticken

Die Linien sind umschlungene einfache Stickstiche, die kleinen Früchtchen wurden mit Knötchenstich realisiert und die großen Blüten sind “gewebte Rosen”, so nennen sie sich. Zu den Blättern gibt es im Netz zahlreiche Anleitungen für den Blätter-Plattstich, siehe auch meine Zusammenstellungen bei Pinterest: https://www.pinterest.de/sewtonew/gesticktes/.

Sticken – neu entdeckt

Wer hätte das gedacht! 

Stickkörbchen aus den 60ern
Nadelarbeit in den 60ern

Mein Stickkörbchen aus Kindertagen war noch vorhanden, ebenso Stickübungen und Stickgarn aus dieser Zeit. Zu eben meiner Zeit, also vor 60 Jahren, gab es auf einem reinen Mädchengymnasium statt Kunst auch Nadelarbeit. Es waren arme Zeiten, und ich weiß noch, dass meine Mutter nicht gerade erfreut war, dass ein Stickkörbchen angeschafft werden musste. Vielleicht deshalb habe ich es bis heute aufbewahrt, es war damals etwas Kostbares, das man stolz zum Unterricht trug und das man sehr mochte.

Es kam jetzt wieder zum Einsatz! Und das kam so:

Sticken wiederentdeckt

Da ich mich mit Upcycling beschäftige, und sich so manches gestickte Deckchen aus der Genration zuvor in unseren Schränken befindet, suche ich nach Upcyclingideen für gestickte Tischdecken. Meine Sammlung auf Pinterest: https://www.pinterest.de/sewtonew/upcycling-tischw%C3%A4sche/

Es reift dabei so langsam etwas heran, das in einem Schnitt für ein Mädchenkleid münden wird. Dazu dann später. Bei den Recherchen bin ich natürlich auf viele Stickmuster gestoßen. Dabei haben es mir Blumenwiesen besonders angetan: https://www.pinterest.de/pin/634374297529154436/, https://www.pinterest.de/pin/634374297529065992/

Und so traf diese neue Vorliebe auf ein ganz einfaches Sommerkleid in grober Baumwolle, das ich per Internet zum Schleuderpreis erstand. So hieß es also zunächst nicht Upcycling, sondern Refashion. Kinderkleidung habe ich schon so oft aufgepeppt durch schöne Stoffkombinationen, durch Webbänder, durch Applikationen und durch aufgenähte Kordeln. Sticken hatte ich dabei kaum im Sinn. Dabei gibt es zahlreiche Anleitungen im Netz. Auf Pinterest habe ich etwas zusammengestellt: https://www.pinterest.de/sewtonew/gesticktes/

Refashion eines einfachen Kleids durch Sticken

Wie man sieht, habe ich zunächst nur mit Kettstich und Rückstich gearbeitet, das war für den Anfang leicht. Dennoch denke ich, dass aus dem 0-8-15-Kleid nun mein besonderes Kleid geworden ist.

Ich denke neben der Schnittentwicklung für ein Tischdecken-Upcycling werde ich Sticken in Zukunft mit in Betracht ziehen, wenn es um Upcycling und Refashion geht. Sticken ist zudem bei Hitze unterm Gartenbaum möglich, mein Nähzimmer liegt unter dem Dach. Dort ist es derzeit zu heiß. Insofern kam die Idee auch hitzetechnisch passend daher.

feine Bügel für einen Kleiderschrank

Sieht man in die Kleiderschränke anderer Leute? Wohl kaum. Aber in Hotels oder Gasthäusern sieht man hinein, um die Ferienkleidung unterzubringen. Und der dann gewonnene Eindruck sagt etwas aus. Wird das Haus mit Liebe, Perfektion und Ästhetik auch bis in den hintersten Winkel geführt? Wenn dem so ist, wird man hübsche und einheitliche Kleiderbügel hinter den Schranktüren vorfinden.

Das Innenleben von Schränken sagt ebenso etwas über den Standard der Bewohner und den Standard des Haushalts aus.

Hübsch aufhängen ist ein Thema für diejenigen, die es bis in den letzten Winkel fein haben möchten. Und mit stoffbezogenen Bügeln ergibt sich ein wohnliches, ländliches Ambiente.

wie man es selbst machen kann
untere Naht per Hand

Eigentlich biete ich Kleiderbügel z.B. über Etsy oder meinen eigenen shop meist im Set von drei Stück an. Meine Gedanke ist, dass Garderoben, insbesondere die im Kinderzimmer durch die Bügel aufgehübscht werden können. Außerdem behalte ich als Hobby-Unternehmerin so den Überblick über meine Materialbstände, weil die Bestellmenge begrenzt ist. Diesmal kam es aber anders. Es sollten mehr sein, 30 Stück! Ich kontrollierte meinen Materialbestand und sagte zu.

So freut es mich, dass wahrscheinlich ein ganzer Kleiderschrank eine Wandlung zum ländlich Feinen erfährt.

30 Stück für einheitliches Inneres eines Kleiderschranks

Neben dem Ambiente, das die Kleiderbügel schaffen, sind sie noch für mehr verantwortlich. Da sie gepolstert sind, ergeben sich keine häßlichen Schulterbeulen an empfindlicher Kleidung. Es rutscht auch nichts so schnell vom Bügel. Das Geklapper im Kleiderschrank beim Suchen nach einem bestimmten Kleidungsstück fällt dank Stoff und Füllung eher leise aus.

Wer also auch so etwas in Erwägung zieht: Ab und zu kann ich ein solches Projekt umsetzen, ggf. mit Wunschstoff, den man zuvor bestellt. Bitte in einem solchen Fall den email-Kontakt wählen.

Schnittmuster abnehmen mit Innennähten

Ein gut sitzendes Kleidungsstück soll nachgenäht werden? Wie das gehen kann? Das zeige ich euch am Beispiel eines bequemen Gartenkleides.

Vorab: Wenn das vorhandene Kleidungsstück kompliziert geschnitten ist, wenn es z.B. viele Abnäher aufweist und eng anliegend sozusagen maßgeschneidert sitzt, dann wird es mit diesem einfachen Verfahren nicht gehen und ihr solltet doch zu einem gekauften Schnittmuster greifen. Wenn es aber um ein T-Shirt, ein schlauchförmig geschnittenes Kleid, eine Pyjamahose oder Leggings oder einen Pullover geht, dann ist das Verfahren erfolgversprechend.

In meinem Fall ging es um ein zwar zusammengesetztes, aber glatt geschnittenes Gartenkleid meiner Gartenfreundin Barbara mit dem Wunsch, die bequeme Weite für die Gartenarbeit zu kopieren.

soll kopiert werden

Das Kleid hat keinen Verschluss, sondern ist weit ausgeschnitten. Es hat eine obere Passe, an die sich bogenförmig der Rockteil anschließt.  Es war der Wunsch, die kurzen Ärmel etwas zu verlängern und die in der Seitennaht mit gefassten Taschen etwas zu vergrößern.

Zunächst einmal habe ich das Leinenkleid gebügelt, damit nicht durch Knautschen und Knittern das Abnehmen des Schnitts evtl. zu klein ausfallen würde. Das Kleid habe ich dann exakt mittig gefaltet, sodass die Falte dem späteren Stoffbruch entsprechen und der Schnitt symmetrisch gelingen kann.

Passenteil gefaltet

Es kommen nun übereinander, eine weiche Unterlage, Kopierpapier (bei  mir Reste alten Makulaturpapiers) und darauf das gefaltete Kleidungsstück, wobei nur der obere Teil zunächst interessant ist.

Die Außenlinien Mitte und Seite sowie Schulterlinie kann man mit Stift zeichnen.

außen zeichnen

Nun zu der Innennaht, die man nicht einfach einzeichnen kann. Es wird auch klar, wieso man eine weiche Unterlage braucht. Sie dient dazu, dass Stecknadelpunkte auf dem Papier sichtbar werden, weil durchgestochen wird. Für die gebogene Ansatznaht zum Rock wird nämlich mit Stecknadeln in kleinen Abständen durchgestochen, sodass auf dem Papier eine gepunktete Linie sichtbar wird. Ebenso wird mit der Ärmelnaht  und der niedriger sitzenden vorderen Ausschnittkante verfahren. Damit ist der Passenschnitt für vorne und hinten in einem entstanden. Er wird erst im Stoffbruch für den Rücken und nach Abschneiden zum tiefer liegenden Ausschnitt für vorne im Stoffbruch für das Frontstück verwendet.

an Punkten mit Stecknadeln durchstechen

Zu bedenken ist aber, dass der Schnitt für hinten eine etwas höhere Schulternaht bekommen sollte. Das kann man aber einfach später realisieren, indem die „Nahtzugabe“ an der Schulter für hinten ca. 1 cm breiter angelegt wird. Der eine Zentimeter der Zugabe ist dann später der etwas  höhere hintere Schulterbereich.

Um den Rockteil zu schneiden, habe ich wieder den Passenschnitt genommen. Seine untere gebogene Linie ist die gebogene obere Kante des Rockteils. Am Kleid habe ich dann die seitliche und mittlere Länge sowie die Saumweite (geviertelt) abgemessen und habe damit die unteren Endpunkte, die ich auf dem  gefalteten Stoff gleich abtragen kann. Der äußere Endpunkt der Passe und der untere äußere Punkt des Rocks werden in einer etwas gebogenen Rocklinie verbunden bzw. gleich geschnitten.

Mit dem Ärmel ist das nun so eine Sache. Bei einem breiten T-Shirt z.B. steht der Ärmel seitlich quer ab. Dann ist es möglich, die obere Linie im gefalteten Zustand als Stoffbruch zu nehmen und wie oben beschrieben auch mit dem Ärmel zu verfahren. Ist jedoch eine schöne Armkugel ausgebildet, lässt sich das ohne Zerschneiden des Kleidungsstück schwerlich abnehmen. Einige youtube-Videos zu diesem Thema habe ich mir an dieser Stelle angesehen und habe so meine Zweifel, ob das gut gehen kann. Es ist wohl nötig mit Abmessen und Konstruieren zu verfahren. Dazu gibt es eine detaillierte Anleitung im Netz: https://www.braandbee.com/aermel-schnittmuster-selber-machen/, mit der ich weitergearbeitet habe. Sie ermöglicht auch jede Ärmellänge.

So wurde das Kleid fertig und bekam auch große Taschen mit Längsfalte. Oben ist das Kleid eingefasst. Der Stoff wiederholt sich als Abschluss der Ärmel.

Und wie erwartet: Es passt und macht große Freude!

Gartenkleid für Barbara
große Freude, aus Datenschutzgründen nicht zu sehen

Da ich mir die Mühe gemacht habe, insbesondere mit den Ärmeln, werde ich das Schnittmuster in XL noch digitalisieren und bald zur Verfügung stellen.

Das Kleid ist ein Dank für Stoffe, die ich aus dem aufgelösten Haushalt von Barbaras Mutter erhielt. Die Dame ist nun mit 91 ins Altersheim gezogen. Sie hatte wie ich viel genäht und ihren Garten geliebt. Nun fühlt sie sich am neuen Ort aber wohl und genießt es, versorgt zu werden. Das macht irgendwie Hoffnung.

Einen der Stoffe hatte ich schon verarbeitet, Lenis erstes Drehkleid mit Tellerrock war daraus entstanden.

Lenis Drehkleid, Schnittmuster im shop

Shopper aus einem Stück

raffinierter Schnitt

Über einen Pin bei Pinterest bin ich auf einen Zuschnitt für eine Tasche gestoßen, den ich ausgesprochen raffiniert finde, weil die Tasche aus einem Stück heraus gefertigt wird.

Wenn sie aus Filz, Softshell, Leder oder Kunstleder hergestellt wird, kann man die Tasche mit einer einfachen Naht nach Zusammenklappen der Enden hinbekommen. Stoff als Grundlage verlangt dagegen eine Einfassung, die man rundherum anbringt. So können auch zwei Lagen, nämlich Außenstoff und Futter zusammen gefasst werden.

