Schnitte kombinieren und abändern

Ich hatte einen neuen Trend wahrgenommen, es entstand eine Vorstellung, aber es fehlte der Schnitt.


Es war mir aufgefallen, dass neuerdings die Mädchen Hosen tragen, die unten weit geschnitten sind. Sie ragen oben über die Taille hinaus. Offensichtlich ist der Hüftabschluss out. Dazu sieht man Oberteile, die nur bis zur Taille reichen. Schön sieht das aus! Die Taille wird betont und damit Weibliches in Szene gesetzt.


So etwas wollte ich nähen!

Nur leider hatte ich dazu keinen Schnitt. Meine Ottobere-Hefte für Kinder bieten außerdem nur selten Schnitte, die über 140 hinaus gehen.

Aber als Vielnäherin, die auch selbst Schnitte kreiert, wird das wohl kein Problem sein. So habe ich mich bei drei Schnitten eines Ottobre-Hefts (kids fashion 3/2020) bedient.

Von dem Kleid nahm ich das Vorderteil, ein verändertes Rückenteil und den Ärmelansatz. Dies ist wichtig, weil Armloch und Ärmeloberkante zusammenpassen sollten. Das Rückenteil hat im Original einen V-Ausschnitt. Von den Ecken der Schulterlinie aus habe ich dann zu einem schwach gebogenen hinteren Halsausschnitt umgestaltet. Rücken- und Vorderteil ließ ich weit über der Taille enden, denn ich wollte ein Volant annähen.


Die Ärmel des Originalschnitts musste ich verlängern. Aber wie lang? Dazu schaute ich in den Schnitt des Anoraks bei entsprechender Größe. Von der Schulter bis zum Ärmelabschluss waren es 50 cm. So lang schnitt ich also den Ärmel.

Um eine Hose passend zu nähen, sind die Bögen der vorderen und hinteren Mittelnaht das Allerwichtigste. Diese konnte ich am Hosenschnitt abnehmen. Nach oben hin verlängerte ich um 4 cm, um einen gekrausten Bereich oberhalb der Taille zu schaffen.


Die Länge der Hose hatte ich an einer gut sitzenden Hose von Cilly abgemessen, das Taillenmaß hatte ich auch genommen. So verlängerte ich passend für Cillys Maß den Schnitt der kurzen Hose, wobei ich in gerader Linie fortfuhr. Ich wollte ja keine nach unten schmaler zulaufende Hose nähen. Außerdem habe ich statt der vorgeschlagenen Seitentaschen seitliche Nahttaschen genäht. Wenn man seine Hand auf den Stoff legt, hat man schnell die Größe einer Tasche im Blick.


Zu guter letzt fiel mir dann noch ein, dass Cilly Fledermäuse mag und außerdem ist bald Halloween. So habe ich aus flauschigem Nickystoff noch eine Applikation aufgebracht. Sie ist mit Leiterstich aufgenäht und zuvor mit Vliesofix fixiert worden.


Das neue Outfit ist aus dickerem Jersey hergestellt, es ist also herbstlich warm. Cilly hat sich gefreut. Es ist als Alltagskleidung gedacht.

Zu Halloween hatte ich schon spezielle Nähprojekte, die vielleicht für den ein oder anderen derzeit interessant sein könnten.

https://sewtonew.blog/2019/10/27/gruselig-zu-halloween/

https://sewtonew.blog/2018/10/01/refashion-zu-halloween/

https://sewtonew.blog/2022/10/16/hex-hex-hex/

https://sewtonew.blog/2017/09/24/vampirkostuem-als-upcyclingprojekt/

Glockig geschnitten – très chic

Es gab einen langen Nähtag, weil Handwerker meine Wohnung in Beschlag nahmen, nur im Nähzimmer war es gemütlich.

Der robuste, dehnbare, mädchenhafte Jeansstoff mit Schmetterlingen lag schon länger da und wartete auf Verwendung. Da er etwas fest ist, wollte ich ihn nicht für einen gekrausten Rock verwenden. Ich suchte also nach alternativen Schnitten gegenüber dem Üblichen. Ein Kleid in A-Linie wäre sicher möglich gewesen, ich fand das aber diesmal zu langweilig. Im Heft Ottobre Kids 6/17 wurde ich fündig. Es gab einen Mädchenkleidschnitt in 140 mit glockigem Rock. Da das Kleid ärmellos war, kombinierte ich den Schnitt mit einem weiteren, der 3/4-Ärmel mit glockigem Abschluss vorsah. Ich hatte keine Sorge wegen der Kombination, weil ich mir denke, dass alle Schnitte bei Ottobre einem Grundmodell entstammen, und schließlich sind die Körpermaße für alle Modelle gleich angegeben.

Weitere Veränderungen habe ich vorgenommen. Der Halsausschnitt ist mit Schrägband eingefasst, ebenso die Säume an Ärmelvolant und dem Rock. Schließlich leistet mein Bändchenfasser hier schnell gute Arbeit. Den Rücken habe ich nicht mit Reißverschluss versehen, denn ich bin ein Fan nachhaltiger Lösungen und da heißt es Knopfleiste! Beim Zuschneiden musste ich deshalb im Rücken entsprechend Stoff zugeben. Der Rock schließt daran mit einem eingefassten kleinen Schlitz an und es entsteht eine kleine Überlappung am oberen Rock unterhalb der Knopfleiste. Ein Satinbändchen schmückt die Kante zum Volant, so ist es etwas festlich. Wenn Leni das nicht mag, ist sie inzwischen in der Lage, das abzutrennen.

Ich denke, das Kleid wird gute Dienste leisten, weil es einerseits robust und bequem ist (dehnbarer Jeansstoff) und andererseits auch für feinere Anlässe geeignet ist (wegen des Schnitts).