Drehkleid – Schnitt selbst konstruieren

Leni wünscht sich ein Drehkleid. Ich vermute, die Mädels in der Schule tauschen sich über solche Kleider aus, sie sind ja auch zu schön.

Vorab: Es ist bei den Überlegungen ein Kleid entstanden.

ein weiter Rock

So habe ich mich umgesehen und auf Pinterest Schönes zusammengestellt. Quelle: https://www.pinterest.de/sewtonew/drehkleid/

Dabei ergibt sich Folgendes:

Die Drehkleider können einen Tellerrock haben, dazu siehe weiter unten, oder aber die Weite wird durch Zusammensetzen von an Dreiecke erinnernde Bahnen erreicht.

Die Bahnenvariante hat den Vorteil, dass Stoffe kombiniert werden können, selbst eine einzelne Bahn kann aus Stoffresten zusammengesetzt werden. Insgesamt ist diese Variante auch nicht so stoffintensiv, der Verschnitt fällt geringer aus.

Für den Ansatz des Rocks gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder setzt der Rockteil in Brusthöhe an oder aber in Taillenhöhe. Der Brustumfang bzw. der Taillenumfang ist dann für die weiteren Überlegungen maßgebend. Man kann also ausgehen von einem ganz sicherlich vorhandenen Schnitt für ein T-Shirt oder Kleid mit oberer Passe und den bis Brust oder Taille verwenden.

Entscheidet man sich statt für einen elastischen Stoff für Webware, ist mit einer Schließung (Knopfleiste oder Reißverschluss) zu arbeiten, die ggf. bis in den Rock hineinragt, wenn eng anliegend gearbeitet wird, daneben mit Belegen, Einfassungen oder aber mit Futter. Im Schnittmuster Elodie werden Raffung und Gummizug vorgeschlagen, um das Kleid überziehen zu können.

Elodie, Quelle Pinterest s.o.

Dann sollte man sich für die Anzahl der Bahnen entscheiden. In jedem Fall muss die Zahl durch zwei teilbar sein, damit das Kleid durchgehende Seitennähte hat. Ich habe auf der Abbildung 8 Bahnen angenommen. Eine Bahn hat oben dann das Maß 1/8 des Brustumfangs bzw. des Taillenumfangs. Von da aus geht es leicht schräg oder gerade nach unten, bis die außerordentliche Weite des Drehkleids über der Hüfte beginnt. Wie breit man hier schneidet, hängt sicherlich von der zur Verfügung stehenden Stofffülle ab und davon, wie weit es werden soll. Will man in etwa (der Kreis Brust/Taille wird dabei vernachlässigt) an einen Tellerrock herankommen, ist die Kreisformel U=2*pi*r hilfreich. Beispiel: Bei einer Rocklänge von 50 cm ergäbe sich ein Umfang von 314 cm, d.h. ein Teilstück von den 8 verwendeten müsste unten eine Breite von ca. 40 cm haben. Bei einem Halbtellerrock wären hier 20 cm anzusetzen. 

Dann noch etwas zur Stoffart. Wird ganz in Jersey gearbeitet, wird einfach mit der Overlock zusammengenäht. Will man jedoch Webware für den Rockteil und Jersey für den oberen Bereich des Kleids nehmen, sollte mittig elastisch zusammengesetzt werden. Wie das geht? Dazu habe ich schon eine Anleitung gegeben.

Anleitung

Die Stoffbahnen sollten also oben eine Zugabe von 1/2 bis 1 cm erhalten, damit sie mittels aufgenähten Gummifaden etwas gerafft und elastisch sind. Das Kleid kann dann trotz Webware und fehlender Schließung einfach übergezogen werden. In folgenden Projekten habe ich schon damit gearbeitet: https://sewtonew.blog/2021/05/07/easy-peasy-kleidchen-aus-bettwaesche/ und https://sewtonew.blog/2022/01/17/drei-enkeltoechter-erster-blick-in-den-sommer/

Lenis neues Kleid hat diese Kombination aus Jersey und Webware. Die Webware ist Upcyclingstoff, ein Kinderbettbezug wurde wieder einmal verwendet.

Kleid mit weitem Bahnenrock

Die Tellerrockvariante geht auch von Brust- oder Taillenumfang aus. Dieser Umfang muss dem Umfang des kreisförmigen Lochs des Tellerrocks entsprechen bzw. dem Innenmaß des Halbkreises beim Halbtellerrock. Die Überlegungen habe ich schon einmal angestellt und sie sind hier zu übertragen.

Leni wird das Übungskleid anprobieren. Ich denke, ein weiteres Stück ganz aus Jersey wird noch etwas an Weite zulegen. Beim Übungsstück war ich durch den Rapport des Stoffes begrenzt. Ich denke auch, dass ich das nächste Kleid bis zur Taille noch schmaler schneide. Demnächst also weitere Fotos zu diesem Projekt Drehkleid! Und ich vergaß: Lotta wünscht sich auch eins. Kleinere Kleidchen wird es so auch geben. Die Grundüberlegungen stehen ja nun und so wird das Nähen leicht von der Hand gehen.

Drei Enkeltöchter – erster Blick in den Sommer

Es gab Lust aufs Nähen und im Fundus lag noch ein attraktiver Upcycling-Stoff, nämlich abgelegte Kinderbettwäsche. Zu deren Verwendung habe ich mich schon mehrfach geäußert, denn Kinderbettwäsche wird selten verschlissen, dazu ist die Nutzungsdauer zu kurz. Die Muster eignen sich für Kinder und meist sind die Stoffe auch robust und kochfest.

So habe ich ein Projekt für die drei Enkeltöchter Leni, Cilly und Lotta wiederholt und sozusagen ratz-fatz drei Kleidchen genäht, dies in Größe 104, 128 und 134.

drei Kleidchen im Partnerlook
aller guten Dinge sind drei

Die Passe ist aus Jersey und der Rockteil ist aus der abgelegten Bettwäsche geschnitten. Wie man Jersey und Webware geschickt und dehnbar verbindet, findest du in dem zugehörigen Artikel: https://sewtonew.blog/2021/05/07/easy-peasy-kleidchen-aus-bettwaesche/

Die Kleidchen sind natürlich insbesondere für den Sommer gedacht, aber mit einem passenden Longshirt drunter funktioniert der Schnitt auch für kältere Übergangszeiten.

Der Schnitt ist der wirklich einfache für Nähanfängerinnen:

easy-peasy-Schnitt

und den gibt es auch für Sommer T-Shirts:

So habe ich die graue Zeit und das scheußliche Wetter für Vorfreuden auf bessere Zeiten genutzt.

Upcycling Pullover zu warmen Kleidchen

Bei Pullovern zeigt sich die Güte der Garne schnell. Kurze Fasern führen beim Tragen zu unansehnlichen Knötchen auf den strapazierten Stellen. Selbst wenn der Rücken noch in Ordnung ist, gebe ich sie dennoch zu den Altkleidern. Es lohnt dann ein Upcycling nicht, weil gerade Kinderkleidung etwas aushalten muss. Teilstücke, die jetzt noch in Ordnung sind, werden es so bald nicht mehr sein.

Aber im Fundus befinden sich auch Pullover besserer Qualität. Und die schönen Stücke geben zumindest Passen und Ärmel von Kleidchen her, die dann speziell im oberen Teil schön angenehm und warm werden. Ich rate auch dazu, die Taillenbündchen sauber abzutrennen, sie zu verwenden oder für spätere Projekte aufzubewahren. Die Strickbündchen machen sich als Halsbündchen prima.

blauer Baumwollpullover verwendet
Details zum Aufhübschen

Entstanden ist dieses Kleidchen für Lotta aus einem blauen Baumwollpullover, einem gepunkteten Baumwolljersey und Stoffrestchen. Es geht beim Upcycling dann immer um das kindgemäße Aufhübschen der Kleidungsstücke. Diesmal habe ich die runden Taschen aus einem Kinderstoff mit Bärchen gefertigt und farblich passende Akzente mit Multicolor-Bauschgarn in Covernähten gesetzt. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Style.

dicker Pullover in beige verwendet
Aufhübschen mit Stoffrestchen

Bei diesem Beispiel kam ein dicker, guter Pullover in beige zu Einsatz. Kombiniert ist er mit gepunktetem Babycord ebenso in beige. Kindgemäß wurde es in sehr einfacher Weise: Aus einem Stoffrestchen noch von Petras Kinder-Kissenbezug schnitt ich die Tierchen aus und applizierte Stückchen, die an Briefmarken erinnern. Unten habe ich den Saum mittels Covernaht wieder in Multicolor-Bauschgarn realisiert.

Pullover von Opa Heinz landeten so bei der Enkelin Lotta. Es freut den Opa, die Enkelin und die Nähoma.

Jerseyschnitte für Webware verwenden – Geht das?

Es geht, aber zunächst:

Dehnbare Stoffe sind sehr beliebt, in der Mode, ebenso bei Näherinnen, denn einerseits sind die Kleidungsstücke bequem, andererseits ergibt sich keine Maßschneiderei und Kompliziertes beim Nähen. Wie schnell ist beispielsweise ein Halsausschnitt mit Bündchenstoff gefertigt!

Dennoch verliebt man sich zuweilen in besonders schöne Stoffe, die aber nicht dehnbar sind. Was ist dann zu tun? Sind die Schnitte, die für elastische Materialien konzipiert sind, dann zu verwenden. Ja, aber! Mit ein paar Veränderungen gelingt die Anpassung.

Bei diesem Kleidchen wurde ein Schnitt für elastischen Stoff – mindestens 20 % Elastizität – verwendet. Um bequeme Weite zu schaffen, habe ich den Schnitt, statt ihn an den Stoffbruch für vorne und hinten anzulegen, vom Stoffbruch 4 cm weggerückt und damit Falten vorne und hinten vorgesehen. Vorne oben habe ich die Falte ein klein wenig zugenäht, dann springt sie auf, um insbesondere in der Höhe der Achseln Bewegungsfreiheit zu geben. Statt ein Bündchen anzunähen, habe ich den Halsausschnitt eingefasst. Natürlich muss es oben einen Verschluss geben, denn es dehnt sich ja nichts, derweil das Kleidchen übergezogen wird. Dieser befindet sich hinten und ist in Verlängerung der Falte angelegt.

Dazu habe ich schon einmal eine Anleitung gegeben, die es wirklich einfach macht.

Das Kleidchen ist für Lotta. Katrin hatte sich diesen Stoff und diese Art noch einmal gewünscht. Ich habe den dunklen, robusten Pünktchenstoff mit einem Upcyclingstoff, ehemals Mutters Shirt, kombiniert. Farbliche Akzente habe ich mit rotem Bauschgarn und Zierstich gesetzt.

Passen vorteilhaft für Mädchenkleider

Schnitte für Mädchenkleider, bei denen über dem Rockteil oben bis in den Brustbereich oder bis zur Taille eine Passe vorgesehen ist, haben mehrere große Vorteile.

Wenn Stoffreste nicht mehr für ein ganzes Kleid reichen, lassen sich passende Stoffreste kombinieren, damit ein Kleid statt nur einer Tunika entstehen kann.

Ebenso reichen Upcyclingstoffe für die größeren Kindergrößen ab 122 meist nicht mehr. Nur Oberteile oder aber Röcke sind dann ganz aus dem abgelegten Kleidungsstück Erwachsener realisierbar.

Und es gibt noch etwas ganz Wichtiges: Kinderstoffe sind meist sehr unruhig oder aber opulent im Ausdruck. Ein Kleid vollständig aus einem solchen Stoff wirkt nach meiner Ansicht zu unruhig und nicht fein. Geschickter ist es, einen Motivstoff mit einem zurückhaltenden Exemplar zu kombinieren.

starkes Motiv und feine Pünktchen

Bei diesem Kleid habe ich einen Stoffrest (mit der Eisprinzessin) kombiniert mit einen dunkelblauen Jersey, der kleine heller blaue Pünktchen trägt.

Covernähte

Abschlüsse an diesem Kleid habe ich mit flachen, dehnbaren Covernähten realisiert.

Mickystoff mit Altrosa

Bei diesem Exemplar habe ich einen rosafarbenen Pullover von Mutter kleiner genäht und mit einem Stoffrest – Motivstoff mit Micky Mouse – kombiniert, der die gleiche Farbe rosa aufweist.

Pulloverrest und Stoffreste

Ein hellblauer Pullover wurde mit Stoffresten kombiniert. Das Halsbündchen ist wie so oft aus dem unteren Bündchen des Pullovers entstanden. Dunkelblaues Bauschgarn setzte in Ziernähten und als Rollsaum Akzente.

Pullover und Stoffrest
Lillestoff zum Advent

Den Weihnachtsstoff von Lillestoff hatte ich schon einmal verwendet, https://sewtonew.blog/2019/12/11/halbes-upcycling-geht-auch/. Es war noch etwas übrig. Da er nicht für die volle Länge in Größe 134 reichte, habe ich Mutters rote abgelegte Jacke im Passenteil mit verwendet. Dennoch fehlte Länge. Da der Stoff einen Rapport hat, konnte ich die Länge nur durch geraffte, aneinander gesetzte Streifen erreichen.

An dieser Stelle verweise ich auf zwei meiner Schnitte für Stoffmix ebenso auf fertige Mädchenkleidung: ➜

Streberstreifen außen

Manchmal packt es mich, so wieder einmal beim Ausräumen der Beutel abgelegter Kleidung von Christl. Ein Strickkleid in anthrazit fiel mir sofort ins Auge. Leni ist sehr hautempfindlich und liebt bequeme Klamöttchen. Das sehr dehnbare, schlichte und durchgehend geschnittene Stickkleid mit 3/4-Ärmeln macht ein Upcycling leicht. Nur muss einem etwas einfallen, damit das gedeckte Kleid kindgerecht wird. Mir ist etwas eingefallen, weil schon lange ein schön karierter Schlafanzug von Opa Heinz im Fundus wartete. Sein zweites Leben begann nun.

Lenis neues Strickkleid

Aus der Schlafanzugfront nahm ich Stücke für die aufgesetzten Taschen. Ich drehte die Stücke so, dass die Kante mit Paspel und Beleg, die zuvor die Knöpfe trug, nach oben zeigt. So musste ich keinen neuen Taschenabschluss nähen. Ebenso aus der Front nahm ich Stücke, um die Ärmel zu verlängern. Beim Tragen werden die karierten Stücke so parallel liegen.

verlängerte Ärmel

Und jetzt etwas Neues, das ich zuvor noch nicht verwendete. Vielleicht fiel es mir ein, weil ich schon umfangreiche Erfahrungen mit Streberstreifen hatte: https://sewtonew.blog/2021/11/01/streberstreifen-beim-upcycling/. Die obere Kante des gestrickten Schalkragens nahm ich für das Halsbündchen. Ich habe den Streifen verkleinert und mit Wabenstich zusammen geführt. Doppelt wollte ich den Strickstoff nicht verwenden.

Anders als sonst habe ich dann die Overlocknaht nach außen schauen lassen und sie mit Streberstreifen versäubert.

So erhält das Kleid auch im oberen Bereich etwas Frisches und gleichzeitig ist die Naht verschwunden. Das fand ich überaus chic.

Halsbereich
Streberstreifen außen!

Gesäumt ist das Kleid mit Coverlock. Das ging wieder leicht trotz des sehr dehnbaren Strickstoffs, und ich habe zuvor nur stecken müssen.

Es zeigte sich, dass das Upcycling-Kleid für Leni noch zu groß ist, so freut sich die Cousine Clara über Mutters Kleid in passendem, neuen Look.

große Freude bei Clara

Mädchenkleider aus Webware – dennoch leicht

Nähanfängerinnen wählen nicht umsonst dehnbare Stoffe für ihre ersten Projekte. Dehnbare Stoffe verzeihen kleine Abweichungen vom Schnitt. Nicht umsonst ist die Modeindustrie auf die Größenbezeichnungen S, M L, XL gekommen, mit dehnbaren Materialien kommt es sich nicht so genau.

Mit Webware werden Mädchenkleider häufig mit oberer Passe und für die Bequemlichkeit mit gekraustem Rockteil gearbeitet. Die Passe ist dann geknöpft oder hat einen Reißverschluss und ist gefüttert bzw. doppelt gearbeitet. Das ist natürlich aufwändiger als eine Kleidchen quasi als langes, ausgestelltes T-Shirt zu arbeiten.

Aber auch mit Webware kann es leichtes Nähen und Bequemlichkeit geben.

Das Kleidchen für Lotta ist aus grauem, gepunktetem Flanell gearbeitet. Ein echtes Herbstkleid! Es wurde aus nur zwei Teilen plus den Raglanärmeln zusammengesetzt. Raglanärmel gelingen auch Nähanfängerinnen. Vorder- und Rückteil haben im Stoffbruch eine Falte, damit es bequem wird. Hinten gibt es einen geknöpften Schlitz, damit das Kleidchen überhaupt angezogen werden kann. Mir ist dazu wirklich etwas eingefallen, wie das nämlich leicht zu arbeiten ist, ohne dass der Rücken aus zwei oder mehr Teilen bestehen muss.

Ich verweise also erneut auf meinen ➜ Nähtipp: https://sewtonew.blog/2018/09/05/naehtipp-knopfleiste-und-falte-in-einem-zug-herstellen/

Da das Kleidchen einen zurückhaltenden Stoff hat, habe ich mit gestickten Zierbändern gearbeitet, am Saum, an den Ärmeln, an den Taschen und am Hals. Meine gute, alte Nähmaschine hat mehrere Zierstiche und ich erinnerte mich an die neuen Erfahrungen mit Bauschgarn. Damit werden die Zierstiche wirklich attraktiv, wie sich zeigte. Lottas Wunsch entsprechend habe ich eine fertige Applikation von Peppa auf der Tasche aufgebracht. Der Stoff in rosa an Ärmel, den Taschen und am Hals – so denke ich – rundet die Sache farblich ab.

Den gut kombinierbaren grau gepunkteten Flanellstoff biete ich im shop an, https://sewtonew.blog/product/baumwollflanell-grau-gepunktet/, fertige Mädchenkleidung dort ebenso.

Covern an Cillys Kleidern

Im vorangegangenen Artikel hatte ich über meine neue Nähmaschine und die ersten Übungen mit Covern berichtet. Nun traf es sich, dass der Wunsch nach neuen Sachen für den Herbst geäußert wurde. Also geht es weiter auch mit Coverübungen.

klassischer Schnitt für Jersey mit Ärmeln

Es stellt sich heraus, dass das Säumen eines elastischen Stoffs mittels Covern ein Kinderspiel ist. Das leichte und schnelle Nähen des Saums stellt alle bisherigen Versuche mit den Stichmöglichkeiten der normalen Nähmaschine in den Schatten. Ich habe nur zuvor gesteckt und dann gleich genäht. Der Saum gelingt mühelos ohne hässliches Dehnen des Materials. Vorbereitende Arbeiten waren nicht vonnöten.

Ebenso kann ein schmaler und feiner Halsabschluss ohne Probleme realisiert werden. Der zum Ring geschlossene und gefaltete Jerseystreifen wird nur gedehnt untergesteckt und dann gleich festgenäht. Es entsteht ein flacher Abschluss ohne ein Zuviel an Fäden.

Für das zweite Kleid gilt die gleiche Überzeugung, dass Covern wirklich die Arbeit erleichtert.

Cillys zweites Herbstkleidchen

Die verwendeten Stoffe waren sämtlich Reststücke aus ehemaligen Projekten. Ich denke, dass die Kombinationen farblich und vom Muster her harmonieren. Der verwendete Ottobre-Schnitt aus dem aktuellen Heft scheint mir sehr weit auszufallen. Ich hatte Größe 128 gewählt. Falls die Kleider zu groß sind – die Anprobe wird es zeigen – sie passen mit den Ärmeln auch noch im nächsten Frühjahr.

Covern – jetzt wird es weich und professionell

Mit meiner neuen Bernette b48 funlock habe ich eine erste Übungsrunde durchlaufen. Es ist immer etwas aufregend, Neues zu erproben. Wird man mit der neuen Maschine und den neuen Möglichkeiten Freund? Ich denke, das wird es!

Die Maschine ist eine kombinierte Cover- und Overlock mit zahlreichen Stichvarianten. Es bedarf ein wenig der Übung, sie zu den jeweiligen Arbeitsschritten umzurüsten, sprich im wesentlichen neu einzufädeln. Aber wenn man es durchdacht hat, geht es dann immer routinierter. Noch muss ich im Anleitungsheft die jeweils empfohlenen Fadenspannungen für die Stichart nachlesen, aber das Umrüsten ansich ist schnell klar. Klar ist auch, dass der Arbeitsprozess durchdacht werden sollte, damit es bei einem Projekt, sprich einem Kleidungsstück, nur einmal nötig wird umzurüsten. Die Planung von Arbeitsschritten bin ich aber gewohnt, weil mein Arbeitstisch nur Platz für eine Maschine hat. So habe ich schon immer reflektiert, wann ich die normale Nähmaschine und wann die Overlock benutze, damit, wenn es gut geplant ist, nur einmal die Maschine auf dem Tisch gewechselt werden muss.

Nun aber zu den ersten Näherfahrungen:

Meine Übungsprojekte waren zwei Kleidungsstücke für Cilly. Ein bunter, feiner Jersey und ein doppelter, wendbarer Sweat waren die Stoffe, wichtig für die unterschiedlichen Erfahrungen, denn der eine ist dünn und sehr elastisch und der andere dicker und weniger elastisch. Der Schnitt ist von Ottobre für eine glockige Tunika, im Falle des Sweatstoffes habe ich den Schnitt vorne bogenförmig unterteilt.

Der Coverstich ist vor allem für dehnbare Säume verwendbar. Und die Sache hat mich wirklich überzeugt! Von Bedeutung ist hier auch der glockige Schnitt und die damit stark gebogene Saumlinie. Ohne Cover habe ich das meist so gemacht: Um den inneren Stoffüberschuss beim Umschlagen zu bändigen, habe ich zunächst die untere Kante eingehalten, entweder mit dem Geradstich der normalen Maschine mit Stichlänge 5 und leichtem Zurren zum leichten Kräuseln oder aber mit der Overlock und Einstellung des Transports auf leichtes Kräuseln. Anschließend habe ich mich dann entweder für die Zwillingsnadel und somit für eine sichtbar doppelte Nahtlinie oder aber für den Wabenstich entschieden. Innen hat das Kleidungsstück dann in jedem Falle viele Nahtfäden – nicht schön! Nun wird komfortabler und mit weniger Nahtgewimmel gesäumt:

Covernaht zum säumen

Den glockigen Saum mit durchaus Stoffüberschuss im Innern habe ich lediglich gesteckt, dies mit kurzen Abständen der Stecknadeln und genauem Umschlag, damit der Saum überall exakt gleich zu liegen kommt. Denn beim Covern ist die Rückseite nicht zu sehen und es ist sicherzustellen, dass die rückwärtigen Schlingen noch auf der rechten Seite des Stoffs liegen, ansonsten wäre der Saum nicht überall angenäht. Dieses Vorgehen unterscheidet sich aber nicht vom Aufwand, den man bei Verwendung der Zwillingsnadel oder des Wabenstichs hat. Ich habe dann den dreifädigen Coverstich in breit gewählt. Zu meinem Erstaunen gab es keinerlei Fältchen auf der Rückseite, das Nähgut wurde ohne jede Schwierigkeit exakt transportiert, dies bei Standardeinstellung des Nähfüßchendrucks. Damit sieht der Saum vorne wie hinten perfekt aus.

Bei der gepunkteten Tunika hatte ich die schmale Variante für das Säumen gewählt. Das hat sich nicht als optimal herausgestellt, die Saumnaht ist dann im Verhältnis zum dickeren Stoff zu schmal. So habe ich der Einfachheit halber eine zweite schmale Naht gesetzt statt aufzutrennen. Insgesamt ging es hier aber ebenso einfach zu wie beim Säumen der anderen Tunika: kein Knubbeln, keine Fältchen im Inneren, kein Fadengewirr!

Die Ärmel habe ich ebenso mit Covernaht gesäumt. Hier hat sich als Nachteil herausgestellt, dass meine Bernette wie aber auch andere Covermaschinen keinen Freiarm für die Ärmelbearbeitung hat. Die Übungen haben mir gezeigt, dass dieser Projektabschnitt am besten zu händeln ist, wenn man den Ärmel auf links hat, man sieht den Umschlag außen, genäht wird aber innen auf der rechten Seite, indem man die Ärmelnaht langsam rundführt.

Tasche mit Covernaht aufgenäht

Eine weitere Erleichterung und Optimierung ist zu nennen. Taschen aufzunähen erforderte bisher folgende Schritte:

  • zunächst die obere Kante versäubern und säumen, erst Overlock, dann Zwillingsnadel oder Wabenstich oder normaler Stich
  • die Tasche außen herum versäubern, Overlock mit Einhalten
  • Außenkanten umschlagen, stecken und anstecken
  • Aufnähen mit normalen Stich oder Wabenstich

Nun bleibt alles elastisch auf und mit elastischem Material:

  • obere Kante mit Covern säumen oder wie hier mit Covern Spitze annähen
  • Kanten umschlagen und stecken und anstecken
  • Tasche mit Covern aufnähen

Wer genau hinsieht, wird entdecken, dass die Naht noch nicht gut geführt ist, sodass es ein wirklich wichtiges Fazit gibt:

Der transparente!!! Standardnähfuß wird demnächst zum Einsatz kommen,

damit man die Nahtführung optisch gut kontrollieren kann. Dies gilt auch für den nächsten Arbeitsschritt.

Jerseystreifen als Halsabschluss

Gerade bei leichten Stoffen möchte man am Hals nicht unbedingt mit einem Bündchen arbeiten. Gestreifte oder farblich akzentuierende Bündchen sind zwar ein bewährtes und beliebtes Gestaltungsmittel, aber nicht immer hat man ein passendes Bündchen zur Hand oder aber die Ware ist einfach zu fein für die meist doch dickeren Bündchen. Dann habe ich in der Vergangenheit schon Jerseystreifen verwendet. Welche Arbeitsschritte waren dann nötig? Die Jerseystreifen werden gefaltet und mit der Overlock gedehnt angenäht, entweder im Ring noch offen von vorderer zweiter Schulter zu hinterer zweiter Schulter, bevor man die Schulternaht schließt, oder aber als Ring geschlossen an die schon vollständig geschlossene Halsrundung. In jedem Falle hat man es dann innwendig mit einer abstehenden, dicken Overlocknaht zu tun – nicht schön! Es lässt sich mit einen eventuell farblich abgesetzten Streberstreifen im hinteren Halsbereich noch Chic hinzufügen und auf dem Bügel hängend oder gefaltet liegend sieht man dann die hässliche Naht nicht. Dick bleibt es aber dennoch und der Streberstreifen sorgt auch nicht unbedingt für hohe Elastizität!

Der Durchbruch ist nun gefunden: Der gefaltete und zum Ring zusammengenähte Jerseystreifen wird der leicht umgeklappten Halsrundung gedehnt untergesteckt. Ich habe tatsächlich nur gründlich mit Stecknadeln das Nähen vorbereitet! Dann wird knappkantig gecovert – fertig! Alles liegt flach aneinander und ist sauber und ist absolut elastisch! Damit bin ich sehr zufrieden!

Allerdings und ich wiederhole mich: Der transparente Standardnähfuß wird demnächst auch hier zum Einsatz kommen!

Bei der gepunkteten Tunika habe ich statt des Jerseystreifens eine elastische Spitze gewählt, das Verfahren ist hier aber entsprechend.

Fazit zu den Nähmaschinen: Ich denke, dass sich eine Covermaschine für Diejenigen lohnt, die viel nähen und Freude daran haben. Meine Wahl fiel auf eine Kombimaschine, weil meine erste Overlockmaschine kaputt ging und die Reparatur nicht wirtschaftlich erschien. In diesem Zusammenhang warne ich vor allzu preiswerten Einsteigermodellen wie der meinen ersten Overlock. Hier gilt wahrscheinlich: Wer billig kauft, kauft zweimal. Meine normale Nähmaschine ist im Übrigen die gute alte Bernina 1090 und sie begleitet mich schon Jahrzehnte. So sollte es sein! Sie war ein Geschenk meiner Eltern, das macht sie noch einmal wertvoller, zumal ich für meine Enkelkinder und ihre Urenkelkinder damit nähe.

Törtchen, Törtchen, Törtchen

Es war der Wunsch meiner Enkelin Leni, noch einmal ein Kleid oder ein T-Shirt oder eine Tunika mit einem Törtchenstoff genäht zu bekommen. Die kleine Schwester trug gerade ein Kleidchen mit entsprechendem Motivstoff auf. Der vormals verwendete, grüne Stoff war ausverkauft, nur ein gleicher in festerer Baumwolle für Dekorationszwecke war verfügbar. So habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht und fand diesen Jerseystoff bei Slantastoffe, der sich als sehr schön weich erwies. Ich bestellte 1,30 m.

Im Fundus fand ich einen passenden einfarbigen Jersey, ehemals ein Nachthemd meiner verstorbenen Mutter, in sehr guter Qualität. Etwas Einfarbiges zum starken Motivstoff beruhigt die Wirkung, so denke ich. So entstanden aus den 1,30 m drei Kleidungsstücke für die drei Enkeltöchter. Wenn die Uroma das sehen könnte!

Das erste Kleidchen ist nach meinem bewährten Schnitt gefertigt.

für Cilly nach meinem easy-peasy-Schnitt
für Lotta nach einem Ottobre-Schnitt
für Leni ebenso nach Ottobre-Schnitt
Partnerlook für Schwestern

Törtchen, das scheint für Mädchen, die beim Backen helfen und die gerne naschen, ein beliebtes Motiv zu sein. Ich hatte das schon einmal berücksichtigt, so gibt es eine Törtchen-Applikationsvorlage kostenfrei und ein Schürzenset für Mutter und Kind mit Törtchen im shop.

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