Ich überlegte, ob es auch ohne Einfassung gehen könnte. An einer Version ohne Einfassung habe ich dann herum gebastelt und kann nun vorstellen, wie hier vorzugehen ist.

mein Schnittmuster auf DINA4 Blättern

Zunächst einmal habe ich von der obigen Schemazeichnung ausgehend, einen Schnitt zum Ausdrucken kreiert. Er lässt sich nach Ausdruck der Einzelseiten zusammensetzen und ausschneiden.

Man benötigt dann ein Stoffstück mit den Maßen 40 cm x 140 cm, für ein Futter noch einmal dasselbe. Am besten, man legt beide Stoffe aufeinander und schneidet dann gemeinsam zu. Dabei wird der Schnitt einmal an der schmalen Kante des langen Stoffstücks angelegt, mit Kreide wird nachgezeichnet. Danach wird der Schnitt zu anderen Hälfte gekippt und seitenverkehrt gedreht. Wieder kommt die Kreide zum Einsatz. Dann wird zugeschnitten, die Nahtzugabe ist im Schnitt schon enthalten.

innen und außen gemeinsam zuschneiden

Will man eine zusätzliche Tasche außen haben, wird diese auf eine Außenseite aufgenäht.

optional Außentasche

Jetzt wird es nicht mit dem Nähen, aber mit dem Wenden ein wenig kniffelig. Aber es gibt Lösungen für die Enge des Schultergurts! Es bleibt jedenfalls bei dem riesigen Vorteil, dass der Schultergurt aus der Tasche herausgeht und selbst nicht zusammengenäht wird – eine echt stabile Lösung!

Zunächst einmal werden Außen- und Innenstoff rechts auf rechts zusammengelegt und gesteckt. Dann wird knappkantig zusammen genäht. Aber: Es ist eine Wendeöffnung unten an der Tasche, an der Hälfte, die die Tasche trägt, vorzusehen. Und außerdem ganz wichtig, es gibt auch eine Öffnung an einer Seite des Schulterbereichs, denn das ganze Nähgut muss durch diesen schmalen Bereich gewendet werden. Nach dem Nähen müssen Nahtüberstände an kritischen Stellen gestutzt werden, so an Ecken und an Rundungen. Ich empfehle die Zackenschere für die Rundungen. Dann geht es ans Wenden. Die Fotos sind dabei sicher hilfreich.

Nahtunterbrechung im Schulterbereich
Wenden über den Schulterbereich
zigarrenartiges Zusammenrollen vor dem Wenden

Das Wenden gelingt nur, weil es eine Nahtaussparung am Schultergurt gibt und weil der durchzuziehende Taschenbereich schmal aufgerollt wird, um durch den Schulterbereich zu passen.

vor dem Absteppen

Wenn das geschafft ist, müssen die Außenkanten von innen gut auseinander gedrückt werden. Ich nehme dazu ein langes Lineal oder eine Stricknadel. Stück für Stück geht es dabei weiter und es wird jeweils eine Stecknadel gesetzt. Die Bereiche an der Schulter und am Boden, die noch nicht genäht sind, werden dabei mit eingeschlagen gesteckt. Beim anschließenden Absteppen werden die Bereiche in einem mit geschlossen.

Jetzt ist das Ganze noch ein langes, doppeltes, sauberes Gebilde. Die Tasche entsteht, indem man nun passend zusammen faltet und entlang der Steppnaht im Taschenbereich noch einmal näht, allerdings nicht mit großzügigen Steppstichen, sondern mit kleiner Stichlänge, damit die Tasche auch Gewicht aushalten kann.

Zusammenfügen der Taschenhälften

Voilà, dann ist sie fertig.

Mit dieser Stoffwahl – übrigens ein nicht mehr benötigter Vorhang und ein gefärbtes Leinentuch aus dem Wäscheschrank meiner verstorbenen Mutter – gehe ich wohl im Rosenmonat Juni einkaufen.

in Funktion

Den Schnitt stelle ich im shop kostenfrei zur Verfügung.

Bei der Gelegenheit: Es gibt ein Angebot zu einer Boho-Tasche und zu einem Schnittmuster für eine Kinderwagentasche in meinem shop: