Glockig geschnitten – très chic

Es gab einen langen Nähtag, weil Handwerker meine Wohnung in Beschlag nahmen, nur im Nähzimmer war es gemütlich.

Der robuste, dehnbare, mädchenhafte Jeansstoff mit Schmetterlingen lag schon länger da und wartete auf Verwendung. Da er etwas fest ist, wollte ich ihn nicht für einen gekrausten Rock verwenden. Ich suchte also nach alternativen Schnitten gegenüber dem Üblichen. Ein Kleid in A-Linie wäre sicher möglich gewesen, ich fand das aber diesmal zu langweilig. Im Heft Ottobre Kids 6/17 wurde ich fündig. Es gab einen Mädchenkleidschnitt in 140 mit glockigem Rock. Da das Kleid ärmellos war, kombinierte ich den Schnitt mit einem weiteren, der 3/4-Ärmel mit glockigem Abschluss vorsah. Ich hatte keine Sorge wegen der Kombination, weil ich mir denke, dass alle Schnitte bei Ottobre einem Grundmodell entstammen, und schließlich sind die Körpermaße für alle Modelle gleich angegeben.

Weitere Veränderungen habe ich vorgenommen. Der Halsausschnitt ist mit Schrägband eingefasst, ebenso die Säume an Ärmelvolant und dem Rock. Schließlich leistet mein Bändchenfasser hier schnell gute Arbeit. Den Rücken habe ich nicht mit Reißverschluss versehen, denn ich bin ein Fan nachhaltiger Lösungen und da heißt es Knopfleiste! Beim Zuschneiden musste ich deshalb im Rücken entsprechend Stoff zugeben. Der Rock schließt daran mit einem eingefassten kleinen Schlitz an und es entsteht eine kleine Überlappung am oberen Rock unterhalb der Knopfleiste. Ein Satinbändchen schmückt die Kante zum Volant, so ist es etwas festlich. Wenn Leni das nicht mag, ist sie inzwischen in der Lage, das abzutrennen.

Ich denke, das Kleid wird gute Dienste leisten, weil es einerseits robust und bequem ist (dehnbarer Jeansstoff) und andererseits auch für feinere Anlässe geeignet ist (wegen des Schnitts).

Dann eben Zusammensetzen!

Mit größer werdenden Enkelkindern wird es immer schwieriger, aus brauchbaren Stücken abgelegter Kleidung etwas zu zaubern. Upcycling kommt so an gewisse Grenzen. Aber wenn genug Material im Fundus zur Bearbeitung liegt, finden sich Stücke, die zusammenpassen, die kombiniert werden können und die eben ein zusammengesetztes neues Kleidungsstück ergeben. Das Zusammensuchen macht sogar wirklich Freude, bis eben eine Vorstellung entsteht.

Der rote und graue Stoffanteil entstammt zweier Herren-T-Shirts, der Motivstoff ist ein Reststück, das nur noch für einen kurzen Rock reichte.

Erst wollte ich die Ärmel ganz in rot halten, fand aber dann, dass sich der untere Stoff oben wiederholen sollte. So habe ich die Ärmel auch zusammengesetzt. Schnitte lassen sich einfach zerschneiden und an den Schnittkanten ist dann die Nahtzugabe zuzurechnen.

Das Kleid hat die Größe 140 und ist für Leni.

Für die kleinere Lotta wurde entsprechend verfahren. Zwei T-Shirts ergaben das Oberteil, der Rock ist ein neuer Motivstoff.

So sind beide Schwestern zusammengesetzt mit neuen Kleidchen versorgt worden und abgelegte Kleidung Erwachsener hat eine neue Verwendung gefunden.

Stoffe kombinieren

Dieses Thema zieht sich durch meinen gesamten blog. Denn beim Upcycling steht nicht immer ausreichend Stoff aus einer Quelle für ein Projekt zur Verfügung. Die Passe eines Mädchenkleids lässt sich vielleicht realisieren, aber leider fehlt Stoff für den Rockteil. Auch Stoffreste sind meist zu klein für ein ganzes Kleidungsstück. So muss also kombiniert werden. Ich verweise auf verwandte Artikel:

So entstand wieder einmal ein Stoff kombinierendes Kleid. Dabei neige ich dazu, Harmonisches zu kombinieren: die Stoffe haben ähnliche Farben, die Stoffe fühlen sich ähnlich an, Buntes wird durch Uni beruhigt usw.. Die Passe wurde aus einem Stoffrest gefertigt, ein Stück dunkelroter Cord lag noch im Fundus. Die Farbe passte genau zu den Blüten des rosaroten Musselins, den ich schon im vorhergehenden Projekt verwendete.

Da der Cordstoff nicht elastisch ist, musste eine Schließung her. Im Rücken wurde eine Knopfleiste gearbeitet und verschieden farbige schöne Knöpfchen wurden schmückend gesetzt.

Schnelles Kleidchen

Ja, wenn ich meinen easy-peasy-Schnitt verwende, ist schnell ein neue Kleidchen entstanden.

Gemusterte Stoffe wie diesen bedruckten Musselin kombiniere ich gerne mit Unistoffen. Im Fundus fand sich ein passender weicher Stoff zum Musselin. So folge ich wieder einmal dem Verfahren, dass Rockteil und Passenteil aus verschiedenen Quellen stammen und ein halbes Upcycling-Kleid genäht wird. Allerdings musste ich in der Passe eine vordere und hintere Mittelnaht vorsehen, damit ich auskam.

Die Passe habe ich diesmal bogenförmig gestaltet, damit es nicht zu langweilig aussieht.

Die Mühe, den hinteren Halsausschnitt mit Streberstreifen zu versehen, habe ich mir gemacht, dies deshalb, weil der Passenstoff ziemlich franselig ist. Zu Streberstreifen habe ich schon vieles veröffentlicht. Es lohnt sich, sich damit zu befassen: https://sewtonew.blog/2021/11/01/streberstreifen-beim-upcycling/, https://sewtonew.blog/2021/11/11/streberstreifen-aussen/, https://sewtonew.blog/2023/03/13/nicht-ohne-streberstreifen/

Wenn man in den angeschnittenen Ärmel hinein sieht, entsteht die Vorstellung, dass es noch besser wäre, auch die Ärmelausschnitte mit Streberstreifen zu versehen. Beim nächsten Mal!

Wer sich für den Ruck-Zuck-Schnitt interessiert, hier gibt es den link: